Ferdinands I. Mandat zur Vorladung Sitzingers vor das Reichskammergericht. 49
ſie klagten, ſeien die vier Geiſtlichen Ulrich Sitzinger, Johann Rom,(Henrich?) Hilarius, Ulrich Schlaginhauffen und der Heimbürger Jacob Kieſel. Nikolaus Maurus war damals bereits evangeliſcher Pfarrer in Darmſtadt. Dechant und Capitel zu St. Andreasſtift ſetzten es bald bei des Kaiſers Stellvertreter Ferdinand I. durch, daß Ulrich Sitzinger und Jacob Kieſel durch folgendes kaiſerliches Mandat vom 24. März 1528 vor das Reichskammergericht geladen wurden. „Wir Karl der Fünft von Gots gnaden Erwelter Romiſcher Keyſer, zu allen zeiten Merer
des Reichs ꝛc., zu Germanien, zu Hispanien, beder Sicilien, Hieruſalem, Hungern, Dalmacien, Croacien ꝛc. Konig, Ertzhertzog zu Oſterreich, Hertzog zu Burgundi ꝛc. Grave zu Habspurg, Flandern und Tyrol ꝛc. Empieten Ulrichen Sutzinger und Jakoben Kieſel unſer gnad. Unſerm keyſerlichen Camergericht haben die Erſamen unſre lieben andechtigen Dechan und Capitl ſant Andreſſen Stiffts zu Wormbs mit klag fürpringen: Wie du, gemelter Sutzinger, und Niclas Maurus, als etwa ytz gemelts Stifts gepfrünte geyſtliche perſonen,-Euch vor etlichen Jarn uber und wider verbot geſchribener Rechten aus dem prieſterlichen in eelichen ſtand gethan, eeweiber genomen und damals du, gedachter Ulrich, eyn Behauſung, ſo du teglich verwüſteſt und be⸗ ſchedigſt, und dann gemelter Maurus etliche baugüter(die er dir, Jakoben Kieſel, on iren willen zugeſtelt, welche behauſung und güter auch gemeltem irem Stifft mit der eygenſchaft zugehoren) als gepfrünte ytzberurts Stiffts ingehapt. Aber du, Ulrich, und gemelter Niclas vermöge an⸗ gezogener Rechten auch eines, unſeres keyſerlichen gebots, uf unſerm Reichstag zu Normberg an dem ſechſten tag Marcii des verſchinen dreiundzweyntzigiſten jars der myndern jarzal Criſti unſers Herrn ausgangen,*) Eure pfründen, freyheiten und anders darzu gehörig, verwirkt haben; und inen ſolch hauß und güter uber ir vilfeltig gütlich erſuchen nit widerumb zuſtellen, ſonder zu irem und des Stiffts merklichem nachteyl bisher alſo unbillicher weiß vorhalten, beſitzen und nießen. Des⸗ halben ſy bei den Erſamen unſern und des Reichs lieben getreuen Stetmeyſter, Burgermeyſter und Rat der Stat Wormbs, mit Euch beyden, Ulrichen und Jakoben, zu verſchaffen, Euch ſolcher verwirckten guter zu entſchlagen und die wider zu des Stiffts handen komen zu laſſen, angeſucht, aber das nit erlangen. Und darauf, dieweil ir, die abgedretenen, dem geyſtlichen Ordinario keyn Gehorſam erzeygen wollen; noch ſy, die klager, bei gedachten von Wormbs weder gegen die Ulrichen noch die Jakoben Hilf erlangen haben mögen: ſollen an gedachtem unſerm Camergericht, umb nachfolgend Mandat und ander notdurfftig Hilf, des Rechten gegen Euch die**) muthigklich an⸗ ruffen und bitten laſſen. Dieweil wir dann menigklichem Rechtens zu verhelffen ſchuldig und geneigt ſeien, inen auch ſolich Mandat erkent worden iſt: Darumb ſo gepieten wir Euch beyden und Euer jedem in ſonderheyt, von Romiſcher keyſerlicher macht, bei zweyntzig marck lötigs golds, halb zu unſer keyſerlich CGamer und zum andern halben teyl obgemelten Dechan und Capitel un⸗ ableßlich zu bezalen, hiemit ernſtlich, und wollen, das Ir und Euer jeder in ſechs tagen(den nechſten nach uberantworttung oder verkhundung diſes Briefs) nemlich du, Ulrich, dich berurts Haußen und dann du, Jakob, dich berurter Baugüter gentzlich entſlaget, die zu iren und des Sttifts handen widerumb ſtellet, ubergebet und komen laſſet und Euch darin nit ungehorſam er⸗ zeyget, noch haltet, darmit nit not werde zu erklerung obbeſtympter und anderer unſer und des
Reichs ſwerern penen und ſtraffen gegen Euch zu handeln. Daran thut ir unſer ernſtlich meynung. Wo ir Euch aber diſes unſers gebots ſampt oder ſonderlich beſwert und rechtmeſſig inreden dargegen zu haben vermeyntet, alsdann ſo heyſchen und laden wir Euch beyde und Ewer jeden in ſonderheit,
*) Der Nürnberger Reichsabſchied vom 6. März 1528 beſtimmte,„die verehelichten Geiſtlichen ſollten ihre Freiheiten und Pfründen verwirkt haben.“ *) die= dieſe, nämlich Dechant und Capitel, die darch ihren Anwalt das Gericht anrufen laſſen. 7


