154 Die Unirten im Wormsgau.„Spaniſcher Schlaftrunk den Teutſchen bereitet.“ 1620.
trunk, die evangeliſchen Unirten ſicher und ſchlafen zu machen.“„Diejenigen, ſo von dem Schlaf⸗ trunk nichts getrunken, werden unſchwer abnehmen, daß Spanien anders nichts als ein absolutum dominium und regnum hereditarium aus Teutſchland zu machen ſich unterſtehet.“„Wer macht den Spinolam ſo frech und ungezähmt, daß er in einem ſo freien Reich ſein Vorhaben, das den Reichsconſtitutionen zuwiderläuft, zu effectuiren ſich unterfängt?“„Lieber, wer hat ihm geſagt, daß die zu Oppenheim immer gekrolzt und gern wiederum reichsſtädtiſch wären? Lieber, wer mag doch die Stadt Wormsbei ihm verrathen haben, daß ſie ſehr groß und weit umfangen und doch an Bürgerſchaft ſehr gering und mit ihrer geringen Beſatzung nicht zu defendiren ſeir Lieber, woher mag er das haben, daß es mit der Reichsſtadt Speier gleicher geſtalt alſo beſchaffen, und beide Städte ihre eigene Feinde, die große Pfaffheit, er aber viel Freunde darinnen habe? Lieber, wer iſt daran ſchuldig, daß Spinola mit ſolcher Macht in Teutſchland gerückt? O Ihr mit wachenden Augen ſchlafende Hirten, wie blaſet ihr ſo in ein Horn, deſſen Tanz ihr gewißſelbſten nachſpringen und ungewöhnliche Capriol ſchneiden müſſet? Fürwahr des ſpaniſchen Wolfs Art wird an Euch nit verleugnet, ſondern greulich erwieſen werden.“*)
Als Spinola bei Oppenheim eine Brücke geſchlagen, den Rhein überſchritten, Bensheim be⸗ ſetzt und von hier bis an den Rhein Schanzen aufgeworfen, entſtand zu Heidelberg ſolche Furcht, daß nicht nur die Kurfürſtin Wittwe, ſondern faſt alle Räthe und viele vornehmen Einwohner flohen. Jedoch die Frankenthaler waren entſchloſſen, Gut und Blut einzuſetzen und ſich auf’s äußerſte zu vertheidigen. Dagegen hörten die unirten Fürſten in ihrer Muthloſigkeit nicht auf die Vorſchläge des Prinzen Moriz von Oranien und des Landgrafen Moriz von Heſſen⸗Kaſſel Spinola beſetzt, wäyrend die Unirten im Wormſer Gau liegen, ungehindert viele Orte an der Moſel, der Nahe, am Rhein und in der Wetterau. Mit Recht zürnte Moriz von Heſſen den Unirten:„Euch ſchmecken die Wormsgauer Trauben ſo wohl, daß Ihr der ſpaniſchen Pomeranzen vergeſſet.“ Was dann zwiſchen Worms und Alzey ſich ereignete, war auch nicht geeignet, die Stadt Worms für die Sache der Union zu erwärmen. Spinola hielt ſich nämlich mit dem größten Theil ſeines Kriegsvolks zu Oppenheim, Creuznach, Alzey und dort herum auf, wo er ſich auf den Höhen, in den Weinbergen vergraben und verſchanzt, ſo daß die unirten Fürſten, die an Fußvolk ſchwach waren, ihm nicht wohl beikommen und mit der Reiterei, an der ſie ihm überlegen waren, nicht ſchaden konnten. Als Spinola neue Truppen, 2000 Mann Fußvolk und 1000 Reiter, erhalten, ſuchte er ſeine Stellungen zu verändern. Sobald er ſich aufmachte und von einem Ort zum andern ſich begeben wollte, zogen zwar die Fürſten zu Feld, um ihm eine Schlacht zu liefern; allein Spinola wich geſchickt jedesmal ſolchem Verſuche aus, wurde aber wenigſtens von einem Angriff auf Kaiſerslautern abgehalten.**)
Damals war Prinz Heinrich Friedrich von Oranien, Morizens von Oranien Bruder, aus den Niederlanden über Coblenz, wo er den Rhein überſchritt, nach Frankfurt gezogen, hatte zwiſchen dieſer Stadt und Hanau am 4. October den Main überſchritten, alsbald das pfälziſche Gebiet be⸗ treten und nach einigen Tagen ſeine 2600 Fußgänger und 36„Compagnien“ Reiter mit dem Heer der Unirten bei Worms vereinigt.„Als nun Prinz Heinrich Friedrich zu den unirten Fürſten gekommen, ſind ſie am 14. October zu Worms über die Brück gezogen, bei ſich habend 5000 zu Pferd und 6000 zu Fuß, 20 Stück Geſchütz und andere Bereitſchaften. Damit ſind ſie auf Alzey zugezogen in der Abſicht, dieſe Stadt mit allem Ernſt anzugreifen oder mit Spinola ein Treffen M. C. Londorp, acta publica, II. 210— 212.
**½ν) Theatr. europ. I. 384. 385.


