Jahrgang 
1906
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Die Stiftung des Schmalkaldner Bundes ermuthigt M. Leonhard Brunner. 57

ſchaft willen ſo verhalten, wie er es vor Gott und aller chriſtlichen Obrigkeit zu verantworten vermöge; er wolle ſich auch ſo geſchmeidig zeigen, daß man wahrnehmen müſſe, daß er ſich dem Speieriſchen Abſchiedenicht ungemäß verhalte. Dabei iſt es eine Zeit lang verblieben. Aber je größer die Gefahren wurden, in welche die reformatoriſchen Beſtrebungen geführt wurden und führten, um ſo lebhafter ſcheint in Leonhard Brunner die Ueberzeugung von der Nothwendigkeit freimüthigen Bekenntniſſes der evangeliſchen Wahrheit geworden zu ſein. Nachdem die evangeliſchen Stände am 25. Juni 1530 in Augsburg dem Kaiſer Karl V. die von ihnen verlangte Confeſſion übergeben und dieſelbe von den römiſchen Theologen mit jener unzutreffenden Widerlegung beant⸗ wortet worden war, die von Melanchthon und den evangeliſchen Ständen mit der zweimal bearbeiteten Apologie zurückgewieſen wurde: erfolgte der ſehr ungnädige Reichsabſchied vom 22. Sept. 1530. Die Proteſtantiſchen Stände ſollten ſich nach demſelben bis zum 15. April folgenden Jahres bedenken, ob ſie ſich mit der römiſchen Kirche und den übrigen Ständen bis zur Verhandlung eines Concils vereinigen wollten, oder nicht; auch der Kaiſer wolle ſich bis dahin überlegen, was ihm zu thun gebühre. Inzwiſchen ſollten die Stände in Sachen des Glaubens in ihren Landen keine neuen Schriften drucken oder verkaufen laſſen, Friede und Einigkeit halten, keine fremden Unterthanen an ſich und auf ihre Seite ziehen, die Anhänger des alten Glaubens nicht irre machen oder bedrängen, keine weitere Neuerung anfangen, Meſſe und Beichte nicht hindern; dagegen ſollten ſie ſich mit dem Kaiſer verbinden, diejenigen, welche das heilige Sacrament nicht hielten, und die Wiedertäufer zu verfolgen. Die römiſch geſinnten Stände, welche dieſen erſt am 19. Nov. 1530 veröffentlichten Reichsabſchied annahmen, ſchloſſen ein Bündniß, um ſich in Glaubensſachen mit Land und Leuten, Leib und Gut beizuſtehen: wer abtrünnig werde, ſolle der Acht verfallen. So wurden die proteſtantiſchen Stände genöthigt, nach längeren Verhandlungen am 29. März 1531 in Schmalkalden zunächſt auf ſechs Jahre zu einem Bund zuſammenzutreten, da esallen Anſchein hatte, als wolle man gegen die Evangeliſchen mit Gewalt vorgehen. In dieſer bedenklichen Lage des Proteſtantismus wollte in Worms Leon⸗ hard Brunner die Erkenntniß der bibliſchen Lehre vom Abendmahl, den Sacramenten und den damit in Zuſammenhang ſtehenden Wahrheiten nicht einſchlafen laſſen. Deßhalb kündigte er im Jahr 1531 wiederum in einer Predigt an, daß er über das Abendmahl predigen werde. Da⸗ rauf eröffnete ihm aber der Rath abermals, ſein Vorhaben verſtoße gegen den Speierer Reichs⸗ abſchied vom J. 1529, in dem alle Neuerungen bis zum künftigen Concil verboten worden ſeien. Allein Brunner erklärte freimüthig, er ſei vor vierthalb Jahren als Prediger und Diener Gottes angeſtellt worden, damit er das heilige Evangelium predigen ſolle; nun ſei ja die heilige Handlung des Abendmahls ein Hauptſtück des Evangeliums: darum könne oder wolle er davon nicht abſtehen, er wolle davon predigen, ſo lange ihm Gott Gnade verleihen und ihn bei ſeinem Predigeramt erhalten wolle. Des Reichs Abſchied laſſe er in ſeinem Werth beſtehen. Wenn man aber dieſem nachleben wolle, ſollte man auch andre Beſtimmungen desſelben beobachten, z. B. hinſichtlich der Gottesläſterung ꝛc., wovon die Stadt voll ſei. Er könne von dem Evangelium nicht ablaſſen, und weil dasſelbe das Abendmahl in ſich ſchließe und dieſes von Chriſto eingeſetzt ſei, ſo wolle er nicht davon abſtehen, darüber zu predigen. Der Rath warnte ſeinen Prediger wiederholt. Als alle ſeine Vorſtellungen vergeblich waren, befiehlt er ihm bis auf weiteren Beſcheid ſich des Predigens zu enthalten. Damit die Bürgerſchaft Kenntniß von den Verhandlungen zwiſchen Leonhard Brunner und dem Rath erhalte und einem Aufruhr vorgebeugt werde, beauftragte der Rath den Schultheiß Valentin Armbruſter, daß derſelbe durch die Zunftmeiſter den Zünften über die Verhandlungen mit Brunner Mittheilungen machen laſſe. Einige Bürger legten zwar für ihren Prediger Fürbitte ein, allein der Rath wollte den Herrn Leonhard gegebenen Beſcheid wegen des Reichsabſchieds 8