Jahrgang 
1906
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M. Leonhard Brunner und Hieronymus Brack verwerfen das Augsburger Interim und verlaſſen Worms 1548. 59

ſelbe die kirchlichen ordines nicht empfangen, aber der andere Prediger, Hieronymus Brack der dieſelben vor der Zeit von den Papiſten und Weihbiſchöfen empfangen, könne im Amte bleiben, wenn er das Interim annehmen wolle. Aber keiner derſelben war zur Annahme deſſelben bereit, ſondern lieber wollten ſie Dienſt und Stadt verlaſſen. Dieß geſchah denn auch. Denn der Rath der Stadt Worms konnte ſich ſo wenig, wie andre Städte, Kaiſer Karls V. Gewalt widerſetzen, ſondern mußte ſeine Einwilligung zur Annahme des Interims geben und ſich zu deſſen Einführung erbieten. Schon am 30. Juli wurde von dem Rathe beſchloſſen, folgende Tage kirchlich zu feiern und an denſelben zu predigen: Nativitas, circumcisio Domini, trium reguar, Oſtern mit zwei folgenden Tagen, Ascensio, Pfingſten mit zwei folgenden Tagen, Corporis Christi, omn. fest. Mariae, Apostolorum, Johannis Baptistae, Mariae Magdalenae, Stephani, Laurentii, Michaelis, Martini, omnium Sanctorum, ebenſo in jeder Kirche die Feſte und Tage der Heiligen, die daſelbſt Patronen ſeien. Pfarrer Leonhard Brunner zog von Worms ab nach Straßburg, dort war er eine Zeit lang Schaffner in praedicatorum Collegio. Von dort wurde er wiederum zum Kirchendienſt nach Landau berufen, wo er am 20. Dez. 1558 in hohem Alter ſtarb. Hieronymus Brack, Brunners Amtsgenoſſe zu Worms, hielt, nach dem Bericht der Chronik, am 28. Aug. 1548 in der Kirchezu den Predigern ſeine Abſchiedsrede, ermahnte das Volk herzhaft, beſtändig zu bleiben und begab ſich von Worms nach Weſthofen. Als die beiden Prediger ihren Abſchied genommen, ließ der Rath den Lehrern der lateiniſchen und der deutſchen Schule die Weiſung zukommen, hinfort von den Schülern nicht mehr die deutſchen Pſalmen auf den Straßen ſingen zu laſſen.Bald hierauf, nämlich am 3. September(1548), kam Kaiſer Karl V. perſönlich nach Worms und wurde zum erſtenmal feier⸗ lich vom Rath empfangen. Das Ceremoniel dieſes Empfangs war von Bedeutung: es zeigte, wie großes Gewicht der Rath darauf legte, daß der Kaiſer die Stadt Worms als ſeine und des Reichs Stadt behandle. Unter der äußeren Speierer Pforte wurden der Majeſtät die Schlüſſel der Stadt entgegen getragen. Zu ſolchem Empfang waren beſtellt: Städtmeiſter Adam Meichſner und Stadt⸗ ſchreiber Chriſtoph Klohe, der die Anſprache an den Kaiſer hielt. Die Schlüſſel der Stadt trugen Asmus Caspar Meichel und Jacob Walter. Dann fand ein zweiter Empfang des Kaiſers im biſchöflichen Schloſſe in Gegenwart der genannten Herren und andrer Vertreter des Raths ſtatt. Die dem Kaiſer dargebrachteVerehrung iſt geweſen: ein Fuder Weins, fünfzig Säck Habern, ſechs Züber Fiſch, Hecht und Karppen zum beſten.*) Wenn nun auch der Rath aus politiſchen Gründen ſich für die Annahme des Augsburger Interims erklärt hatte, ſo war doch die Bürger⸗ ſchaft, die auf der Seite der entlaſſenen Prediger Brunner und Brack ſtand, damit nicht zufrieden. Darum wurde den Bürgern in den Zünften befohlen, erzählt unſere Chronik das Interim anzunehmen, auch wurde ihnen ernſtlich verboten, wider dasſelbe ſchimpflich oder höhniſch zu reden. Wer ſeine Kinder dem Interim zuwider nicht wollte taufen laſſen oder ſonſt etwas öffent⸗ lich oder heimlich wider dasſelbe handeln würde, der ſollte nach Befund an Leib und Gut geſtraft werden. Sie ſollten ſich auch der Religion halberalles ſpöttlichen und ernſtlichen An⸗ reizens gegen einander enthalten, desgleichen auch alles heimlichen Zuſammenſchleichens, auch ſollten ſie dieWinkelpredigten meiden. Dieß alles wurde bei unerläßlicher, unvermeidlicher Leibes⸗ oder Geldſtrafe, je nach der Art vorfallender Uebertretung des Gebots oder der Mißhand⸗ lung der Anhänger des Interims verordnet. Mit dieſem Befehl wurde dem Rath auch auferlegt, keinen Prediger anzuſtellen, es wäre denn der Biſchof als Ordinarius loci darum erſucht worden, einen ſolchen vorzuſchlagen oder für ein Predigtamtaufzuſtellen. *) Handſchrift F der Zorn'ſchen Chronik, im Wormſer Archiv, Fol. 370. 8*½