Jahrgang 
1906
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40 Niederlage der Bauern bei Pfeddersheim, Pfalzgraf Ludwig V. reſtituirt die Wormſer Geiſtlichkeit, Juni 1525.

Kurfürſt Ludwig V. von der Pfalz mußte ſich endlich entſchließen, den Aufſtand der Pfälziſchen Bauern niederzuſchlagen, und dieſer Entſchluß wurde verhängnisvoll für die Stadt Worms, die aus dem Aufſtand der Bauern und der Bedrängnis des Bisthums und ſeines Clerus Nutzen gezogen, indem ſie ſich den gedachten Vertrag vom 3. Mai 1525 erwirkte. Kurfürſt Ludwig hatte ſchon am 18. Mai 1525 an Philipp Melanchthon ein Schreiben gerichtet, wodurch er denſelben aufforderte, daß er alsein Geborner und Erzogner der Pfalz, weil er vor andern in der heiligen Schrift er⸗ fahren, auch in den Artikeln der Bauern als ein Schiedsrichter bezeichnet ſei, auf Pfingſten nach Heidelberg kommen möge, um in der wichtigen und gefährlichen Sache ſeinen Rath zu ertheilen, oder er möge ſchriftlich antworten. Auch Johann Brenz wurde aufgefordert, ſeinen Rath zu geben. Die beiden erklärten ſich dahin, die Forderungen der Bauern ſeien zum Theil ungerecht und dem Evangelio zuwider, und wenn auch eines und anderes darin enthalten ſei, das der Billigkeit gemäß ſei, ſo wolle es doch den Bauern nicht zukommen, wider ihre Obrigkeit ſich auf⸗ zulehnen und ſich ſelbſt Recht zu ſchaffen, was der Evangeliſchen Wahrheit keineswegs gemäß ſei.*) So wurde Kurfürſt Ludwig bewogen, den Bitten der bedrängten Fürſten der Umgegend, beſonders der Biſchöfe von Trier und Würzburg, nachzugeben und den Bauernaufſtand in der Pfalz und den benachbarten Gebieten zu unterdrücken. Am 26. Mai 1525 rückte Kurfürſt Ludwig mit den geiſtlichen Herrn von Trier und Würzburg, 1100 pfäkziſchen, trierſchen und jülichſchen Reitern und mit 4000 Mann an Fußvolk und Troß aus Heidelberg. Nachdem der Kurſürſt die rechts⸗ rheiniſchen Gebiete der Pfalz zur Ruhe gebracht und die aufrühreriſchen Bauern am Neckar, Kocher und Main niedergeworfen, zog er den Main hinab, um die kurmainziſchen Gebiete von dem Auf⸗ ruhr zu befreien. Dann zog er über den Rhein und beſiegte die pfälziſchen Aufrührer bei Pfedders⸗ heim(23. 25. Juni 1525.)*) In den nächſten drei Tagen wird in der Umgegend von Worms die Ordnung wieder hergeſtellt, und Pfalzgraf Ludwig beſchützt nun auch die Rechte ſeines Bruders, des Biſchofs Heinrich IV. von Worms.

Der Magiſtrat der Stadt Worms mußte ſich dazu bequemen, mit dem Kurfürſten Ludwig zu verhandeln, als dieſer mit dem ſiegreichen Heere im Felde bei Pfeddersheim ſtand; und er verſprach alsbald nach der Pfeddersheimer Schlacht in einem vorläufigen Vertrage, die Geiſtlich⸗ keit der Stadt in ihre früheren Rechte zu reſtituiren, ſtellte auch darüber eine vom Dienſtag nach S. Johannis-Baptistae datirte Urkunde aus, in der er bezeugt, daß er auf des Pfalzgrafen mit ihm gehabte gnädige Unterhandlung zugeſagt habe, den neueſten, am 3. Mai 1525 mit dem Wormſer Clerus abgeſchloſſenen Vertrag dem Pfalzgrafen ausliefern und dem Biſchof Heinrich von Worms alle jene Rechte reſtituiren zu wollen,(die demſelben vor dem Vertrage vom 3. Mai 1525 zugeſtanden. Es ſolle auch der Vertrag, den Biſchof Reinhard mit der Stadt ab⸗ geſchloſſen(die Pfalzgrafenrachtung vom Jahre 1519), der jüngſt von der Stadt beſeitigt und zerſchnitten worden ſei, in ſeinem ganzen Inhalt wieder hergeſtellt worden.**r) Pfalzgraf Ludwig wurde nun von Biſchof und Rath zum Schiedsrichter beſtellt. Derſelbe vermittelte die am 18. April 1526 erlaſſene Rachtung, welche die oben(S. 31, 32, Anm.) verzeichneten politiſchen Beſtimmungen enthält und bezüglich der kirchlichen Verhältniſſe dem Biſchof und der Geiſtlichkeit die Reſtitution aller Beſitzthümer und Rechte, die während des Aufruhrs eingebüßt worden, zuſicherte.

*) Struve, Pfälziſche Kirch.⸗Hiſt., S. 20. .**) W. Zimmermann, Geſchichte des großen Bauernkriegs, Th. III. S. 865 866. Häuſſer, Geſch. der rheiniſchen Pfalz, B. 1, 536 537. Schannat, hist. episc. Worm. tom. I. p. 430. *4) Schannat, hist. episc. Worm. tom. II., p. 396.