Jahrgang 
1927
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IV. Zur Geschichte der Anstalt 1926/27.

Am 9. Mai 1926 wurde Unterzeichneter, der seit dem 3. Januar d. Is. mit der vor- läufigen Leitung der Schule betraut war, auf Grund eines Dekrets vom 12. April 1926 zum Studiendirektor und Leiter der Anstalt ernannt.

Eine weitere Aenderung in der Zusammensetzung des Lehrkörpers trat ein durch die am 1. Oktober 1926 erfolgte Abberufung des Studienassessors Eberhard Delp. Lehrer, Schüler und Eltern sanen Herrn Delp, der sich durch seine Vielseitigkeit große Verdienste um die Schule erworben hatte, sehr ungern scheiden.

An seine Stelle trat Studienassessor Julius Keim. Er ist geboren am 14. November 1897 in Darmstadt. Nach dem Besuch der Ludwigs-Oberrealschule seiner Vaterstadt und abgelegter Reifeprüfung widmete er sich an den Hochschulen in Darmstadt, Frankfurt und Gießen dem Studium der Mathematik, Physik und Chemie und bestand Sommer 1922 die Prüfung für das höhere Lehramt. Seine Studienzeit erlitt längere Unterbrechungen durch seine Einstellung in ein Feld-Art.-Regiment und die Teilnahme am Krieg. Nach kurzer Verwendung an der Oberrealschule in Heppenheim und bei der Buchhaltung des Landesamts f. d. Bildungswesen wurde ihm Ostern 1924 die Verwaltung einer Lehrstelle an der Realschule Gernsheim übertragen. Am 1. Oktober 1926 erfolgte seine Versetzung an die Realschule in Wimpfen.

Laut Dekret vom 10. Februar 1927 wurde der seitherige Amtsgehilfe der Anstalt, Amtsobergehilfe Philipp Speier, abberufen und mit Wirkung vom 1. 4. 27 mit der Stelle eines Hausmeisters am Realgymnasium in Darmstadt betraut. Nicht ganz 14 Jahre hatte er sein Amt an der Realschule inne. Sein Nachfolger wird vom 1. 4. 27 an der seit- herige Landgestütsaufseher Wilhelm Walther in Darmstadt.

Unter den während des Schuljahrs veranstalteten Schuffeiern nimmt der am 24. Juni 1926 unter Heranziehung von Eltern und Freunden der Schule im Einsiedelwald bei Rappenau veranstaltete jugendfeiertag den ersten Rang ein. Unter Sang und Klang, mit wehenden Fahnen ging es hinaus in den Wald. Kaffeekessel und Brennholz wurden auf kleinen, mit Blumengewinden geschmückten Wagen mitgeführt, um draußen den Schölern und den Gästen eine kleine Erfrischung reichen zu können. Auf dem Waldplatz begann sofort ein frohes Treiben. Gruppen- und Freiübungen, Stafettenläufe, Weitsprung wech- selten in bunter Reihenfolge ab. Die turnerisch-sportlichen Betätigungen erhielten noch dadurch einen besonderen Anreiz, daß die Vereinigung der Realschulfreunde für den Stafettenlauf einen Wanderpreis in Gestalt eines Silberschilds gestiftet hatte, den die Schüler der Untertertia errangen, und daß für die besten turnerischen Leistungen dank reich- lichen Stiftungen Preise ausgesetzt waren. Nachdem der von Damen aus Wimpfen und Rappenau bereitete Kaffee und die gestifteten Brezeln eingenommen waren, wurden nach Ansprache des Direktors die Preise verteilt. Der weitere Nachmittag war ausgefüllt mit Deklamation, Reigen der Mädchen und volkstümlichen Spielen. Als das Fest sein Ende erreicht natte, marschierte alles gemeinsam unter fröhlichem Gesang und in bester Stimmung über den so wunderschön verlaufenen Tag dem Heimatstädtchen zu mit dem Wunsch, daß das nächste Jahr wieder ein so schönes Fest bescheren möchte.

An sonstigen Feiern sind noch zu erwähnen die Reichsverfassungsfeier am 16. August, die Feier der 400 jährigen Wiederkehr des Tages der Einführung der Reformation in Hessen am 30. Oktober, der Krieger-Totengedenktag am 20. November 1926 und die Pestalozzi. feier am 17. Februar 1927.

Am 16. Juli besichtigte Herr Staatsrat Block die Anstalt und wohnte dem Unter- richt in verschiedenen Klassen bei, am 6. September Herr Ministerialdirektor Urstadt, der Vorsitzende des Landesamts f. d. Bildungswesen.