48 Klage des Collegiatſtifts zu St. Andreas gegen die abgefallenen und verehelichten Pfarrer.
Zwecken benutzen wollten, ſo ſtänden ſie in ihrem Rechte.*) Allein nach der Niederwerfung der auf⸗ rühreriſchen Bauern bei Pfeddersheim mußte, wie oben erzählt iſt, der Rath zu Worms dem ſieg⸗ reichen Pfalzgrafen Ludwig V. verſprechen, das Bisthum Worms und ſeinen Clerus in ihre früheren Rechte zu reſtituiren, und in der am 18. April 1526 durch Vermittelung des Pfalzgrafen zwiſchen Bisthum und Stadt abgeſchloſſenen Rachtung wurden einzelne Beſchwerden der biſchöflichen Geiſtlichkeit verzeichnet und in Betreff der Reſtitution beſtimmte Forderungen zuſammengeſtellt, weil die Prieſterſchaft angezeigt habe, daß ſie„nach Vermög jüngſter Handlung und Abſcheid vor Pfeddersheim“ noch nicht gänzlich reſtituirt ſei, und daß beſonders den Geiſtlichen des Doms und anderer Stifte„ihre Kleinotter und Kirchenzierden noch verſperrt ſeien“. In der Rachtung ſind ferner folgende Klagen zuſammengeſtellt, die auf die kirchlichen Zuſtände des Jahres 1526 Licht werfen und daraus Schlüſſe ziehen laſſen.„Es werden ſchier in allen Pfarren die Pfarrherrn zu den Kirchenrechnungen nicht berufen, auch ihnen ihre Nutzung nicht gereicht. Der Pfarrhof zu St. Amandi bei unſer lieben Frauen iſt noch nicht dem rechten Pfarrer zugeſtellt. Der Pfarrer zu S. Lamprecht iſt auch nicht mit ſeinem Haus reſtituirt. Die Pfarre zu St. Michel iſt mit einem andern, als dem rechten Pfarrer, verſehen, der im Pfarrhof ſitzt und die Güter genießt“. Außer⸗ dem iſt in der Rachtung geſagt, daß von der Geiſtlichkeit Beſchwerden vorgebracht ſeien, betreffend„den Pfarrherrn zu S. Mangen und andere, die geſſtlichs Stands ihres eigenen Fürnehmens Eheweiber genommen; und es hätten ſich auch andere mit vielem Muthwillen befliſſen, die auf⸗ rühreriſchen Meinungen wider der Kirchen Form, Ordnung, Herkommen und Gebrauch zu predigen, und zu handeln, und ſie hätten die Geiſtlichkeit beunruhigt und angetaſtet“**). Hiernach waren alſo wohl die Pfarren S. Amandi, S. Lamprecht, S. Michel, S. Magnus unter denjenigen Pfründen, welche die abgefallenen Geiſtlichen im April 1526 noch einnahmen. Gewiß war der oben genannte M. Nikolaus Maurus, der bereits im Jahre 1527 nach Darmſtadt berufen wurde, einer von den evangeliſchen Predigern, die die Nutznießung von Gütern, die ſie früher von ihren biſchöflichen Oberen als Beſoldungstheile empfangen, ſeit der Zeit des Aufruhrs nicht ohne Vorwiſſen des Raths weiter zogen. M. Nikolaus Maurus hatte ſogar einen vor dem Andreasthor gelegenen Weingarten dem Wormſer Bürger Jacob Kieſel— ob in Pacht, oder in anderer Form, iſt nicht klar— zur Bebauung überlaſſen, weil Maurus denſelben, vielleicht in der Zeit der Empörung und des allgemeinen Abfalls für die Zeit ſeines Lebens zur Nutznießung empfangen. Auch der oben genannte Prediger Ulrich Sitzinger bewohnte ein Pfarrhaus, das er um den Preis von 100 fl., vielleicht unter ähnlichen Umſtänden, gekauft zu haben verſicherte.
Schon im Jahre 1527, Freitag nach Dreikönigstag wendet ſich das Collegiatſtift zu St. Andreas an den Rath der Stadt Worms mit der Anzeige, etliche Perſonen, die früher ihrem Stift angehört, hätten ſich untauglich für ihren Stand gemacht; dennoch aber hätten ſie des Stifts Häuſer, Pfarren und Caplaneien inne und ſeien im Genuß der Zinſen und Gefälle des Stifts, was wider geiſtliches und weltliches Recht und Herkommen, gegen des Reichs Ordnung und die letzte zwiſchen Biſchof und Stadt vereinbarte Rachtung(v. 18. April 1526) verſtoße. Das Stift erſucht nun den Rath, derſelbe möge mit jenen abtrünnigen Geiſtlichen, die Einwohner der Stadt ſeien, verhandlen und dem Stift die Rückgabe ſeiner Güter ꝛc. erwirken; die Perſonen, gegen die
*) Solche Ausführungen ſind in den im Staatsarchiv zu Darmſtadt befindlichen, aus den Jahren 1548— 1576 ſtammen den Voracten eines Reichskammergerichtsproceſſes zu leſen, der begann, als die Wormſer Jeſuiten im J. 1717 verſuchten, ſich die Magnuskirche zu Worms anzueignen.
**) Vgl. die Rachtung vom 18. April 1526 bei Schannat, hist. episc. Worm., tom. II. p. 407. 408.


