Jahrgang 
1928
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verzögert worden, daß die Einrichtung wohl erst mit Beginn des neuen Schuljahres in Gebrauch genommen werden kann.

Eine auf dem Hof angebrachte Reckvorrichtung mit 3 Recken wird mit dazu helfen, den Turnbetrieb noch mehr als bisher aus der leider sehr der Verstaubung ausgesetzten Turnhalle ins Freie zu verlegen und dadurch wirklich gesundheitsfördernd zu gestalten.

b. Unter den neuangeschafften Lehrmitteln erwähnen wir vor allem einen ausge- zeichneten Elektrola-Apparat, der bei dem fremdsprachlichen und dem Musikunterricht wert- volle Hilfe leistet. Der Schüler Zimmerschied UIb schenkte der Schule eine von ihm selbstgefertigte Sonnenuhr.

c. Die von der Stadtverwaltung für alle Schüler durchgeführte Unfallversicherung hat sich auch in diesem Jahre bei mehrfachen Unfällen, die zum Glück fast alle leichter Natur waren, wieder sehr segensreich erwiesen. Doch muß zur Vermeidung von Ent- täuschungen immer wieder darauf hingewiesen werden, daß die Eltern alsbald nach einem Unfall, der ihr Kind als Schüler betroffen hat, von der Schule einen Fragebogen der Versicherungsgesellschaft anfordern sollen, den sie nach genauer Ausfüllung wieder der Schule einzureichen haben, die dann das Weitere veranlaßt.

Die Mittelschule zu Idstein(Nassauische Realschule) steht mit der Oberrealschule derartig in Verbindung, daß der Direktor der Oberrealschule diejenigen Schüler der Idsteiner Anstalt, die auf die Untersekunda einer höheren Lehranstalt übergehen wollen, am Schlusse des Schuljahres im Auftrag des Provinzial-Schulkollegiums einer Prüfung unterzieht; wer diese Prüfung besteht, hat das Recht zum Eintritt in die Untersekunda jeder entsprechenden höheren Lehranstalt. In diesem Jahre haben 3 Schüler und Schülerinnen die Prüfung bestanden.

VII. Chronik der Anstalt.

Auch dieses Schuljahr, das am 18. April 1928 mit einer Versammlung aller Lehrer und Schüler im Saal eröffnet wurde, verlief im großen und ganzen recht ruhig und ungestört, abgesehen von der sehr unerfreulichen Grippe- und Kältezeit im Februar.

In ihrem ganzen Aufbau bietet unsere Schule zurzeit ein eindrucksvolles Spiegelbild der eigenartigen Verhältnisse unseres ganzen Volkes, zunächst in der Stärke der verschiede- nen Altersschichten: auf einfache Unter- und Mittelklassen bauen sich sehr stark besetzte Doppelklassen in Sekunda und Prima auf; und wenn in diesem Jahre unseren 20 Sextanern nicht weniger als 54 Oberprimaner gegenüberstanden, so scheint der natürliche Gang der Dinge geradezu auf den Kopf gestellt. Aber der Geburtenausfall der Kriegsjahre ist nicht die einzige Ursache dieses auffallenden Mißverhältnisses; als viel ernsterer Anlaß kommt hinzu das immer stärker werdende Drängen der Schüler in die Oberklassen, nach dem Reife- zeugnis. Soweit dies einem gesunden Bildungsdrang entspricht, mag es berechtigt und erfreulich sein; wenn aber einzig und allein die Berechtigungsjagd den Ausschlag dafür gibt, daß auch weniger oder gar nicht dafür Veranlagte nach dem Reifezeugnis streben, so kann und muß daraus schließlich eine ernste Gefahr und ein schwerer Schaden werden. Noch vor anderthalb Jahrzehnten verließen von rund 60 Untersekundanern alljährlich mindestens 35 die Schule mit der Reife für Obersekunda, um ins Leben einzutreten; vor 2 Jahren waren es 13, letztes Jahr 11, dieses Jahr sind es nur noch 9! Leider wird, solange die wirt- schaftliche Not andauert, an eine Anderung dieses in mehrfacher Hinsicht bedenklichen Zustandes nicht zu denken sein.