Der Clerus fügt ſich der Stadt im Vertrag vom 3. Mai 1525. 39
„Als es nun von wegen des gemeinen Volks und der Bauern Empörung und Auflauf ſich anſehen ließ“, erzählt eine andere Chronik des Wormſer Archivs*)„als wollt es hie und anderswo mit den Geiſtlichen ein ſeltſam Weſen werden, ſind ſie etwas demüthiger und kleinlauter, nicht allein anderswo, ſondern auch vornehmlich in Worms worden. Denn ſie beſorgten ſich eines Ueberfalls, Mords und gänzlicher Ausrottung. Als ſolches gemeine Stadt und Bürgerſchaft zu Worms vermerkten, brachten ſie ihrer Prieſterſchaft etliche Beſchwerungen vor, mit dem Begehren, denſelbigen der Stadt und Bürgerſchaft zu gut ein Ende zu machen“. So wurde am 3. Mai 1525 zwiſchen der Stadt Worms und dem Donſtift, ſowie den andern Stiften ein Vergleich zu Stande gebracht, wodurch die Stifte auf die durch die Rachtung vom J. 1519 der Stadt abgenöthigten Vortheile verzichteten und gewiſſe kirchliche Reformen verſprachen. Die Stifte und der Magiſtrat ſprechen in dieſem Vertrag aus, ſie hätten zu Herzen gezogen die ſchwere Zeit und den Aufruhr des gemeinen Volks, der überall im Reich und beſonders um und neben der Stadt Worms ſich ereigne; und niemand vermöge zu erkennen, worauf die Bewegung abziele. Weil nun die Stadt die Geiſtlichkeit zu beſchirmen habe und ſolches nicht anders als in Fried und Einigkeit geſchehen könne oder ſolle, ſo hätten Stadt und Geiſttlichkeit ſich gütlich und freundlich vereinigt und den abgefaßten Vertrag geſchloſſen.“**) Beſtimmungen dieſes Vertrags waren:„Soll nun hinfort das heilig Wort Gottes und Evangelien in der Stadt Worms in allen Pfarrkirchen lauter, klar, unverdunkelt und ohne alle menſchlichen Zuſatz gepredigt, und die Pfarrherrn oder Prediger in den Pfarrkirchen ſammt ihren Dienern durch die gemeinen Pfarrkindern einer jeglichen Pfarre erwählt, geſetzt und entſetzt werden. Mißbräuche in Cermonien der Kirchen und was dem Worte Gottes zuwider ſei, ſollte im Gottesdienſt gänzlich abgeſchafft werden. Bezüglich anderer Mißbräuche ſolle es gehalten werden, wie es in umliegenden Fürſtenthümern und Städten gehalten werde. Allen geiſtlichen und weltlichen Perſonen ſollte grobe Unſittlichkeit in verdächtigem Umgang gänzlich verboten ſein: die⸗ ſelben ſollten die verdächtigen Perſonen von ſich thun.***) Ferner erklären die Stifte und der Clerus, daß ſie auf alle Freiheiten des im Jahre 1519(ſ. oben S. 31.) zwiſchen dem Biſchof Reinhard nebſt den Stiften und der Stadt Worms abgeſchloſſenen Vertrags, welcher der Stadt und aller Bürgerſchaft hochbeſchwerlich ſei, gänzlich verzichten,„und haben als⸗ bald mit freiem Willen den obgemeldten Pfalzgräfiſchen Vertrag mit der Confirmation und Beſtätigungsbriefen dem Städtmeiſter, Rath und ganzer Bürgerſchaft heraus zu Handen geben, abgethan und gänzlich vernichtet“. Die Stifte und der Clerus verpflichten ſich, daß ſie hinfort zu ewigen Tagen mit und neben der Bürgerſchaft und Gemeinde alle bürgerlichen Beſchwerden mit Hut, Wacht, Schatzung, Ungelt, Pfortengeld, Kaufhaus, und aller anderen Renten Laſt tragen und bezahlen wollen. Gewiſſe Zinſen, Renten und Gülten des Clerus, die auf der Stadt laſteten, ſollten für alle Zeit getilgt ſein“ ꝛc. Damit dieſer Vertrag„in gutem friedlichen Weſen ſein und bleiben möge“, leiſteten die Dekane und Capitel aller Stifte, auch aller andre gemeine Clerus einen leiblichen Eid zu Gott und auf das heilig Evangelium.„Wie lang aber dieſer Vertrag gewährt, und wie lange die Stadt deſſen zu gebrauchen gehabt, hat der Augenſchein gelehrt“— fügt der Chroniſt lakoniſch hinzu.
*) Die im Jahre 1613, vielleicht von M. Andreas Wilk, geſchriebene Chronik, S. 568.
*) Der Vertrag vom 3. Mai 1525 iſt abgedruckt im appendix docum., p. 234, zu Moritz hiſtor.⸗ diplom. Abhandlung vom Urſprung der Reichsſtädte.
***) Bezüglich des Wortlauts iſt die gedachte Urkunde bei Moritz nachzuleſen, app. doc. p. S. 236.


