Jahrgang 
1906
Einzelbild herunterladen

24 Aufhebung aller der Stadt nachtheiligen Verträge zwiſchen Biſchof und Stadt durch Kaiſer Friedrich III. 1489.

Um aber für die ſtadt Worms einen neuen Rechtsboden zu ſchaffen, that kaiſer Friedrich III. den kühnen Schritt, ebenſo wie im Jahre 1233 Friedrich II. dem biſchof zu Liebe die unter den ſaliſchen und hohenſtaufiſchen Kaiſern erworbenen Rechte, trotz langen beſtandes aufhob, nunmehr im Jahre 1489 auf den Rechtsboden vor 1233 zurückzukehren und alle von den Biſchöfen durch Bann, Interdict und andere Erpreſſungen und Vergewaltigungen der Stadt abgenöthigten Verträge zu caſſieren,und ſonderlich, ſagt des Kaiſers Mandatden letzten Eid, ſo Bürgermeiſter und Rath der Stadt dem ehrwürdigen Biſchof Johann, unſerm Fürſten und lieben Andächtigen, uns und dem heiligen Reich zu ganzem unbilligem Nachtheil ohn unſer Wiſſen und Verwilligen gethan. Allein während der bis zu des Kaiſers Tod ſich hinziehenden Verhandlungen zwiſchen Biſchof und Kaiſer machte die Stadt noch keinen Gebrauch von der für ſie günſtigen Declaration des Kaiſers, ſondern geſtattete zunächſt dem Biſchof alljährlich nach herkömmlichem Brauch die Ernennung der Mitglieder des Raths und des Gerichts und des Bürgermeiſters der Gemeinde, vermuthlich deshalb, weil ſie in den Worten des Kaiſers nur eine theoretiſche Wahrung der uralten Rechte der Stadt ſah und fürchten mußte, daß ſie, wenn ſie zu ungeeigneter Zeit von der neuen Vergünſtigung des Kaiſers ohne deſſen thätige Hülfe Gebrauch mache, ihren Gegnern, insbeſondere dem Pfalzgrafen, erliegen müſſe. Aber ſchon im Jahre 1493, kurz nach Kaiſer Friedrichs Tod, ordnete die Stadt nach Zorns Bericht ſelbſt den Rath für das folgende Jahr:In dieſem jahr (1493) ließ man die neuner in ihrer ordnung bleiben ſie beſtimmten alſo nach dem unter ihnen üblichen Wechſel den aus den Geſchlechtern zu ernennenden Bürgermeiſterund küret der rath 20 ehrbar mann, d. h. 16 für den jährlich wechſelnden rath und 4 für den beſtändigen rath ſtatt der diesmal wegfallenden ſog. 4 biſchofsleuteund einen aus denſelben zu bürger⸗ meiſter auf donnerstag nach Michaelis, und am freitag frühe läutet man die hofglock, und wurden auf der neuen münz genannt burgermeiſter Hans Baumann und Johann Wölfge, ſchultheiß Johann Curich, ward auch eine neu eids form für die rathsper ſon en geſtellt. (Erweit. Zorn'ſche Chron., Arnolds Ausg. S. 199.) Hierdurch ſetzte ſich die Bürgerſchaft auf Grund der kaiſerlichen Declaration über den unzweifelhaften, wenn auch erzwungenen Rechtsbeſtand der letzten 260 Jahre hinweg, und hoffte, daß der junge König Maximilian, um ſich die Stadt als Reichsſtadt zu erhalten, dieſelbe thatkräftig ſchützen werde. Maximilian erkannte alsbald die Privilegien der Stadt an(14. April 1494).Anno 1494 13. tag des brachmonats(Juni) iſt kaiſer Maxi⸗ milian und ſein gemahl Maria gen Worms kommen. haben die herren des rath ihm geſchenkt mehr denn 4 fuder wein, 120 malter habern, 2 ſalmen, 40 ſtück fiſch, item zwo ſchöne vergüldte ſcheuern,*) dem könig eine für 150 fl., der königin eine für 115 fl. ſamſtag hernach iſt ſeine majeſtät auf die neue münz gangen und von rath und gemein, ſo hie untergeſtanden, huldigung empfangen.(Erweit. Zorn ſche Chron., Arnolds Ausg., S. 199.)Als durch den römiſchen Kaiſer alle verträg zwiſchen dem biſchof und pfaffheit und der ſtadt Worms abgethan waren laut einer Declaration, und dieſelb durch den römiſchen könig confirmirt, ſam 25. Aug. 1494, vgl. Moritz, app. doc. 205] haben die räthe zu Worms in kraft der ſtadtfreiheiten ſich ſelbſt beſetzt.**) desgleichen ſchultheiß, grafen und richter an das gericht erwählt, die 4 biſchofsmänner abgeſetzt, auch das weltlich gericht aus dem gewohnlichen Ort, nämlich aus des biſchofs hof, auf die alte münz gelegt und transferiert, des⸗

gleichen jetz bemeldts jahrs auf den zunfthäuſern den brief⸗*) könig Ruperti zu leſen abgeſtellt,

*)Scheuer iſt ein Becher, beſonders Doppelbecher, wofür man auchdie Scheure ſagte. ***) Schon am 3. Oct.: pridie beati Francisci, nach Zorn. ) D. i. die ſog. Pfaffenrachtung vom J. 1407, vgl. oben S. 17 u. 18.