Der Rath beſtellt neben den biſchöflichen Pfarrern evangeliſche Prediger: Nikolaus Maurus und Friedrich Baur. 33
Dreizehnern und den aus dem Amte ſcheidenden Zwölfern dem Biſchof zur Auswahl präſentirt werden. Für die Aemter des Städtmeiſters und des Schultheißen ſchlagen die Dreizehner dem Biſchof alljährlich aus ihrer Mitte zwei Perſonen vor, aus denen der Biſchof die ihm genehmen ernennt. Für das Amt des Bürgermeiſters ſchlägt der geſammte Rath der Dreizehner und Zwölfer aus den abgehenden Zwölfen zwei Mitglieder vor. Das Dreizehnercolleg ernennt alljährlich aus den abgehenden Zwölfen acht Gerichtsbeiſitzer, aus welchen der Biſchof einen Greven wählt.
II.
Zur Geſchichte der Wormſer Religionsneuerungen bis zum Augsburger Religionsfrieden 1555.
Zorn ſchreibt im J. 1570 in der Originalhandſchrift ſeiner Chronik, daß„die von Worms das Evangelium bald, nachdem es wieder von Luther an den Tag bracht worden, angenommen“ (S. 200) und die im Jahre 1695 veröffentlichte„Apologia der Stadt Worms contra biſtum Wormbs“ ſagt ſogar aus, die Stadt Worms ſei etwa ſeit dem Jahr 1520 lutheriſchen Bekennt⸗ niſſes(§. 1, S. 8). Eine im Wormſer Archiv befindliche, aus der Mitte des 17. Jahrhunderts ſtammende Handſchrift der Zorn'ſchen Chronik(F) enthält in Nachträgen von derſelben Hand, die dieſe Chronik geſchrieben, u. A. eine Fortſetzung der Wormſer Chronik bis zum Jahr 1600, und dieſe Fortſetzung gibt insbeſondere auch„zu wiſſen, wie die Predigt des Evangelii zu Wormbs ſich allgemächlich angeſponnen und angefangen hat.“ Die folgende Erzählung ſchließt ſich dieſer noch nicht veröffentlichten Chronik an; dabei werden andere Erzählungen und Urkunden den Bericht des Chroniſten ergänzen und erhärten. Daß aber derſelbe kein anderer, als Zorn iſt, wird ſich ſpäter ergeben.
„Als 1521, den 17. und 18. April, Martinus Luther zu Worms„in des Biſchofs Hof, und nit uf dem Burgerhof, wie der gemein Mann meinet“, vor Karl V. und dem ganzen römiſchen Reich ſein Bekenntnis abgelegt, ſind viele Einwohner dieſer Stadt, welche heimlich ſeiner Lehre beigepflichtet, durch ſein beſtändig, unerſchrocken Gemüth und Bekenntnis dahin bewegt worden, daß ſie ſeine Bücher fleißiger laſen und dadurch zur Erkenntnis des rechten Lichts des Evangeliums je länger je mehr kamen.— Solches haben dieſelben eine Zeit lang in der Stille gehalten. Als ſich aber viele Einwohner, und vornehmlich diejenigen, welche in den Vorſtädten eingeſeſſen, ſolches nachmals ohne Scheu vernehmen ließen, auch etliche von den Rathsperſonen Luſt und Liebe zur evangeliſchen Lehre bekommen, haben Rath und Gemeinde etliche Prediger beſtellt, welche„extra ordinem neben den Pfarrern“ der vier biſchöflichen Hauptpfarreien, die zu beſtellen dem Biſchof und der Kleriſei befohlen war, das Evangelium an etlichen Tagen predigten, deren einer Maurus,*) der andre Friedrich Baur geheißen. Als dieſe ſolches in's Werk ſetzen *) Ueber Nikolaus Maurus, der von Worms nach Darmſtadt überſiedelte und daſelbſt lutheriſcher Stadtpfarrer wurde, berichtet in Nr. 157 der Darmſt. Zeitung v. 8. Juni 1879 der Gr. Haus⸗ und Staats⸗ archivar Dr. Freiherr Schenk zu Schweinsberg nach den von ihm jüngſt im Staatsarchiv gefundenen Urkunden.„Die näheren Umſtände der Einführung der Kirchenreformation in Darmſtadt ſind bis jetzt gänzlich unbekannt
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