Der Biſchof zu Worms Johann Karl von Frankenſtein verwendet ſich für die Jeſuiten bei Leopold I. 1687. 189
Karl von Frankenſtein. Derſelbe legte Fürſprache für ſie bei dem Kaiſer Leopold ein; allein 1689 ward Worms zerſtört.“ Es iſt nun aber nicht zu verkennen, daß nicht die etwaige Flüchtung des Archivs die Wormſer Jeſuiten lähmte, ſondern daß die allgemeine politiſche Lage(1670 Revolution in Ungarn), wie ſie den Rath zu Worms zu ſeinem Vorgehen gegen die Jeſuiten ermuthigte, dem von Franzoſen und Türken bedrängten Kaiſer Leopold J. weder Zeit noch Neigung mag gelaſſen haben, zu Gunſten der Wormſer Jeſuiten eine ſeiner getreuen Reichsſtädte gerade damals zu verfolgen, als Ludwig XIV. in wiederholten Kriegen Deutſchlands Grenzen beraubte, ſo daß mit Hintanſetzung confeſſioneller Rückſichten und Zwiſtigkeiten Kaiſer Leopold l. und das deutſche Reich, insbeſondere der große Kurfürſt Friedrich Wilhelm, im Bunde mit dem katholiſchen Spanien und dem eifrig proteſtantiſchen Wilhelm III. von Oranien im holländiſchen Kriege an dem Kampfe gegen Ludwig XIV. ſich betheiligten.*)
Daran reiht ſich folgende Nachricht an, die Lehmann(Geſch. der Klöſter in und bei Worms, S. 475) aus handſchriftlicher Quelle geſchöpft, ohne zu ſagen, wo die von ihm benutzten Handſchriften ſich befinden.„Im Jahr 1675 legten die Jeſuiten in dem Collegium eine eigene Hauskapelle an; der Domdechant und biſchöfliche Vicar Philipp Wreden von Amecken legte in Gegenwart vieler Prälaten im genannten Jahre auf Joſephstag(19. März) den Grundſtein zu derſelben, welche den heiligen Joſeph zum Patron erhielt. Im folgenden Jahre war dieſe Kapelle ſchon vollendet und wurde auf Befehl des Wormſer Biſchofs Damian Hartard(von der Leyen) am Tage des h. Wolfgang(31. Oct.) durch den Mainzer Weihbiſchof Adolf Gottfried Voluſius feierlichſt eingeweiht.“**) Die Protocolle des Wormſer Domcapitels vom 21. und 26. Febr. 1676 verzeichnen, daß die Jeſuitenpatres darum anhalten, ihnen„ein Hausplätzlein neben der Schulen, der Jugend zum Beſten und ſonſt zu ihrer Nothdurft proprietarie ex gratia zu überlaſſen.“ Das Capitel genehmigt die Bitte„dergeſtalt, daß ſie einen Saal neben der Schule anfertigen laſſen ſollen“, und das Plätzlein erhalten ſie, ſoweit ſie deſſen bedürftig zu ihrer Intention,„bis zur Einfahrt“.**)
Es war natürlich, daß Kaiſer Leopold zu Gunſten der Jeſuiten nicht gegen den Rath zu Worms in einer Zeit einſchritt, als Ludwig XIV. am Rhein ſeine gewaltſamen Reunionen vor⸗ nahm(1680) und die freie Stadt Straßburg dem deutſchen Reiche raubte(1681), und als der Aufſtand der Ungarn unter Emmerich Tököli die Türken unter die Mauern Wiens führte. Als aber die Türken Ofen verloren und das Blutgericht zu Eperies Ungarn dem Kaiſer zu Füßen gelegt(1687), glaubte auch ſchon der Wormſer Biſchof Johann Karl von Frankenſtein, der geeignete Zeitpunkt ſei jetzt gekommen, um gegen den Magiſtrat mit Erfolg bei dem Kaiſer zu Gunſten der Wormſer Jeſuiten Fürſprache einzulegen. In der Klageſchrift, die im J. 1687 das Wormſer Jeſuitencolleg an den Biſchof Johann Karl von Frankenſtein richtete, wird geſagt, der Magiſtrat wolle zwar die freie Aus⸗ und Einfuhr Salvo suo jure geſtatten, allein ſo ſtünden ſie„nimmer in Sicherung ihrer Freiheit, ſondern ſeien eines jeden Städtmeiſters oder des geſammten Raths Angriffen ausgeſetzt, je nachdem dieſe gegen ſie geſinnt ſeien.“ Deshalb bitten die Jeſuiten, der Biſchof möge bei dem Kaiſer beantragen, daß derſelbe wiederum kaiſerliche Commiſſäre, nämlich den
*) Als 1674 das deutſche Reich dieſem Kampfe beigetreten war, wurde 1674—1679 bis zum Nymweger Frieden„auch die Stadt Worms mit vielen Einquartierungen und Geldausgaben ſehr mitgenommen; ſie hat aber an Häuſern oder in ſonſtiger Hinſicht keinen Schaden erlitten, weshalb ſie ſich auch gar bald wieder erholt und ziemlich genähret“.(Chron. der Wormſ. Gymn.⸗Bibl. Fol. 324 a.)
*) G. J. Wilhelm Wagner, Geiſtl. Stifte im Großh. Heſſen, II. 492, hat Lehmann'’s Nachricht abgedruckt. ***) Domcapitel⸗Protocolle im Darmſt. Archiv vom 21. u. 26. Febr. 1676.


