Jahrgang 
1906
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164 Verhandlungen d. Commiſſion des Kurf. z. Mainz u. Biſchofs z. Worms Georg Friedrich v. 16. 20. Juni 1629.

Der Kurfürſt ſäumte nicht, ſchon am 26. Januar 1629 die Subdelegation unverweilt zu beſtellen, die durchgütliche Unterhaltung den Rath zu Worms zur Folgſamkeit bringen ſollte. Dieſelbe beſtand aus den Kurfürſtl. Mainziſchen Räthen Johann Euſtachius von und zu Francken⸗ ſtein, Johann Ernſt Neuſeſſer und Joh. Jac. Laſſer. Urſprünglich war in Ausſicht genommen, daß dieſelben etwa um die Mitte der Faſten 1629 im Biſchofshof zu Worms mit der Stadt ver⸗ handeln ſollten. Allein die Sache zog ſich hinaus. Bevor es zu den Commiſſionsverhandlungen kam, berieth der Rathder Jeſuiter geſuchte Freiheit und die Commiſſionsſache in den Sitzungen vom 9., 10. und 12. Juni 1629.(Extr. prot. a. a. O., Fol. 80. Nr. 11. u. Fol. 81. Nr. 35.) Fichtl berichtet, der Magiſtrat habe den Delegirten, um einen für ihn mißlich ausſehenden Proceß abzuwenden, die Erklärung abgegeben, daß er dem ihm inſinuirten Privilegium des Kaiſers Ferdinand II. vom 17. Juni 1624 gehorchen und die Jeſuiten zu allen Zeiten der rachtungs⸗ mäßigen Freiheit genießen laſſen wolle. Das Rathsprotokoll ſchreibt in Bezug auf dieſe Ver⸗ handlung:Die ſubdelegirten Commiſſarii haben ſich partheiiſch erzeigt.(Extr. prot. a. a. O., Fol. 80. Nr. 11.) Fichtl theilt auch ein vollſtändiges Protocoll mit, das über die zwiſchen den delegirten kaiſerl. Commiſſarien und den Vertretern der Stadt vom 18.20. Juni 1629 geführten Verhandlungen Zeugniß gibt.*) Nur einen Auszug aus dieſen von Fichtl im J. 1777 copirten Protocollen enthält die mehr gedachteFacti species, die im Jahre 1715 zu Wetzlar gedruckt wurde, woraus erſichtlich iſt, daß Fichtl noch im Jahre 1777 über Quellen verfügte, die voll⸗ ſtändiger waren, als die in der ged. Facti species edirten Urkunden. Es folgt hier nach Fichtl und derFacti species ein Auszug aus den Protocollen der vom 18.20. Juni 1629 geführten Verhandlungen.

Montags den 18. Juni 1629 erſchienen vor den Kayſerlichen Commiſſarien in Ihrer Churfürſtl. Gnaden Biſchöflichen Hofe zu Worms Morgens nach der achten Stunde auf ſeiten der Herrn Patrum Societatis Jesu Collegii Wormatiensis Herr Pater Rector Johannes Gelenus und P. Ludovicus Frankenſtein, ſodann wegen eines ehrſamen Raths der Stadt Worms die Herren Philipps Chriſtoph Zorn, regierender Schultheiß(ſ. oben S. 120 u. 123), Joh. Jul. Seidenbänder, alter Burgermeiſter, und Dr. Friedrich Sauer, Syndicus, denen die Kaiſerliche Commiſſion durch den wohledlen geſtrengen Herrn Johann Euſtachinum von und zu Franckenſtein eröffnet worden. Dr. Friedrich Sauer führte im Namen der Stadt bei den nun folgenden Verhandlungen das Wort. Die Verhandlungen dauerten mehrere Tage. Die Vertreter der Stadt erklärten zunächſt, ſie hätten allein Befehl in des Raths Namen die kaiſerliche Commiſſion anzu⸗ hören und dann dem Rath zu referiren; dann erklären ſie, die Angelegenheit müſſe zuvörderſt mit den ſiebzehn Zünften berathſchlagt werden. Zur Sache behaupten ſie, das Begehren der Patres ſei der Rachtung zuwider, auf die der Rath geſchworen und gegen die ſie absque perjurio nicht verfahren könnten; die Jeſuiten ſeien Ordensperſonen, die in der Rachtung und der darin ſpeciell angeführten Geiſtlichkeit nicht enthalten ſei; endlich ſei es den Herrn Jeſuiterpatres um den Handel mit Früchten und Wein zu thun, was ihrem Gelübde der Armuth zuwider ſei. Die Commiſſion

*) Die damalige Willigkeit des Raths würde ſich aus einer ganz beſonderen Nothlage erklären, wenn folgende Nachricht der Chron. der Wormſ. Gymn.⸗Bibl. auch noch durch andere Zeugniſſe als wahr erwieſen würde. Es ſoll nämlich ſchon im Monat März 1629 ein kaiſerlicher Commiſſarius die Stadt blokirt haben und die Blokirung der Stadt erſt in Folge der Zahlung einer bedeutenden Summe aufgehoben haben. Vgl. Chron. der Wormſ. Gymn.⸗Bibl. Fol. 260 b:1629 den 16. bis 19. März wurde mit dem kaiſerlichen ſub⸗ delegirten Commiſſarius(J. E. Neuſeſſer? Die Chronik nennt den Commiſſarius: v. Naſſau) wegen Aufhebung der Bloquirung tractirt und wurde bezahlt: fl. 59501.