Jahrgang 
1906
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III. Das lutheriſche Gymnaſium der Frei⸗ und Reichsſtadt Worms im 16. und 17. Jahrhundert.

1. Die Entſtehung der lateiniſchen Stadiſchule zu Worms und der Ankauf des BVarfüßerkloſters für dieſelbe.

Nach der Ueberlieferung des vorigen Jahrhunderts nahm das lutheriſche Gymnaſium der Reichsſtadt Worms im Jahre 1527 ſeinen Anfang. Doch fehlte es bis jetzt an einem Nachweis der Richtigkeit dieſer Ueberlieferung. Der Magiſtrat der Stadt ſoll für dieſe Schule im bezeich⸗ neten Jahre das faſt verlaſſene Barfüßerkloſter in Beſchlag genommen haben, das an der Peters⸗ gaſſe, ungefähr an der Stelle lag, wo jetzt am ſog. Schulhof hinter der Dreifaltigkeitskirche das alte, im Jahre 1729 vollendete Gymnaſialgebäude ſteht, das, erſt im Jahre 1824 der Wormſer Communalſchule abgetreten, von dieſer noch heute benutzt wird. Die Angabe, daß die Beſchlag⸗ nahme des Barfüßerkloſters für den gedachten Zweck im Jahre 1527 erfolgt ſei, erſcheint ſchon glaubwürdig, wenn man ſich nach der vorſtehenden Geſchichte der Kämpfe zwiſchen Bisthum und Stadt und der Wormſer Reformationsbeſtrebungen vergegenwärtigt, wie weit bereits im Jahre 1527 das unheilbare Zerwürfniß zwiſchen der Stadt Worms und dem Bisthum Worms, der Zer⸗ fall mehrerer Klöſter und die Religionsneuerung gediehen waren, und in wie naher Beziehung damals der Magiſtrat der Stadt, wenigſtens in ſeinem Herzen, zu Luther und Melanchthon muß geſtanden haben. Allein auch nach einigen Zeugniſſen handſchriftlicher Chroniken und nach Ur⸗ kunden des Darmſtädter Staatsarchivs ſowie des reichsſtädtiſchen Archivs zu Worms erſcheint es nahezu gewiß, daß das Jahr 1527 wirklich das Jahr der Gründung der lutheriſchen Stadtſchule oder der lateiniſchen Schule zu Worms geweſen iſt; und es ſcheint ſich nur noch der Zweifel ein⸗ ſtellen zu können, ob nicht die erſten Anfänge der lutheriſchen lateiniſchen Stadtſchule ſchon in den dem Jahre 1527 nächſtvorhergehenden Jahren zu ſuchen ſind. Es ſind bereits oben in der Ge⸗ ſchichte der Wormſer Religionsneuerungen(S. 51, ſ. Text und Anmerk.) die beiden Zeugniſſe abgedruckt, durch welche die Ueberlieferung über das Jahr der Entſtehung des reichsſtädtiſchen Gymnaſiums zu Worms beſtätigt wird. In der im Wormſer Archiv befindlichen Handſchrift B der Zornſchen Chronik, Fol. 216, iſt auf dem Rande folgender Zuſatz zu leſen:Mittwoch nach Matthiae Apostoli hat ein rhat Matthis von Schönberg befolhen, dem Münch im Barfüßerkloſter zu ſagen, das ein rhat der jungen kinder ſchul in das kloſter in ihr Convent ſtuben geordnet, und das er ſich der geſelſchafft mit kegeln, damitt die kinder in ihrer lehr dadurch nitt verhindert würden, forter enthielt. Dieſer Zuſatz iſt von der Hand desjenigen Gelehrten geſchrieben, der die gedachte Handſchrift B, die Zorns Namen trägt, an vielen Stellen mit Zuſätzen und Rand⸗ bemerkungen verſehen hat. Da dieſe Zuſätze mit gewiſſen Beſtandtheilen der Wormſer Chronik, die man wohl auf deren Fortſetzer und Ueberarbeiter Franz Berthold von Flersheim zurück⸗