Sicherung d. Proteſtantismus in Worms durch d. Paſſauer Vertrag(1552) u. den Augsb. Religionsfrieden 1555. 61
Das geſchah im Jahre 1552. Mit welcher Freude mögen Rath und Bürgerſchaft der Stadt Worms in dieſem Jahre vernommen haben, wie Moritz von Sachſen, anſtatt die Acht gegen Magdeburg, das dem Interim ſich widerſetzte, zu vollziehen, gegen Karl V. zog, und wie dieſer vor Moritz in der Nacht aus Innsbruck floh und es ſeinem Bruder Ferdinand IJ. überließ, mit Moritz den Paſſauer Vertrag zu ſchließen, durch welchen u. A. ein Reichstag in Ausſicht geſtellt wurde, durch den allen Anhängern der Augsburgiſchen Confeſſion ein dauernder Religionsfriede gewährt werden ſollte. Als dann am 25. Sept. 1555 der Augsburger Religionsfriede die beiden Religionsparteien, die unter bitteren Erfahrungen ihre Kräfte gemeſſen, zur äußerlichen Einigkeit geführt hatte, als ins⸗ beſondere den Reichsſtänden das wichtige Recht der Reformation unzweideutig zugeſtanden worden war: da waren auch Rath und Bürgerſchaft zu Worms von ihrer Pein erlöſt. Der mächtige Kaiſer, in deſſen Reich die Sonne nicht unterging, deſſen Politik in Religionsſachen vierunddreißig Jahre lang vergeblich auf die Durchführung des Wormſer Edicts gerichtet war, mußte endlich doch Luthers Werk, das er auf dem Reichstag zu Worms in ſeiner Bedeutung nicht begriff, beſtehen laſſen, weil Gottes Gedanken tiefer und gewaltiger ſind, als endlicher Menſchen kurzſichtig Bemühen. Kaiſer Karl zieht ſich lebensmüde ins Kloſter zurück. Aber die Frei⸗ und Reichsſtadt Worms tritt nach ſchweren Prüfungen wieder in ein friſcheres Leben, in eine Zeit der Verjüngung und kräftigeren Wachsthums ein.
zu den Predigern“ zu halten hatten. Dieſe Wormſer Kirchengeſchichte ſchließt mit folgenden Worten: „Der allmächtig gütig Gott wolle die Kirche zu Wormbs ſampt ihren eiffrigen Dienern bei der rechten Erkenntnus ſeines weſens und willens und Bekenntnus reiner unverfelſchter Lehre wider ihre Feind, welche uff beiden Seiten mit Gewalt und Liſt wider ſie ſtreiten, durch ſeinen heiligen Geiſt beſtendig und gnediglich erhalten, tröſten und zur ewigen Freude und Seeligkeit erheben. Amen. Gehalten in Examine in der Schul. Anno 1605“. Da nun der Anfang der in Rede ſtehenden Kirchengeſchichte(Handſchrift F Fol. 339. a.):„Als die von Wormbs das Evangelium bald nachdem es wider von Doctor Martino Luthero an Tag bracht worden“ ꝛc. (ſiehe oben S. 41.) in Zorns urſprünglicher Chronik von deſſen Hand(Handſchr. A. p. 200) ge⸗ ſchrieben iſt, und weil das Ende unſerer Kirchengeſchichte, die ohne Zweifel ein wiſſenſchaftlich gebildeter Mann geſchrieben, der kein Pfarramt bekleidete, als der Schluß einer im Jahre 1605 in der Wormſer Latein⸗ ſchule in Examine gehaltenen Actusrede erſcheint: ſo iſt mit größter Wahrſcheinlichkeit anzunehmen, daß Rector M. Friedrich Zorn auch der Verfaſſer dieſer Kirchengeſchichte des 16. Jahrhunderts iſt. Weil in dem angeführten Schluſſe derſelben den„eifrigen Dienern der Kirche zu Worms“ Gottes Segen erbeten wird, ſo iſt aus dem in dieſen Worten liegenden Lob der gleichzeitigen Prediger zu entnehmen, daß die gedachte Kirchengeſchichte wenigſtens von keinem der damals lebenden Prediger verfaßt iſt.


