Ferdinand II. beſtellt eine Commiſſion zur Unterwerfung der Stadt unter die Forderung der Jeſuiten, Oct. 1628. 163
„per indirectum' aus der Stadt treiben wollen, und dabei habe ſich der Rath auf die in dem Privileg des Kaiſers Matthias enthaltene Clauſel geſtützt:„doch männiglichen an ſeinen Rechten und Gerechtigkeiten ohnvergreiflich und ohnſchädlich.“ Geleni bat deshalb den Kaiſer, dieſe Clauſel ſo zu declariren, daß alle Schutz⸗ und Freiheits⸗ briefe, Confirmationes und Reſcripta, die die Kaiſer dem Jeſuitencolleg zu Worms zugewendet, in Kraft blieben und dem Magiſtrat zu Worms ernſtlich und durch Androhung von Strafen ein⸗ geſchärft würden. Rector Geleni brachte es wirklich dahin, daß Kaiſer Ferdinand II. eine kaiſer⸗ liche Commiſſion unter Leitung des Biſchofs zu Worms und Kurfürſten zu Mainz Georg Friedrich von Greifenklau ernannte, die den gedachten Streit ſchlichten ſollte. Der Kaiſer richtete am 16. Oct. 1628 an den Kurfürſten folgendes Schreiben.
„Ferdin and der andere von Gottes Gnaden Erwählter Römiſcher Kayßer, zu allen Zeiten Mehrer des Reichs ꝛc. Ehrwürdiger lieber Neveu und Churfürſt, aus dem beygefügten Einſchluße haben Deine Liebden mit mehreren zu erſehen, wasmaßen bey uns unſer lieber andäch⸗ tiger Johannes Gelenus, der Societät Jeſu Rector in unſerer und des heiligen Reichs Stadt Worms, in unterthänigkeit klagend vor⸗ und einkommen, daß(obwohl berührtes Collegium zu Worms von unſeren hochgeehrten beiden Vorfahren am Reiche, Kayßer Rudolph Eund Matthias und uns ſelbſten in kayßerlichen Schutz, Schirm und Pro⸗ tection genohmen, denſelben auch alle und jede Privilegia, Rechte und Gerechtigkeiten, ſo die Kleriſey daſelbſt haben, gleichfalls zu genießen mit⸗ getheilet, ſelbige auch beſagter Stadt Worms zu ihrer Wiſſenſchaft und Nachrichtung von denen patribus zum öffteren inſinuiret[worden ſeye], wie auch denſelben nicht wenig alles Ernſtes auferlegt und inhibiret worden ſeye, beſagtes Collegium bei ſolchen ihren Rechten und Gerechtigkeiten ruhiglich bleiben zu laſſen) deme allem zuwider hätten gedachte Burgermeiſter und Rath vorbenannten Patres, zu ihrer nothwendigen Unterhaltung Wein, Früchte und anderes, gleich anderen Geſſtlichen, zu kauffen und zu verkauffen, nicht geſtatten nooch zulaſſen wöllen, ſondern ſeyen gegen ihnen mit Sperrung ſolcher geiſtlichen Freyheiten und Abnehmung bürgerlichen Umgeldes de facto ungütlich verfahren, der ohngezweifelten Meinung, ſie, die Patres, durch ihre turbationes und Sperrungen aus der Stadt zu treiben; mit unterthänigſt gehorſamſter Bitte, wir geruheten ihnen unſere ernſte kayßerliche Hülfe zur Abſtellung ſolcher beſchwerlicher Proceduren, und daß ſie ihrer Privilegien und Frey⸗ heiten gleich anderen Geiſtlichen ohngehindert genießen mögen, gegen beſagte Stadt Worms gnädigſt mitzutheilen, und dieſelben dabey zu ſchützen und handzuhaben. Nun hat uns zu Beilegung dieſer angebrachten Beſchwerden kein bequemeres Mittel zu ſeyn erachtet, als hierinnen unſere Kayßerl. Commiſſion anzuordnen und dieſelbe Deiner Liebden, als welche dieſer Sachen ohne Zweifel gute Wiſſenſchaft hat und zum nächſten gelegen iſt, gnädiglich an⸗ und auf zutragen ec. Geben in unſerer Stadt Wien den 16. Octob. a. 1628.“ Ferdinand.„Dem Ehrwürdigen Georg Friedrichen, Erzbiſchofen zu Maynz, des heyl. Römiſchen Reichs durch Germanien Erzkanzlern, Biſchofen zu Worms, unſerem lieben Neveu und Churfürſten.“
Der Kurfürſt ſoll ſelbſt oder durch ſeine Subdelegirten die beiden Parteien, Bürgermeiſter und Rath, ſowie den Rector des Collegiums der Societät Jeſu, oder auch deren Bevollmächtigte vorfordern, zwiſchen denſelben vermitteln und im Falle der Erfolgloſigkeit der Verhandlungen an
den Kaiſer berichten. 21*


