Jahrgang 
1906
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Klage des Andreasſtifts und ſeines Syndieus Dr. Simon Engelhart. 51

habe.Denn wir ſchämen uns nicht, ans Licht und an den Tag zu kommen, weil wir wiſſen, daß wir recht und redlich gehandelt. Sie bitten Gott, daß derſelbe den ehrſamen, weiſen Herrn des Raths nach dem Reichthum ſeiner Herrlichkeit es verleihe, ſtark zu werden durch ſeinen Geiſt an dem inwendigen Menſchen. Die drei Geiſtlichen erſuchen den Rath, er möge dem Anſinnen des Andreasſtifts keinen Vorſchub leiſten. Aber der Rath entfernte ſich in dem Proceſſe nicht von Linie ſtrenger Geſetzlichkeit und hütete ſich, gegen ſeine rachtungsmäßigen Verpflichtungen zu ver⸗ ſtoßen und gegen Ferdinands I. Mandat auf den Speierſchen Reichsabſchied vom J. 1526 mit der Abſicht ſich zu berufen, um dem von dieſem in Erinnerung gebrachten Nürnberger Reichs⸗ abſchied auszuweichen. Dagegen unterließ es der Rath nicht, ſeine Gerichtsbarkeit zu wahren und dem Wormſer Bürger Jacob Kieſel Hülfe zu leiſten. Der Rath beantragte bei dem Reichs⸗ kammergericht, daß dasſelbe gegen Jacob Kieſel nicht vorgehe, ſondern deſſen Sache, bei der es ſich um Zahlung von Zins oder Pacht, oder um Zahlung einer Kaufſumme, oder um einfache Rückgabe handle, an das in ſolchen Sachen urtheilende Gericht der Stadt überweiſe. (Apr. 1528.) Denn Jakob Kieſel war ein Wormſer Bürger, den der Rath vor ſein Gericht glaubte fordern zu müſſen. Die Rechtsauffaſſung und den kirchlichen Standpunkt der klagenden Partei, des Dechanten und Capitels zu St. Andreasſtift, vertritt deren Syndieus Dr. Simon Engelhart. Dieſer bezweckte offenbar nichts geringeres, als das Reichskammergericht zu dem allgemein gültigen Urtheil zu veranlaſſen, daß nach dem Nürnberger Reichsabſchied vom 6. März 1523 Geiſtliche, die ſich verehelicht hätten, ihre Pfründen verwirkt hätten. Der Syndicus Simon Engelhart führte aus, das Collegiatſtift zu St. Andreas verleihe den geiſtlichen Perſonen des Stifts Weingärten oder andere Güter für ſo lange Zeit, als dieſelben ihm angehörten. So habe auch Maurus jenen Weingarten erhalten; als aber derſelbe wider die chriſtliche Satzung zur Ehe gegriffen, habe der⸗ ſelbe dem Nürnberger Reichsabſchied gemäß ſeine Freiheiten, Privilegien, Pfründen und anderes nach geiſtlichem Rechte verwirkt, und die weltliche Obrigkeit dürfe nach demſelben Reichsabſchied die Ordinarien der Geiſtlichkeit in der Verhängung ſolcher Strafe nicht hindern, ſondern müſſe zum Schutz der geiſtlichen Obrigkeit derſelben Hülfe und Beiſtand leiſten. Dabei erinnert der Syndicus an den um Johanni 1525 zu Pfeddersheim im Felde aufgerichteten Vertrag, der die Reſtitution der biſchöflichen Geiſtlichkeit in die Wormſer Pfründen zuſicherte. Der Syndicus legt bei dem Kammergericht Proteſt ein gegen des Raths Verlangen, den Jacob Kieſel an das Gericht der Stadt zu überweiſen. Es handele ſich hier darum, zu verhüten, daß der Beklagte Ausflüchte ſuche, disputire, und es komme darauf an, daß dem Reichsabſchied und dem Kaiſerlichen Mandat gehorcht werde. Das kleinere Gericht dürfe das oberſte Gericht nicht lahm legen.

Im Namen des Andreasſtifts erklärt Syndicus Simon Engelhart in der von ihm am 26. Juni 1528 vorgelegten Replik:Die Abtrünnigen achten nicht das erlaſſene Mandat des Kaiſers, nicht des Papſtes Brief, nicht geiſtliches oder weltliches Recht. Sie taufen wider die chriſtliche Satzung, wie dieſer Sitzinger in der Baarfüßerkirche zu Worms,*) mit ſchlechtem Waſſer, ob es ſei Brunnen-, Bach⸗, Rhein⸗, Pfutzen⸗ oder Pfuhlwaſſer, wiſſen die Kläger nit.

*) Dieſe urkundliche Ausſage des Syndicus iſt auch für die Wormſer Schulgeſchichte von großem Intereſſe. Denn ſie erhärtet ſolgende Angabe der Handſchrift B. der Zorn'ſchen Chronik, Fol. 216:Mittwoch nach Matthiae Apostoli hat ein rhat Matthis von Schönberg befolhen, dem Münch im Barfüßer kloſter zu ſagen, das ein rhat der jungen kinder ſchul in das kloſter, in ir Conventſtuben geordnet, und das er ſich der geſel⸗ ſchafft mit kegeln, damitt die kinder in ihrer lehr dardurch nit verhindert würden, forter enthielt. Es iſt nach obiger Aeußerung Engelharts nicht zu bezweifeln, daß der Rath im Jahr 1527 das Barfüßerkloſter als Schul⸗ gebäude und deſſen Kirche für den Gottesdienſt in Beſchlag nahm.

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