190 Rückkehr der Jeſuiten nach Worms 1703.
Mainzer Kurfürſten Anſelm Franz von Ingelheim und den Pfalzgrafen Philipp Wilhelm— die Nachfolger der Commiſſäre vom Jahre 1650— gegen die Stadt Worms aufbiete, um dieſe zur Willfährigkeit gegen das Colleg zu zwingen.*) Dieſer Bitte entſprach unter dem 11. October 1687 Biſchof Johann Karl in einem Schreiben an den Kaiſer Leopold l., in dem er am Schluſſe ver⸗ ſichert, daß er und die Patres die höchſte kaiſerliche Gnade„zu langwührigſter Geſundheit und fernerer Siegreichſten Regierung in ihrem Gebät abzuverdienen ſich äußerſt befleißen werden“.**) Gleichzeitig richten Rector und Collegium Soc. Jesu mit Beziehung auf des Biſchofs Fürbitte ein klägliches Schreiben für„allhieſiges armes Collegium“ an Se. Majeſtät.***) Es erfolgte hierauf eine Verfügung vom 6. Nov. 1687, wodurch dem Rath aufgegeben wurde, ſich demnächſt zu ver⸗ antworten, inmittelſt aber nicht die Bittſteller im Widerſpruch zu den kaiſerlichen Privilegien zu beläſtigen. †)
Aber der Rath zu Worms folgte nicht, ſo lange nicht eine Kaiſerliche Commiſſion und die Androhung einer Execution zu fürchten waren. Ehe das Verhältniß zwiſchen dem Rath und dem Jeſuiten⸗Collegium zu Gunſten desſelben ſich verbeſſete, ward Worms am 31. Mai 1689 ein⸗ geäſchert; und als Worms wieder aus der Aſche erſtand, entbrannte auch der Streit zwiſchen der Stadt und den Jeſuiten von neuem, und er ruhte nicht bis zu der im Jahre 1773 erfolgten Auf⸗ löſung des Jeſuitenordens und des Wormſer Jeſuitencollegs.
Reſultat.
Die Jeſuiten ſchlichen ſich im Jahre 1606 gegen den Willen des Raths in die Frei⸗ und Reichsſtadt Worms ein. Deshalb beſtritt der Rath denſelben die Freiheiten des Wormſer Clerus ſofort und allezeit. Dagegen wurden denſelben in den ſchrecklichen Jahren des dreißigjährigen Krieges, in denen der Jeſuitismus triumphirte(1624—1629, 1635—1639) thatſächliche Zugeſtänd⸗ niſſe gemacht oder Connivenz geübt. In den Jahren, während die Schweden(1631—16 35) oder die Franzoſen und die Schweden die Stadt behaupteten(1644—1650) trat der Rath wieder feſter gegen die Jeſuiten auf. Von 1650—1670 gewannen die Jeſuiten wieder mehr Boden. Von 1670— 1689 mußten ſie ſich dem Willen des Raths fügen. Von 1689—1703 waren keine Jeſuiten in Worms.
6. Die Wormſer Jeſuiten von 1703—1773.
Bei der Einäſcherung der Stadt Worms durch die Franzoſen war auch das Jeſuiten⸗ collegium am 31. Mai 1689 bis auf die Mauern ausgebrannt.„Die Väter kamen dadurch in nicht geringe Verlegenheit. Sie blieben nämlich einige Jahre lang ohne feſten Wohnſitz, bis ſie ſich endlich im Jahre 1693 nach dem nahen Dirmſtein begaben, wo ſie zehn Jahre lang in dem daſigen biſchöflichen Schloſſe blieben, worauf ſie im Jahre 1703 nach Worms zurückkehrten, ihr zerſtörtes Collegium wieder aufbauten, auch die lateiniſche Schule wieder an⸗ fingen.“ ††) Die im Darmſtädter Archiv befindlichen Protocolle des Wormſer Domeapitels aus den Jahren 1700— 1703 berichten von verſchiedenen Plänen, welche die Jeſuiten bezüglich der
*) Wahrh. Facti species ec., Wetzlar 1715, S. 37— 39.
.*) Ebendaſ. 8. 40— 42. **) Ebendaſ. S. 43— 46.
†) Wormſ. Ahi IV. IV. 34. 12. 187, Act. 24, Beilage Lit. H
**%) L kehmn nn n⸗ Geſchichte der Klöſter in und bei Worms, Archiv für heſſ. Geſchichte, Band II., Heft 3, Nr. XXIII. S. 475. G. J. Wilh. Wagner, geiſtl. Stifte im Großh. Heſſen, II. 496.


