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IV. Zur Geschichte der Anstalt 1925/26.
Im abgelaufenen Schuljahr hatte die Realschule einen schweren Verlust zu beklagen. Am 3. Januar, einen Tag vor Wiederbeginn des Unterrichts, starb plõtz- lich infolge eines Herzschlags ihr seitheriger Leiter, Herr Studiendirektor Sieben. Mit ihm ist ein Mann dahingeschieden, der während seiner ganzen Unterrichts- tätigkeit allen Lehrern und Schülern ein Muster von Pflichttreue, Pflichtgefühl und Gewissenhaftigkeit war, dazu war er ein mustergültiger Lehrer. Nicht ganz sechs
Jahre hat er der Schule als Leiter vorgestanden, nachdem er bereits früher, von 1898— 1908 ihr als Lehrer angehört hatte. Lehrerkollegium und Schüler gaben ihm am 5. Januar geschlossen das Geleite zu seiner letzten Ruhestätte auf dem Friedhof zu Wimpfen und legten Kränze an seinem Grabe nieder.
Die Schule wird seiner immer in Ehren gedenken.
Mit der vorläufigen Leitung der Schule wurde als ältestes Mitglied des Kollegiums Studienrat Luley betraut.
Das Schuljahr begann am 20. April und führte gleich bei Beginn eine Aenderung in der Zusammensetzung des Lehrkörpers herbei. Herr Studienrat M. Mühleisen wurde an die Oberrealschule am Friedrichsplatz in Offenbach versetzt; an seine Stelle trat Herr Studienrat K. Henkel von dieser Anstalt.
Im Mittelpunkt der Schulereignisse stand diesmal die 50jährige Jubelfeier der Real- schule am 28 29 und 30. Mai 1925 Nachdem bereits im Frühjahr 1922, dem eigent- lichen Jahre des 50jährigen Bestehens, eine Schulfeier in ganz engem Rahmen den da- maligen Zeitverhältnissen entsprechend stattgefunden hatte, liessen es sich die ehemaligen Schüler nicht nehmen, ihrerseits noch einmal eine besondere Feier zu veranstalten, nach- dem die allgemeine wirtschaftliche Lage sich etwas gebessert hatte. Der Ende 1924 ins Leben gerufene Verein der Freunde der Realschule übernahm die erforderlichen Vor- bereitungen. Es bildete sich ein Ehrenausschuss, zu dessen Vorsitzenden Herr Staatsrat Block gewählt wurde, der von 1904—07 Leiter der Anstalt war. Die Festlichkeiten wurden am 28. 5. eröffnet mit einem Begrüssungsabend im Mathildenbad. Zahlreiche frühere Schüler hatten sich hierzu bereits eingefunden. Als Vertreter des Landesamts f. d. Bildungswesen war Herr Staatsrat Block erschienen Es fiel auf, dass die älteren und ältesten Jahrgänge am besten vertreten waren. Bei Konzert und künstlerischen Darbie- tungen verbrachte die Realschulgemeinde einen recht vergnügten Abend. Am 29. vor- mittags fand eine Besichtigung Wimpfens statt, insbesondere des durch den Umbau für viele neuen Klostergebäudes. Am Nachmittag besuchten viele Gäste das Wimpfener
Freilichtspiel vom„Pfeiferlein“. Der Glanzpunkt war der Abend des 29, ein Fackelzug unter Beteiligung von Jung und Alt, voran die Stadtkapelle vom Bahnhof durch die Haupt- strasse, Schillerstrasse, Mathildenbadstrasse, Salzgasse, Schulstrasse nach dem Realschul- platz. Es war ein herrlicher Anblick, diese durch die engen Gassen mit den hohen, gespenstigen Giebeln sich windende Feuerschlange. Nachdem die Fackeln auf dem Schul- platz zusammengeworfen waren, fand in den Räumen der Turnhalle ein Festkommers statt, der ausserordentlich starbk besucht war. Ausser den ehemaligen Lehrern und Schülern hatte sich auch ein grosser Teil der Wimpfener Bevölkerung eingefunden. Unter mancher- lei Darbietungen, launigen Ansprachen blieb man bis in die frühen Morgenstunden bei- sammen. Für den 30. Mai war die akademische Feier der Realschule angesetzt. Ein auserwähltes Programm konnte den einstigen Schülern zeigen, dass die heutige Schüler- generation auch Leistungen aufzuweisen hat. Gesangschöre, Begrüssungen, u. a. durch Herrn Staatsrat Block, dramatische Darbietungen, Märchenspiel und Kindersymphonie


