Jahrgang 
1906
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Vorläufige Wiederherſtellung der Privilegien der Freiſtadt Worms durch Kaiſer Friedrich III. 1442, 1455. 19

aufzuheben, doch daß die burger höher nit geſteigt werden. auch hat die ſtadt desmals ein neu inſigel(gerichtsſigel) graben laßen, das hat ſie müßen hinweglegen.(Zorns Original.) Durch den gedachten Vertrag wurde auch beſtimmt, daß die ſtadt den biſchof Johann nach dem Vertrage v. J. 1366 ſchirmen ſolle und demſelben Zölle und Frohnwage laſſe.*)

Hatten unter der Regierung der Kaiſer Wenceslaus und Ruprecht die Beziehungen der Stadt Worms zu den benachbarten Städten, insbeſondere zu Mainz und Speier, und die Unter⸗ ſtützung des Erzbiſchofs von Mainz die Stadt Worms gegen die Gelüſte der Pfalzgrafen, Worms zu ihrer Hauptſtadt zu machen, geſchützt: ſo gebührt dem Kaiſer Friedrich III. die Anerkennung, daß er Worms als Reichsſtadt dem Reiche erhalten und ſowohl der Vergewaltigung der Biſchöfe von Worms als auch der Pfalzgrafen enthoben hat.Anno 1442[20. Aug. iſt kaiſer Friedrich III. gen Worms kommen zu roß mit 800 ſtark, iſt ihm ein bürgermeiſter mit drei rathsperſonen und vierzig reutern in ihrem harniſch entgegengeritten. Die ſtadt verehrt ihm drei fuder bockenheimer weins, hundert malter habern, eine ſilberne übergüldt flaſch, geformiert als eine muſchel zu beiden Seiten, und war die eine muſchel erhaben, die andere aber geſenkt, koſt 138 fl.(Flersheim.) Schon vor der Ankunft in Worms und vor der Huldigung hatte Friedrich III. von Frankfurt aus Privilegien der Stadt beſtätigt, und den Bau eines Gebäudes, das eine halbe Meile von Worms am Rhein aufgeführt werden ſollte, unterſagt, weil zu beſorgen war,daß das in künftigen zeiten ein burglicher bau werden, der an andere Hände kommen möchte, dadurch uns und dem Reich die ſtadt Worms abgedrungen und entfremdet werden, auch andere Leute davon Schaden nehmen möchten.(Arnold, Verf.⸗Geſch. 2. 448.) Nochmals bekräftigte er als römiſcher Kaiſer alle Rechte der Stadt.Hat erwählter kaiſer Friedrich III.**) der ſtadt Worms viel gutes gethan, iſt auch oft mit großer herrlichkeit daſelbſt geweſen und die ſtadt mit großen freiheiten be⸗ gabet, und ſonderlich hat er die verträg, ſo etwan mit den geiſtlichen, gemeiner ſtadt zu nachtheil, aufgericht worden, nach ernſtlicher inquiſition und erkundigung aufgehoben und caſſiert, hat aber nit lang gewährt.(Zorns Originalhandſchrift.) Das kaiſerliche Privilegium vom J. 1455 be⸗ ſtimmte, daß weder eine geiſtliche noch eine weltliche Perſon einen Hof, eine Wohnung oder liegende Güter, in der Stadt und ihrem Burgbann gelegen, kaufe ohne Verwilligung des Bürgermeiſters und Rathes, es ſei denn, daß ſie von dieſen Erwerbungen, wie die Bürger der Stadt, Abgaben geben wollten. Ferner ward beſtimmt, daß, wenn einem Geiſtlichen Höfe, Wohnungen oder liegende Güter in Folge einer Erbſchaft oder wegen einer verfallenen Schuld zufallen, derſelbeda⸗ von thäte, was einem bürger der ſtadt zu thun gebühret, oder ſie binnen Jahresfriſt einem Bürger verkaufte. Ueberdies erkannte der Kaiſer der Stadt das Recht zu,Geſetz und Ordnungen zu machen, doch uns und dem heiligen Reich an unſer Oberkeit und Rechten und ſonſt männiglich an ſeinen Rechten und Gerechtigkeiten unvergriffentlich.

Den Rückhalt, den die Stadt bei dem Kaiſer Friedrich III. fand, veranlaßte Biſchof Rein⸗ hard von Sickingen, der des Kaiſers Freund und nicht dem Pfalzgrafen ergeben war(14451482), mit der Stadt im Frieden zu leben und vor ſeinem Eintritt, wenn auch mit Widerſtreben, der Stadt einen Revers auszufertigen, worin er derſelben ihre Freiheiten und insbeſondere ſolche Ge⸗ richte beſtätigte,die der Rath und die Sechzehn von Worms bis auf dieſen heutigen Tag ge⸗ than hant, die Sechzehn nun auch zu dem Rath und dem Gericht gehörend.(Arnold, Verf. Geſch. 2. 450.) Ueber reformatoriſche Kundgebungen, die in Worms ein halbes Jahrhundert vor

*) Schannat, hist. episc. Worm. II. p. 233.

**) Am 5. Mai 1455, ſ. Arnold, Verf.⸗Geſch., B. 2, S. 449. 3*