Studienfahrt der Oberprima.(0.— 13. Juli 1927). Am Samstag, dem 9. Juli 1927, setzte sich in aller Frühe der Zug, der uns nach Würzburg bringen sollte, unter strömendem Regen in Bewegung.„Schönes Wetter für eine Studienfahrt,“ dachten wir,„das kann ja nett werden.“ Doch als unser Zug durch den Spessart sauste, wagten sich schon einige Sonnenstrahlen hervor. Und als wir in Würzburg ankamen, hatten wir uns mit dem Wettergott wieder versöhnt. Nach einem kräftigen Mittagessen begannen wir mit den Besichtigungen. Bald standen wir auf dem Schloßplatz vor der gewaltigen Front der ehemaligen Residenz der Würzburger Fürstbischöfe. Das Schloß ist wohl eines der schönsten und größten Deutschlands. Es wurde im Barockstil erbaut durch den genialen Architekten Balthasar Neumann zur Regierungszeit der Fürsten von Schönborn. Später wurde in einzelnen Zimmern die Einrichtung durch Möbel im klassizistischen Stil ersetzt. Schon beim Eiatritt in das Schloß steht man überwältigt vor der Pracht des Treppenhauses mit dem gewaltigen Decken- gemälde des Venetianers Tiepolo. Lange gingen wir durch die unzähligen Räume, immer wieder erstaunt über den Glanz und die Schönheit der Säle. Nach einem kurzen Gang durch den wundervollen Garten schieden wir von dem Schloß, um einige Kirchen zu besichtigen: Die gotische Marienkapelle, den romanischen Dom, dessen Inneres in der Barockzeit erneuert wurde, die Grabkapelle des Grafen von Schönborn, die Neumünster- kirche, die Gruft mit dem Grab des Frankenapostels Kilian. Am Sonntag schieden wir von der alten Barock- stadt und fuhren voller Erwartung nach Rothenburg ob der Tauder. Es war ein eigenes Gefühl, so mitten in eine mittelalterliche Stadt versetzt zu sein, nur die vielen Autos störten die Einheit und Echtheit des Bildes- Die Franziskanerkirche war leider geschlossen, dafür besichtigten wir eingehender die Jakobikircke mit den Schnitzaltären Tilman Riemenschneiders, des großen fränkischen Bildhauers und Bildschnitzers der gotischen Zeit, von dem wir auch in Würzburg schon einige Werke gesehen hatten. Von dem Turm des Rathauses er- hielten wir einen Überblick über das ganze Städtchen mit seiner wundervollen Umgebung. Das Rathaus selbst mit seinen ehrwürdigen Sälen gab uns Zeugnis von dem Reichtum und dem kunstliebenden Bürgersinn einer alten Reichsstadt. Am Spätnachmittag kletterten wir durch die Wehrgänge— die Stadt ist fast noch ganz von Mauern und Türmen umgeben— safßen auf mancher alten Mauer und auf manchem ehrwürdigen Brunnenrand, stolperten durch die holprigen Straßen, standen oft still vor manchem lauschigen Winkel und so vielen ver- schlafenen Häusern und genossen so die Romantik einer untergegangenen, großen und schönen Welt. Am Abend begannen wir den lebensgefährlichen Abstieg in das Taubertal und fanden nach manchen Irrwegen die Jugendherberge in Dettwangen, eine malerische, gemütliche Mühle. Am nächsten Morgen nach einer kurzen Besichtigung der kleinen Dettwanger Kirche mit einem Kunstwerk Riemenschneiders wieder Aufstieg zur Stadt und Abfahrt nach Dinkelsbühl. Zunächst Turmbesteigung und Besichtigung der St. Georgskirche mit anschlie- Bendem„Gelehrtenstreit“, welche Kirche schöner sei, St. Georg in Dinkelsbühl oder St. Jakobus in Rothenburg. Ein Spaziergang in den kühlen Parkanlagen an den Wassergräben tat uns allen in der Mittagshitze gut. Es folgte das Mittagessen im historischen„Deutschen Haus“ und, damit uns das Essen wohlbekomme, ein Wett- lauf zum Bahnhof, wo wir den Zug noch glücklich erreichten. Nun kam die letzte Station, die Krönung der ganzen Fahrt— Nüraberg! lch kann nur kurz das erwähnen, was wir gesehen haben— es ist allzuviel. Am Dienstag ging morgens unser Weg zunächst zur St. Lorenzkirche, aber nicht weniger schön als diese fanden wir die kleine Lieb-Frauenkirche. Dann ging es zur Sebalduskirche mit dem berühmten Sebaldusgrab des Nürnberger Erzgießers Peter Vischer. Unsere zukünftigen Techniker besuchten dann das Verkehrsmuseum, die andern gingen zum Dürerhaus, zur Burg und zum Rathaus. Am Nachmittag besichtigten alle noch einmal eingehend die Burg, besonderen Eindruck hinterließ die Folterkammer, dann sahen wir noch viele schöne Patrizierhäuser aus der Gotik- und Renaissancezeit, die Kirche, in denen die Meistersinger ihre Feste kielten, und am Abend das„Bratwurstglöckle“. Der Mittwoch sah uns schon früh im Germanischen Nationalmuseum. Es gibt wohl selten einen Ort, wo soviel Sehenswertes zusammengebracht ist. Der Morgen verging wie im Fluge. Zur Mittagszeit saßen wir schon wieder im Zug, der uns der Heimat zuführte. Vieles hatten wir in diesen fünf Tagen gesehen, das bleibenden Eindruck zurückließ. Die Fahrt hatte uns ein großes Stück blü- henden deutschen Landes erschlossen, hatte uns ein reiches Bild alter, deutscher Kultur gegeben und so die Liebe zu deutschem Land und deutschem Volk in uns gestärkt. W. Kampe, Ol.
Am 27, Februar besuchte die OI unter Führung des Klassenleiters die Saalburg.
Der Gesundheitszustand war im Berichtsjahre besser als im Vorjahre. In den Gesundheits- feuchten Wintermonaten und in der 2. Hälfte des März wurden einige Schüler von meist zustand. leichteren Krankheiten befallen. Die betreffenden Schüler konnten in der Regel nach kurzer Zeit am Unterricht wieder teilnehmen.
Sämtliche Schüler wurden vom Schularzt Dr. Bickel auf ihre körperliche Ent- Sehareir.
wicklung untersucht. Der Befund war im ganzen recht befriedigend. sichtigung.
Das jährliche Schulgeld beträgt zur Zeit für einheimische Schüler 200 M, für aus- Schulgeld. wärtige Schüler wird ein Aufschlag von 25 v. H. erhoben. Für das 2. eine höhere Schule [(einschließlich Hochschule) besuchende Kind tritt eine gesetzliche Ermäßigung um 25 v. H., für das 3, eine Ermäßigung um 50 v. H. ein. Das 4. und weitere Kinder sind frei. Im Berichtsjahr wurde 80 würdigen Schülern auf Antrag der Erziehungsberechtigten das Schul- geld ganz oder teilweise erlassen. Für Geschwisterermäßigungen und die Unterstützung bedürftiger und begabter Schüler(Ermäßigung oder Erlaß des Schulgeldes und Hilfsbücherei)
standen 20 v. H. des gesamten Schulgeldaufkommens zur Verfügung.


