Jahrgang 
1906
Einzelbild herunterladen

Scheitern der Verhandlungen zwiſchen Biſchof Reinhard von Rippur und der Stadt 1503. 27

Als biſchof Johann zu Heidelberg verſchieden*)(1503), auf welchen die cleriſei all ihren troſt, zuverſicht und hoffnung geſetzt hat, haben etliche glaubwürdige perſonen an des raths freund gelangen laßen, wo einem rath gemeint wär, durch gütlich geſpräch zu einem vertrag zu kommen, möcht ſich jetzt ſolche gelegenheit wohl finden, dieweil das domcapitel, ſo der zeit zu Laden⸗ burg war, darzu ziemlich willig. derhalben ward zu ſolcher unterredung zeit und malſtatt benannt, montag nach omnium sanctorum zu Frankenthal. auf angeſetzten tag ſchickt der rath herren Hamman Lißperger, M. Reinhard Noltzen, Bartholome Dieheln, Hans Eberbachen, D. Jacob von Moſſenheim, ihren advocaten, und Adam von Schwechenheim, ihren ſtadtſchreiber. als die gen Frankenthal kommen, finden ſie daſelbſt von des domcapitels wegen herren Reinhard von Rippur, ſo zukünftiger biſchof erwählt ſollt ſein. als man nun der cleriſei auf ihr begehren von raths wegen einen vorſchlag thäte des weinſchanks, ihres auszugs und anderer fehl und mängel halben mehr, wollten die geſandten von der cleriſei ganz und gar nichts handeln, ſie wüſten denn, wie man ſich auf s. Martinstag gegen den erwählten biſchof in beſetzung der ſtadt ämter und des raths verhalten wollt, ob man daſſelbig, wie von alters herkommen, dem biſchof zu thun geſtatten wollt oder nit. als aber die geſandten vom rath keinen befehl hatten, deshalben mit der cleriſei zu handeln, ſchickten ſie herren Hamman Lißperger und den ſtadtſchreiber zurück und erholten ſich beſcheids. als aber derſelbig den geiſtlichen nit gefallen wollt, that ſich Reinhard von Rippur (welcher zum bisthum den 19. tag augusti anno 1503 vom ganzen capitel einmüthiglich zu Laden⸗ burg erwählt worden), von den andern, ritt gen Kirſchgarten und ſchickt an den rath Joſten von

Bechtolsheim, einen edelmann, und Johann Erlewein, anzuhalten, daß ſie dem erwählten biſchof geleit geben wollten, auf s. Martinstag in die ſtadt zu kommen und die ämter zu beſetzen. darauf ihme zu antwort worden, es wäre ein rath ganz willig und geneigt, dem, ſo zum bisthum er⸗ wählet, für ſeine perſon allen willen und wohlgefallen zu beweiſen, jedoch nach dem er noch nit als ein biſchof qualificiert wäre, auch ſich der ſtadt noch nit, wie ſichs gebührt, verſchrieben oder verpflicht, wüſt ein rath weiters in dieſer ſache nit zu thun oder zu bewilligen. ward alſo der rath weiters nit erſucht und erſchien s. Martinstag ohne weitere verhandlung. nachdem aber die perſonen nach verlaufung ihres jahrs der amt gern erledigt geweſen wären, auch unter den Neunern viel ſchwach und alters halben krank, ward mit zeitigem rath beſchloſſen, mit einer proteſtation die ſtadt und ämter zu beſetzen, wie denn Mittwoch nach Martini iſt geſchehen.(Flers⸗ heim, a. a. O. S. 206, 207.) So beſetzte alſo der Rath die Aemter der Stadt eigenmächtig wie eine freie Stadt, gerade ſo wie bis zum Jahre 1233 unter den Hohenſtaufen.

Aber zur vollſtändigen und ſogar zur legalen Unabhängigkeit von dem Bisthum gelangter die Stadt Worms, nachdem Biſchof Reinhard von Rippur in den Jahren 15031504, als Ver⸗ bündeter des Pfalzgrafen Philipp, in den pfalzbaieriſchen Erbfolgekrieg verwickelt worden war, in dem die kurfürſtliche Pfalz auf einmal von ſechs Heeren überzogen wurde.**)

Als pfalzgraf Philipp und alle ſeine helfer und helfershelfer in die acht und aberacht erklärt(1504), ſchickt der rath eine botſchaft an königlichen hof auf eine einnahme aller des biſchofs

*) Es iſt nur zu natürlich, daß die Wormſer Chroniſten in Johann von Dalberg nur den Biſchof ſehen, der die Rechte und das Vermögen ihrer Stadt, wie wenige andre, geſchädigt. Sogar Zorn, der in den oben(S. 21) angeführten Worten die hervorragende Stellung andeutete, die derſelbe unter den Humaniſten ſeiner Zeit einnahm, unterläßt es nicht, den für einen Biſchof ſehr ſchimpflichen Tod Johanns von Dalberg auf dem Rande ſeiner Originalhandſchrift(S. 110) mit den Worten zu verzeichnen:Hie Dalburgius Heidelbergae in- grediens aedes aduſterae in cellam decidit ac statim extinctus est. Uff ſolchen Kürben i hoh man ſolchen Ablaß.

**§) Häuſſer, Geſch. d. rhein. Pfalz, B. I. 463 493. 4*