Ulrich Preu und Johann Freiherr, Prediger aus Wittenberg von Luther geſchickt. 37
Chriſto ſelbs ſo gleich und ähnlich ſind(Matth. 5, 11, 12.) Denn wir wiſſen je, daß wir Gottes Wort für uns haben, das auch die Feinde nicht leugnen. So wiſſen wir auch, daß ſie Menſchen⸗ Wort und allein alte Gewohnheit der Menge für ſich haben, welches ſie auch ſelbeſt bekennen.
So ſeyd nu feſte, lieben Brüder, bauet und tröſtet Euch untereinander in Gottes Kraft, das iſt mit Gottes Wort, das Alles überwindet; auch ſeid gewiß, daß der Spruch Chriſti euch an⸗ gehet, da er ſaget Lucä am 6.(22, 23): Selig ſeid ihr, wenn euch die Leute haſſen und thun euch von ſich und ſpotten euch und verwerfen euren Namen als einen böſen, umb des Menſchen Sohns willen; denn alſo haben ihre Väter den Propheten auch gethan. Und weil ſein eigen Sohn ſolchs hat müſſen leiden, wills wohl dabey bleiben, das er ſaget(Matth. 10, 24, 25): Der Knecht iſt nicht mehr, denn ſein Herr. Haben ſie den Hausvater Beelzebub geheißen, viel⸗ mehr werden ſie das thun ſeinem Hausgeſind. Was aus Gott kömet, dem muß die Welt feind ſeyn, da wird nicht anders aus. Und wo es die Welt nicht haſſet, noch verfolget, ſo iſts ge⸗ wiß nicht von Gott; wie Chriſtus ſelbs ſagt(Joh. 15, 19): Wäret ihr von der Welt, ſo liebte die Welt das ihre; weil ihr aber nicht von der Welt ſeyd, ſondern ich hab euch erwählet aus der Welt, darumb haſſet euch die Welt(cap. 16, 33.) Aber ſeyd getroſt, ich hab die Welt überwunden. In der Welt werdet ihr Noth haben; in mir aber den Frieden.
Derſelb unſer Heiland und Herr Jeſus Chriſtus ſtärke euch ſampt uns in ſeinem heiligen Licht zu Lob und Ehren ſeines heiligen Namens in Ewigkeit, Amen.
Bittet für uns, lieben Brüder, und laßt euch Herrn Mauren und Friedrichen befohlen ſein, und welche ſolches Berufs und Gnaden ſind, denn ſie kön⸗ nen in Chriſto euch allenthalben reichlichtröſten und unterweiſen, was Gott gefället. Gnad und Fried ſeimit euch.“
Zu Wittenberg, am Tag Bartholomäi, Anno 152
Martinus Luther, ... Ecclesiastes Wittebergensium.*)
Nach der Ueberlieferung ſoll Martin Luther ſelbſt ſchon im Jahre 1523 zwei Prediger des reinen Evangeliums, Ulrich Preu und Johann Freiherr von Wittenberg aus mit einem beſonderen Empfehlungsſchreiben nach Worms geſchickt haben, wie ſeiner Zeit auch der Wormſiſche Katechismus bezeugt haben ſoll; und Zorn ſchreibt in der Originalhandſchrift ſeiner Chronik (S. 203), dieſe Prediger ſeien im Sommer 1527 Diener des Wortes Gottes zu Worms geweſen und ihren wiedertäuferiſchen Collegen Kautz, Denck und Rink in Rede und Schrift entgegen⸗ getreten. Aber ſchon am 25. December 1524 ſoll Pfarrer Ulrich Preu einen Herrn Nikolaus Karben von Ober⸗Erlebach, der aus Frankfurt a. M. zum Zweck ſeiner Traunng nach Worms gekommen, in der Magnuskirche vor verſammelter Gemeinde aufgeboten und nach beendigtem gewöhnlichen Gottesdienſt copulirt haben.**)
*) Abgedruckt aus: Dr. Martin Luthers Briefe ꝛc., herausg. von Dr. W. M. L. de Wette, Th. II. S. 392— 395.
**) Eine Ueberſetzung des merkwürdigen Trauſcheins, den damals Ulrich Preu dem Niklas Karben in ſchönem Latein ausgeſtellt haben und der von Scultetus im Druck veröffentlicht worden ſein ſoll, iſt in einer in der Chronik der Wormſ. Gymn.⸗Bibliothek enthaltenen Geſchichte der lutheriſchen Prediger zu Worms zu leſen. In dieſer Geſchichte benutzt der Verfaſſer ein von dem Wormſer Pfarrer M. Geor g Wilhelm Muhl (geb. 1729) geſammeltes, zum Theil altes Material. Muhl hat ſelbſt als Viſitator des Wormſer Gymnaſiums und Stellvertreter des erkrankten Rectors Herwig in dem Programm des Wormſer Gymnaſiums vom Jahre 1786 einen Auszug aus ſeiner größeren Sammlung veröffentlicht. Zur Beurtheilung der Glaubwürdigkeit der


