Jahrgang 
1906
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Ausſagen der Wormſer Chroniken über das für das Gymnaſium angekaufte Barfüßerkloſter. 65

S. Francisci ordens, gemelt Kloſter der ſtadt eigenthümlich tradirt und übergeben, er war ein Wormſer. In der Chronik unſrer Bibliothek finden ſich ferner die folgenden Angaben, die durch die im Nachfolgenden zu beſprechenden Urkunden⸗Abſchriften des Wormſer Archivs beſtätigt werden.Anno 1541 conſentirte der Cardinal Contarenus wegen dem Verkauf des Barfüßer⸗Kloſters; die

Stadt gab Anfangs wegen dieſem Kauf einen revers.(Fol. 2413 a.) Anno 1548(richtig: 1549) d. 3. Apr. hat E. E. Rath dem Henrich Stolleisen Barfüßermünchen wegen

ſeiner verlangten restitution des Kloſters geantwortet. Nach der Hand haben ſie es noch verſchiednemal verlangt, als: anno 1628, d. 7. April frater Alexius; h. a. d. 19. Nov. Ludovicus a musis; h. a. d. 25. Oct. frater Bonaventura Marius. Anno 1628, Dec. wurde es ihnen durch ein Schreiben der Stadt vom Kayſer abgeſprochen.(Chron. der Wormſ. Gymn. ⸗Bibl. Fol. 241 b). Vgl. ebendaſelbſt Fol. 276 b:Anno 1627 den 21. Jun. hat Pridrich [dafür richtig anderwärts: Fr.= frater Theodor Rheinfeld das Barfüßerkloſter der Stadt wider abgefordert, welches ſie anno 1539 dem Barfüßer Orden mit Genehmhaltung des Kayſers und Pabſtes hatte abgekauft.Anno 1628, d. 7. Apr. hat frater Alexius præses des Barfüßerordens das beſagte Kloſter der Stadt wider abgefordert, auch d. 3. Aug. vom Kaiſer Ferdinand II. ein mandatum restitutionis ausgewürcket; den 19. Nov. hat frater Ludovicus a musis dieſes Geſuch erneuert. Den 25. Oct. thadt dieſes Geſuch frater Bonaventura Marius auch. Den 12/22. Dec. hat E. E. Rath deßwegen ein Bittſchreiben an Kayſerl. Maj. abgehen laſſen, und damit denen Anforderungen derer Barfüßer ein Ende gemacht.(Fol. 277 a.) Die vorſtehenden Ausſagen der Wormſer Chroniken werden nun beſtätigt durch glaubwürdige Copien einiger Documente, auf die ſich die zuſammengeſtellten Ausſagen beziehen. Als nämlich in den Jahren 1627 und 1628(vgl. unten die Geſchichte des reichsſt. Gymnaſiums zu Worms im 17. Jahr⸗ hundert) die Franziskaner das frühere Kloſter an der Petersgaſſe von dem Magiſtrat zu Worms zurückverlangten, legte dieſer ſowohl dem Kaiſer Ferdinand II. als auch dem Reichskammergericht die Quittung des Barfüßer⸗Provinzials Bartholomäus Hermann aus dem Jahre 1539 vor, laut welcher der Magiſtrat der Stadt Worms an den genannten Provinzial für das gedachte Kloſter die Summe von 700 fl. und dazu 30 fl. für Bemühungen und Gebühren ausgezahlt hatte. Auch die Beſtätigungen dieſes Kaufes durch Contarenus, den Legaten des Papſtes Paul III., und durch Kaiſer Karl V., und die mit den Franziskanern Heinrich Stolleiſen, Rheinfeld, Alexius, Ludovicus a Musis, Bonaventura Marius geführten Verhandlungen legte der Magiſtrat dem Kaiſer und dem Kammergericht vor. Abſchriften dieſer Urkunden befinden ſich im reichsſtädtiſchen Archiv zu Worms. Von dieſen Schriftſtücken ſollen zunächſt an dieſer Stelle diejenigen im Auszug oder vollſtändig abgedruckt werden, durch welche die Verhandlungen klar geſtellt werden, die von der Stadt Worms 1539, 1541, 1543, 1549 mit Bartholomäus Hermann, dem päpſtlichen Legaten, dem Kaiſer Karl V., ſowie mit Heinrich Stolleiſen in Betreff des als Schulhaus benutzten Barfüßerkloſters geführt wurden. Wiewohl die nachfolgenden Urkunden⸗Abſchriften einigen Raum beanſpruchen, ſo mögen ſie doch abgedruckt werden, weil ſich daraus ergibt, wie ungerecht im dreißigjährigen Kriege von Franzis⸗ kanern, Jeſuiten, Kapuzinern, Dominikanern gegen die Stadt verfahren wurde. 1.Copia der Uebergaben des Barfüßer⸗Ordens⸗Provincialis. 1539. Ich Barlholomaeus Hermann, der heil. Schrifft Doctor, des nit reformirten Barfüßer Ordens durch Germanien provincial, bekenne öffentlich undt thue kund gegen allermänniglich in undt mit dieſem Brieff, vor mich, meine Nachkommen, alle Brüder des ermelten Ordens und den Gantzen Orden, alß unßer Ordens arm verfallen Cloſter, in des heil. Reichs Stadt Wormbs ge⸗ legen, nun etliche Jahr lang vff abſterben und Mangel ermelter Ordensbrüder leer geſtanden, 9