J. H. May's Schulordnung vom 16. Sept. 1729. 227
memorie beſtehet, ſo kann ſie auch leichtlich Vieles auf einmal erlernen, welches aber nachgehends bei Gelegenheit immer wiederholt werden muß.“„Eine durchgehends gleiche orthographia Latina iſt einzuführen, und zwar nach der neuern manier des Christoph. Cellarii.“ Außer dieſen Winken, die ſich auf alle Klaſſen bezogen, gab May in dem oben gedachten Berichte Rathſchläge für die Geſtaltung der einzelnen Klaſſen. Schon am 16. Sept. 1729 nahm der Magiſtrat die Vorſchläge an, die May vorgetragen, und veröffentlichte unter demſelben Tage die nachfolgenden, von May ſelbſt aufgeſetzten Leges Gymnasii Wormatiensis, in denen die Beſtimmungen, die May in ſeinem Berichte empfohlen, meiſt wörtlich abgedruckt ſind, insbeſondere Nr. 5. 8. 9. 11—42. Leges“) Gymnasii Wormatiensis. (Wormatiae, Typis Ascanii Christophori Georgii Curdsii.)
WIr Stättmeiſter, Burgermeiſter und Rath dieſer des Heil. Reichs Freyen Stadt Wormbs thun hiermit kund und zu wiſſen: Gleichwie GOttes heiliger Wille iſt, daß in ſeiner Kirche alles ehrlich und ordentlich zugehen ſolle, Chriſtliche Schulen aber auch mit zu der Kirchen gehören, und in ſeiner Maaß als Kirchen⸗Verſammlungen anzuſehen ſind; Alſo lieget Chriſtlichen Regenten, als Pflegern der Kirchen und Schulen, und abſonderlich denenjenigen unter ihnen, welchen ſothane Auff⸗ ſicht ſonderbahr anvertrauet worden iſt, ob, ſorgfältig zu wachen, daß das Schul⸗Weſen in gute Ordnung geſtellet, alſo fortgeführet, und getrieben, und darinnen ſowohl Lehrenden, als Lernenden, ihre Pflicht und Schuldigkeit fürgeſtellet und gewiſſe Schrancken, innerhalb welcher ſie ſich allerſeits halten ſollen, geſetzet werden.
Des Endes haben Wir durch Unſere Scholarchen gegenwärtige Schul⸗Geſetze, weilen die Alte durch die klägliche Zerſtöhr⸗ und Einäſcherung dieſer Stadt mit verlohren gegangen, und, ohngeachtet alles beſchehenen fleißigen Nachforſchens, nicht wieder zuhanden gebracht werden können, nicht allein ehedem Anno 1705, den 11. April, ſondern auch jetzo bey geſchehener general-Visitation Unſeres Gymnasii, verfaſſen, zuſammen tragen, und verbeſſern laſſen, damit allem etwa einreiſſen wollenden Unweſen kräfftiglich geſteuret werden möge.
1. Demnach ſetzen und wollen wir, daß nun und in das künfftige keine andere, als Unſerer rein⸗Evangeliſchen oder ſogenannten Lutheriſchen Religion mit Hertz und Mund zugethane Schul⸗ Lehrer in Unſerem Gymnasio ſollen angenommen oder gedultet werden, und, damit man deſſen bey Ihnen deſto verſicherter ſeyn möge, alle dieſelbe ſowohl Rectores als Pro- und Conrectores auch übrige Praeceptores, ehe und bevor ſie angenommen werden, von Unſeren verordneten Scholarchen, mit Zuziehung des Visitatoris und übriger Evangeliſcher Prediger Unſerer Kirchen, gleichwie ihrer Erudition, alſo auch ihrer Glaubens⸗ und Religion halber examiniret werden, und anbey gehalten ſeyn ſollen, ſich, gleichwie an anderen Evangeliſchen Orten gebräuchlich, auf Unſer
*) Das von May's Hand geſchriebene Original und mehrere Exemplare obiger, nach Mays Manuſcript im September 1729 gedruckten Leges befinden ſich im Wormſer Archiv bei den Scholarchats⸗Acten, vol. A:, iasc. XVII.„Schulordnung für Lehrer und Schüler.“ Auf Befehl des Magiſtrats wurden am 24. Oct. 1729. in Gegenwart des Scholarchats„die neue verfaßte und in truck gebrachte Schuhl⸗Leges denen drei anweſenden Gymnasii Praeceptoribus, namentlich Herrn Rectori Jung, Herrn Mag. Franck und Herrn Cantori Fliddner ordentlich publicirt und anbey dieſen ernſtlich bedeutet, ſolchen alles Fleißes nachzukommen, welches zu thun dann dieſelben dem Herrn Seniori Knod, stipulata manu angelobet haben.“ Da hier der Name des Con⸗ rectors Koch, der im Jahre 1729 den letzten Gehalt bezogen, nicht genannt iſt, ſo ergibt ſich auch hieraus, daß derſelbe beim Beginn des Winterhalbjahrs 1729—1730 nicht mehr im Amte war. Vgl. oben die Nachricht über die fehlgeſchlagene Berufung Alefelds zum Prorectorat.
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