Jahrgang 
1906
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26 Worms in der Acht, Sept. u. Oct. 1501. Erneuter Conflict zwiſch. d. Stadt u. Biſchof Johann v. Dalberg 1502.

Aemter ſelbſt beſetzte, mußte endlich Maximilian im September 1501 den Forderungen der Reichs⸗ ſtände und des Biſchofs von Dalberg nachgeben und über alle männlichen Einwohner von Worms, die über vierzehn Jahre alt waren, die Acht ausſprechen, doch ſollte die Ausführung bis Aller⸗ heiligen verſchoben werden.Haben die rathsverwandten in anſehen der ſchweren pön der acht, ſo vor augen war, ſich vernehmen laßen, dem biſchof in wählung des raths zu willfahren. iſt derhalben pfalzgraf Philipp kurfürſt und der biſchof auf freitag Simonis und Judae allhie erſchienen, hat ſich der rath einzählig in die ſaalſtuben verſammelt, zu welchem die fürſten auch getreten und nach etlicher gepflegter unterredung hat ſich ein rath gegen den biſchof vernehmen laßen, daß ſie wollten(doch ihrer rechten, auch ihrer hievor beſchehener proteſtation ꝛc. nichts begeben han) in furcht der pön, wie ſie des reichs regiment zugeſchrieben, zu gehorſam königlicher majeſtät, den biſchöflichen inſatz verwilligen. Der Biſchof ernannte nun die Mitglieder des Raths und Gerichts, die alsbald in Gegenwart des Kurfürſten und des Biſchofs von der Saalſtiege den Bürgern mit den Worten verkündet wurden:Lieben freund, zu gehorſam königlicher majeſtät und auf ſonderliche proteſtation iſt man hie einen inſatz zu thun, und der hochwürdig fürſtmein gnädiger herr der biſchof hiezugegen wählet zu burgermeiſtern herrn Hans Brunn und Joſt Zollern. (Flersheim, Wormſ. Chron., Arnolds Ausg., S. 205.) Nachdem hierauf die Acht und das Interdict aufgehoben und die Geiſtlichkeit in die Stadt zurückgekehrt war, entzweien ſich im folgenden Jahre Biſchof und Stadt wegen der Form der Proclamation der für die Aemter Erwählten, wegen des von denſelben dem Biſchof zu leiſtenden Eids und wegen der Vorladung von Bürgern vor auswärtige geiſtliche Gerichte. Der Conflict ſteigert ſich nach dem Tode des Biſchofs von Dalberg, unter deſſen Nachfolger Reinhard von Rippur. Darüber erzählt die Chronik Folgendes:Als man auf Martini(1502) auf dem biſchoflichen ſaal zuſammen kommen war und die ämter des raths beſetzt, hat ſich abermals der proclamation und des eids halben eine irrung zwiſchen dem biſchof und dem rath zugetragen. Denn als abermals wie 1501 Herr Hamman Lißperger proclamiert, öffentlich und überlaut dieſer Wort gebrauchte: Lieben freund, auf etliche geſchehene proteſtation erſcheint man hie, die amt der ſtadt zu erſetzen, und nach der ordnung; ſo iſt bürger⸗ meiſter von den neunern herr Nicolaus Stephan: fällt ihm mit ganz ernſtlichen Worten der biſchof in die red, ſagt:Ich geb ihn, ⸗ich geb ihn zu burgermeiſter., aber herr Hamman ließ ſich nit irren, fuhr fort, nennt gleichergeſtalt ſeinen geſellen, ſchultheißen, grafen, richter. des andern tags, als die rathsperſonen ſchwören ſollten, ließ ein rath dem biſchof anzeigen, daß ein rath auf dißmal nit ſchwören könnt, die pfaffen bei ihren freiheiten zu behalten und zu handhaben, dieweil das domcapitel und etliche andre der pfaffheit neuerung fürnehmen zu unleidlicher beſchwerung einem ehrbaren rath und ganzen gemeinen burgerſchaft, indem ſie die gemeine burgerſchaft, ſo ſie etwas mit ihnen im rechten zuſchaffen, vor das geiſtlich gericht und ihre geiſtliche conſervatores zu Mainz citierten, welches wider alt herkommen und der ſtadt freiheit wäre, und ob ſie ſchon ſeine gnad hievor mit fleiß erſucht, die pfaffheit dahin zu weiſen, ſolch neuerung und mißbrauch abzuſtellen, den rath und gemein bei ihren freiheiten und altem herkommen bleiben zu laſſen, ſo führe doch nit deſto minder die pfaffheit mit ihrem unbilligen fürnehmen fort, und das geſtatte ſeine gnad, derhalben ſie diesmals nothdürftiglich den eid müſſen anſtehn laſſen. wenn aber die pfaffheit ihres unbilligen fürnehmens abſtünden, ſo wollten ſie alsdenn auch thun, was ſich gebührt. es war der biſchof wohl etwas ungeſtüm, proteſtiert auch darwider, aber ein rath ließ ſich das nit bewegen und blieb alſo dismals auf ſeiner meinung und ſchwor dem biſchof ganz und gar nit.(Flersheim, a. a. O., S. 205. 206.)