Jahrgang 
1929
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IV. Zur Geschichte der Anstalt 1928/29.

Das abgelaufene Schuljahr brachte gleich bei Beginn eine Anderung in der Zu- sammensetzung des Lehrkörpers. Studienrat Dr. Schneider verließ uns nach 5jähriger Tätigkeit an unserer Anstalt, um eine Studienratsstelle an der Ludwigs-Oberrealschule in Darmstadt zu übernehmen. An seine Stelle trat Studienrat Petri, vorher an der Ludwigs- Oberrealschule in Darmstadt, der früher schon einmal von Ostern 1917 bis dahin 1919 dem Lehrkörper angehörte.

Studienassessor Keim, der seit dem 1. 10. 26 als Mathematiklehrer an unserer Anstalt tätig war, wurde die Verwaltung einer Assessorenstelle an der Bürgerschule in Sprendlingen (Rheinhessen) übertragen. Er wurde ersetzt durch Studienassessor Schrader, der vorher an dem Ludwig-Georgs-Gymnasium und der Ludwigs-Oberrealschule in Darmstadt wirkte.

Am 1. 12. 28 mußte Oberreallehrer Volz den ihm so lieb gewordenen Unterricht an der Realschule aufgeben, da er mit Wirkung von diesem Tag infolge Erreichung der Altersgrenze in den Ruhestand versetzt wurde. Fast 16 Jahre hat er an unserer Anstalt ersprießlich gewirkt und seinem Amt gewissenhafte Dienstauffassung, der Schule große Anhänglichkeit entgegengebracht. Am 30. 11. 28 haben Lehrer und Schüler in einer schlichten Feier von ihm Abschied genommen. Unsere besten Wünsche begleiten ihn in seinen Ruhestand. Da Herr Oberreallehrer Volz das Amt des Rechners der Realschul- kasse noch weiter beibehält, geht seine Verbindung mit der Schule zunächst noch nicht ganz verloren.

Mit der UÜbernahme seines Unterrichts wurde vorläufig Schulverwalter Bröning be- traut, vorher in Neckarhausen.

Die Erteilung des evangelischen Religionsunterrichts übernahm von Ostern ab an Stelle von Stadtpfarrer Reith Stadtpfarrer Reinheimer, der Geistliche der 2. Pfarrei. Er erteilte von Oktober 1928 ab auch den Lateinunterricht in IIb, während Stadtpfarrer Roßkopf den in IIa beibehielt.

Stadtpfarrer Reith blieb der Schule als Lehrer erhalten, indem er in entgegen- kommender Weise den Unterricht in Kurzschrift weiter erteilte.

Die während des Schuljahrs stattgefundenen Schulfeiern und Veranstaltungen wurden eröffnet mit dem am 25. Juni im Einsiedelwalde in herkömmlicher Weise abgehaltenen Landesjugendfest. Hatte das Fest im Jahre vorher etwas unter der Ungunst der Witterung zu leiden, so war ihm diesmal während seines ganzen Verlaufs ein sonniger Tag beschieden. Der von der Vereinigung der Realschulfreunde 1926 gestiftete Wanderpreis, ein silberner Schild, wurde diesmal im Stafettenlauf von der Untersekunda errungen.

An sonstigen Feiern sind noch zu erwähnen die Reichsverfassungsfeier am 13. August, bei der Studienrat Petri die Festrede hielt, und der Krieger-Totengedenktag am 24. No- vember, an welchem Studienassessor Schrader der Gefallenen gedachte.

Am 15. September fand eine Besichtigung des katholischen Religionsunterrichts durch den Herrn Bischof von Mainz statt.

Der Gedenkfeier für Lessing und Alfred Brehm wurde im Unterricht des Deutschen und der Biologie Rechnung getragen, der Reichsunfallverhütungswoche durch einen Vor- trag von Dr. med. Engel überErste Hilfe bei Unglücksfällen und theoretische und praktische Unterweisung im Rettungsschwimmen. Um die Schüler auf die große Be- deutung des Naturschutzes hinzuweisen, wurde anfangs März unter Leitung von Studienrat Petri eine Naturschutzwoche veranstaltet.

Die Störung des Unterrichtsbetriebs durch Erkrankung von Herrn des Lehrkörpers war gering. Die Studienräte Dechent und Dr. Betzendörfer waren einige Tage beurlaubt zwecks Beteiligung an Fachkursen, Studienrat Dechent außerdem noch zum Besuch der Tagung der Auslandslehrer in Darmstadt.