Verhandlungen über die ſtändige Niederlaſſung der Jeſuiten in Worms 1611—1612. 133
Wilhelm von Effern, angeſonnene weiter gehende Dotirung der Wormſer Jeſuiten am 20. Dezember 1611 zunächſt abzulehnen. Das Protokoll des Domcapitels vom 20. Dez. 1611 (Prot.⸗Buch, im Darmſt. Archiv, Fol. 121 b) ſagt darüber Folgendes aus:„Abgeordnete haben Ihrer Fürſtlichen Gnaden Gruß einem Dumbeapitel angemeltett, aus redlichen und trefflichen urſachen hette Ihre Fürſtlichen Gnaden perſenlich gern ein Dumbeapitel beſuget, wan wichtige geſchefften nit in weg gelegen; als haben Ihre Fürſtlichen Gnaden, negotium Patrum zu augiren, zu funndiren, zu dotiern, zu bekrefftigen zum ſonderlichſten, durch Ihre abgeſandten laſſen anmelten, als halten Ihre Fürſtlichen Gnaden nit geringſchetzig, ſonder notturfftig geacht zur furtſetzung ge⸗ meinen nutzen in concionando et informando Juventutem, daß meine Hern vff mittell vnd weg wollen ſich ercleren, wie bequemlicher weiß an die Patres mochte certa alimenta verordnet, vnd auf dißmal, promissive etwas anzufangenn, mochte beſtettiget werden, nit daß meine Hern durch dißes werck ſich ſollten laſſen reſtringiren oder Ire Jurisdictio im geringſten mochte abbruchlich ſein.“— Hierauf faßt das Domegpitel folgenden Beſchluß:„Fürſtlicher insinuation nach notturfft zu beantwortenn: es kan vff dißmall nit wol geſchehen.“ Es iſt bezeichnend, daß der Biſchof von Effern in dem vorſtehendem Antrage, den er ſeinem Dom⸗ eapitel machte, demſelben die beruhigende Verſicherung glaubte ausſprechen zu müſſen, daß durch die Dotirung der Jeſuiten das Capitel in ſeinen Macht⸗ und Rechtsbefugniſſen nicht ſollte ein— geſchränkt werden. Allein die ſpäteren Verträge zwiſchen Biſchof und Capitel einerſeits und dem Jeſuitengeneral und dem Wormſer Jeſuitencollegium andrerſeits zeigen, daß das Jeſuitencollegium zu Worms dem Wornſer Bisthum gegenüber in kleinen Verhältniſſen eine Selbſtändigkeit be⸗ ſaß, die nur der Ausfluß jener Machtbefugniß war, die der Jeſuitengeneral dem Papſte gegenüber behauptete. Zwei Tage ſpäter, am 22. Dec. 1611, zieht das Domeapitel abermals die geforderte Fundation der Jeſuiten in Betracht:„Auf Ihrer Fürſtlichen Gnaden genedigen geſinnen und begern, Patrum Societatis Jesu promotion fundation augmentation vnd dotation betreffenn, onvergreiflich ſich zu ercleren, wirdt dubitative ermeſſen, vnd deßwegen discursive allerley beredt werden. Dieweil auff dißmal Ihrer Fürſtlichen Gnaden intention zu geleben vnd gemeß zu halten, ohn Hern Dumb Proſten ꝛc. vnd den Hern von Aſchenbrauchk mit bewilligung oder anſuchen nit ſol oder mag beſchehen, als ſol berurtten Hern diß Weßen vollkommentlich angemelt werdenn, Ire meinung darüber zu vernemmen“ ꝛc.*) Aber einige Monate ſpäter bewilligte das Capitel die ihm angeſonnene Dotation.
Das Protocoll der Sitzung des Domcapitels vom 31. März 1612 ſagt darüber Folgendes: „Dieweil Ihre Fürſtlichen Gnaden nachmals ſchriefftliche rinnerung wegen deß hochnutzlichen wercks Patrum Societatis, ire promotion, dotation vnd fundation betreffen, außfurlich gethaen, auch Hern Dumb⸗ proſten reſolution vnd mitconſens von Ihrer Fürſtlichen Gnaden mitgetheilt, wie mitt mehren aus ſchrifftlichen Documentis durch ableſung genugſam vernommen: dem allem nach haben meine Hern mit gemeinem gutbeduncken in beſtendige gute ſich verglichen vnd diß Weßen ratificirtt als Gott dem almechtigen zu lob, zur Förderung der Seelen Heil, zur erhaltung chriſtlicher lieb vnd in ſonderheitt zur wollfahrtt vielen Chriſten angenommen vnd accipirt, doch daß ſich die Patres reverſiren ſollen.“**) Schon im Jahre 1612 ſcheinen die Jeſuiten in Worms für die Zwecke ihrer Niederlaſſung ein Gebäude hergeſtellt zu haben.„Ihr Bau wird im Auftrag des Raths beſichtiget, darüber findet relation an den Rath am 27. Oct. 1612 ſtatt.“**)
*) Protocoll des Domcap. v. 22. Dez. 1611, im Darmſt. Archiv, Fol. 122 a. *) Domcapitel⸗Protocolle v. J. 1612, im Darmſt. Arch., Fol. 130 a. *r) Extract. der Rathsprot., im Wormſ. Arch., ſ. Jesuwiter, Fol. 80 a. Nr. 16.


