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Vom 6.—8. Februar weilte der Geh. Rat Herr Provinzial-Schulrat Dr. Lah meyer hier und prüfte in den unteren und mittleren Klassen den Stand des neusprachlichen Unterrichts, wie er sich auf Grund der neuen Methode entwickelt hatte. In einer unter seinem Vorsitze ab- gehaltenen Konferenz der neusprachlichen Lehrer teilte er die Resultate der von ihm gemachten Wahrnehmungen mit und gab dadurch Anregung zu einer längeren für die Anstalt sehr gewinn- reichen Diskussion.
Am 16. März morgens 10 Uhr starb im 48. Lebensjahre der Prorektor Professor Dr. Uth, der 11 Jahre hindurch an der Anstalt auf das erfolgreichste gewirkt hatte. Die Anstalt be- klagt bei seinem Tode einen harten Verlust. Ausgezeichnet durch hervorragende Begabung, durch reiches Wissen und treues, offenes, biederes Wesen, war er eine wahre Zierde des Real- gymnasiums. Sein Andenken wird allen, die ihn kannten, unvergeſslich bleiben.
Am 22. März wurde die Erinnerung an den Geburtstag des dahingeschiedenen Kaisers Wilhelm in entsprechender Weise in der Aula der Anstalt gefeiert. Die Rede hielt der wissen- schaftliche Hülfslehrer Zobel.
Während des abgelaufenen Schuljahres hielten die wissenschaftlichen Hülfslehrer Haines, Stern, Otto und Nau qurch Erteilung mehrerer Unterrichtsstunden den Zusammenhang mit der Anstalt fest. Stern wurde am 10. Februar zur Versehung einer Lehrerstelle an dem Real- progymnasium zu Höchst abberufen.
Auch der wissenschaftliche Hülfslehrer Maurer widmete nach Ablauf seines Auftrags noch seine Dienste der Anstalt.
Durch reiche Geldspenden haben die Eltern mehrerer Abiturienten von Ostern 1890 und diese selbst die Möglichkeit einer Stiftung für bedürftige talentvolle Schüler gegeben. Diese Stiftung wird den Namen„Abiturientenstiftung(von Ostern 1890)“ erhalten und zunächst durch den Direktor und zwei hinzugezogene Lehrer verwaltet werden.
Wie schon aus dem bis hierher Erwähnten hervorgeht, war der Gesundheitszustand der Lehrer während des ganzen Schuljahres ein höchst ungünstiger. Mit ganz wenigen Ausnahmen waren sämtliche Lehrer längere oder kürzere Zeit verhindert, ihrem Amte obzuliegen.
Der Gesundheitszustand der Schüler war im Hinblick auf die herrschende Influenza ein verhältnismälsig nicht ungünstiger; ein ernstlicher Gedanke, die Schule, wie es an benachbarten Orten geschah, zeitweise ganz zu schlieſsen, lag durchaus fern.
Mit dem Schlusse des Semesters erleidet die Anstalt mehrere empfindliche Verluste, indem der Oberlehrer Range an das Gymnasium zu Fulda, der ordentliche Lehrer Walter als Director an die Realschule zu Bockenheim, und der wissenschaftliche Hülfslehrer Wiegand an das Gymnasium zu Hanau übergehen wird. Wir begleiten die Scheidenden mit unseren besten Segenswünschen.


