Biſchof Reinhard II. v. Rippur dankt ab. Heinrich IV. v. d. Pfalz wird Adminiſtrator d. Bisthums Worms 1523. 35
nach Pfingſten ſeine Botſchaft an den Wormſiſchen Rath geſandt und ſich erkundigt, ob nicht E. E. Rath auf das Schreiben des Papſtes, welches er ihm laſſen einhändigen, beliebte zu ant⸗ worten; denn er, der Biſchof, wäre ſeines Theils willens, ſolches zu thun. Darauf zeigte aber der Rath dem Biſchof höflich an, es wäre ohne Noth, das Schreiben päpſtlicher Heiligkeit zu be⸗ antworten, weil das Schreiben ſolchen Befehl gar nicht in ſich hielte oder zu verſtehen gäbe; der Herr Biſchof möge ſeines Gefallens thun in dieſer Sache: übrigens bedanke ſich der Rath aufs beſte wegen des biſchöflichen Anerbietens.*) Schannat erzählt, der betagte und kränkliche Biſchof Reinhard habe erkannt, daß er nicht im Stande ſei, die Mühen und Kämpfe auf ſich zu nehmen, in die ihn in Worms die lutheriſche Religionsneuerung und die Theilnahme der Bürger an derſelben verwickelte. Deshalb legte er ſein Amt 1523 nieder.**) An Reinhards Stelle trat zunächſt als Adminiſtrator des Bisthums, aber mit der beſtimmten Zuſicherung der Nachfolge, Heinrich IV., Bruder des Kurfürſten Ludwig V. von der Pfalz, der vor einigen Jahren nach des Kaiſers Maximilians Tode das Reichsvicariat verſehen hatte. Bei der Wahl Heinrichs zum Adminiſtrator in Worms gab die Erwägung den Ausſchlag, daß man hoffte, ver⸗ mittelſt der Macht der Kurpfalz und des Beiſtands ihres angeſehenen und einflußreichen Fürſten⸗ hauſes den Widerſtand der Wormſer brechen und dieſelben unter das Joch ihres Biſchofs bringen zu können.***) Allein gerade während Heinrich IV. Biſchof zu Worms war(1523—1552) be⸗ feſtigte ſich, wenn auch oft unter ſchwierigen Verhältniſſen, nach und nach die lutheriſche Refor⸗ mation in der Reichsſtadt Worms.
Da Luthers Brief an ſeine Anhänger in Worms, vom 24. Auguſt 1523, auf die religiöſe Richtung und Haltung der Stadt nicht geringen Einfluß ausübte, ſo verdient derſelbe hier ab⸗ gedruckt zu werden. Er enthält eine Ermahnung, bei der angenommenen Lehre des Evangeliums feſt zu verharren und lautet alſo. p†)
„An die Chriſten zu Worms.“
„Gnad und Fried in Chriſto, unſerm Heiland. Wir haben von Euch, lieben Herren und Freunden in Chriſto, mit Freuden gehört, wie Gott, der Vater unſers Herrn Jeſu Chriſti, auch bey euch und über euch hat laſſen aufgehen das herrliche Licht ſeiner Gnaden und den Glanz der Erkenntniß ſeiner ſelbs, durch ſeinen Sohn Jeſum Chriſtum, durch welchen wir verſühnet, Fried haben mit Gott in fröhlichem Gewiſſen von allen unſern vorigen Sünden und falſch gelobten guten Werken, auf welche wir durch die Apoſtel der Finſterniß und Prediger Belial ſo jämerlich ver⸗
*) Dieß ſoll in des Raths„rothem Buch“ zu leſen geweſen ſein, Fol. 252; vgl. die in der vorher⸗ gehenden Anm. gedachte Chronik, a. a. O.
*) Accessit ad malorum cumulum exorta sub idem tempus gravis in religione catholica dissensio, quam dum Martinus Lutherus, in nuperis Comitiis Wormatiae celebratis a Caesare et Imperii ordinibus publice damnatus ac proscriptus, sua fovere doctrina non desinit, negotiis etiam operosioribus Praesulem nostrum implicuit; siquidem adversus novatorum licentiam nec non Civium suorum(!) ausus ipsi deinceps quasi
continuo dimicandum fuit. Hinc, ut erat devecta jam aetate Reinhardus et corpore fatigato— certis con- ditionibus resignavit(anno 1523.) Schannat hist. episc. Worm. tom. I. p. 428, 429. en) Vgl. Schannat, hist. episc. Worm. tom. I. p. 429— 432.
†) Mehrere Handſchriften der Wormſer Chronik erwähnen Luthers Brief. Die Wormſer Handſchrift B der Zorn⸗Flersheimiſchen Chronik gibt eine Abſchrift desſelben, Fol. 201— 203. Die Frankfurter Hand⸗ ſchrift E fügt hinzu,„daß er im Druck ausgangen iſt und im erſten Eislebiſchen tomo der Bücher Lutberi, Fol. 169 und beim Wormſſiſchen catechismo zu finden.“ Nach der Angabe der Eisleber Ausgabe ſoll der Brief zuerſt in Strasburg im Druck erſchienen ſein; vgl. Luthers Briefe ꝛc. herausg. von W. M. L. de Wette, Th. II. S. 392.
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