das Entgegenkommen des Wohlfahrtsamtes iſt es uns möglich, im Winter bis zu 205 Mädchen gegen mäßige Vergütung täglich warme Milch nebſt Brötchen zu verabfolgen. Eine Reihe von Schulausflügen führt die Klaſſen in die nähere und weitere ALlmgebung. Die Frauenſchule iſt fünf Tage im Vogelsberg und der Rhön und zwei Tage in Bruchſal, Maulbronn und dem nördlichen Schwarzwald. Die Klaſſen 1a und 1 b ſind zwei Tage im Odenwald und am Keckar, die unteren Klaſſen machen nur eintägige Ausflüge.
Aus dem Überſchuß unſerer Dornröschen⸗Aufführungen wird jeder Schülerin unſerer Anſtalt zur Erinnernng an das Schulfeſt ein Wanderliederbuch„Was klinget und ſinget“ überreicht, das viel zur Belebung unſerer künftigen Ausflüge beitragen wird.
Regelmäßige Spielnachmittage ſind für alle Klaſſen eingerichtet, leider fehlt uns ein ge— eigneter, leicht erreichbarer Spielplatz, und ſo ſind wir auf den Schulhof angewieſen. Der Schwimmſport wird ſehr eifrig gepflegt.
6. Im Herbſt beginnen unter der Leitung von Fräulein Wernher und Fräulein Danielſen zwei Lehrgänge in der Einheitskurzſchrift für Schülerinnen der Klaſſen La und 2 b.
An dem mathematiſchen Ergänzungs⸗Kurſus nehmen zweiunoͤzwanzig, an dem wahlfreien Lateinunterricht ſieben von fünfzig Schülerinnen der erſten Klaſſe teil.
Anſtatt der Spielſtunden werden im Winter in den oberen Klaſſen Kurſe in Kleb- und Buchbinderarbeiten veranſtaltet, die von Reallehrer Haaß und den Lehrerinnen Becker, Enoͤner, Friedrich, Walter und Wernher geleitet werden. Eine zweckmäßig eingerichtete Werkſtätte mit zwanzig Arbeitsplätzen und den nötigen Werkzeugen und Maſchinen gibt den Raum für dieſe den Schülerinnen ſehr willkommene Beſchäftigung.
7. Kach langer Alnterbrechung kann Staatsrat Block am 20. November unſere Anſtalt wieder einmal beſichtigen und dem Anterricht in mehreren Klaſſen beiwohnen. Er dankt dem Kollegium für die in der Fwiſchenzeit bewahrte Haltung und gibt ſeiner Freude darüber Aus⸗ druck, daß die Verbindung zwiſchen Behörde und Schule nun wieder hergeſtellt iſt. Am 17. März wohnt er dem Probekochen der Frauenſchule bei.
8. Die Schule beſucht die Vorführung der Filme: Die deutſche Koroͤſee, Tiere der Koroͤſee, Die Kibelungen J. Teil und„Tiſchlein, deck dich“. Im Singſaal können wir die Vorträge eines Koreaners über ſein Land, eines deutſchen Miſſionslehrers über Reiſen in Nordamerika und eines Tierſtimmennachahmers hören. Der Staoͤtverwaltung ſind wir dankbar, daß ſie unſeren Schülerinnen zu vielen Vorſtellungen und Konzerten im Spiel- und Feſthaus Eintrittskarten zu ermäßigtem Preiſe abgibt.
9. Infolge der Erreichung der Altersgrenze tritt am 1. Januar unſer Hausmeiſter Merz in den Ruheſtand, führt aber zunächſt den Dienſt noch weiter bis zum Amtsantritt ſeines Nach⸗ folgers. Treu und gewiſſenhaft hat er lange Jahre für unſere Schule geſorgt, Lehrern und Schülerinnen gegenüber war er ſtets gefällig und dienſteifrig, nichts war ihm zuviel, um unſer Haus in einem vorbiloͤlichen Zuſtand zu erhalten, und ſo ſehen wir ihn ungern ſcheiden und wünſchen ihm einen geſegneten, glücklichen Lebensabend.
10. Am 23. Januar und in einem Kachtrag am 10. März ſtellt die Stadtveroroneten⸗ verſammlung die Mittel für die Errichtung einer Studienanſtalt im Anſchluß an unſere Schule zur Verfügung. Wenn der Landͤtag ſeine Zuſtimmung gegeben hat, werden wir an Oſtern mit dem Husbau beginnen und die Oberſekunda aufſetzen.
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