— 11—
III. Jahresbericht.
Das Schuljahr begann am 4. April 1910 und endet am 5. April 1911. Die Dauer der Ferien war folgende: Pfingsten: Freitag, den 13. Mai bis Dienstag den 24. Mai; Sommer: Freitag, den 15. Juli bis Dienstag, den 16. August; Herbst: Sonnabend, den 1. Oktober bis Donnerstag, den 13. Oktober, Weihnachten: Freitag, den 23. Dezember bis Donnerstag, den 5. Januar. Der Hitze wegen wurde im Juni siebenmal der Unterricht von 12 Uhr ab oder wenigstens am Nachmittag aus- gesetzt; der wegen seiner langandauernden, milden Kälte sehr angenehme Winter gab reichlich Gelegenheit den jahreszeitgemäſsen Sport zu pflegen, wofür einigemale der Nachmittagsunterricht, oft die nach- mittäglichen Turnstunden freigegeben wurden.
Im Lehrerkollegium ist keine Anderung eingetreten; doch war sein Gesundheitszustand un- gewöhnlich schlecht, sodafs die Notwendigkeit längerer und kürzerer Vertretungen gar nicht aufhören wollte. Möchte doch in dieser Hinsicht über dem Jahre 1911 ein günstigerer Stern leuchten! Auch von Seiten der Schüler waren Schulversäumnisse infolge einer im Winter herrschenden Influenzaepidemie nicht gering. Leider verloren wir einen sehr lieben Schüler durch den Tod. Der Obertertianer Oskar Thomae, der Sohn unseres Kollegen, des Herrn Professors Dr. Thomae, erkrankte im September am Typhus und erlag am 29. September seinem tückischen Leiden; am 1. Oktober ge- leiteten ihn Lehrer und Kameraden in tiefster Anteilnahme an dem Schmerze der Angehörigen zur letzten Ruhe, und in der Eröffnungsandacht des Winterhalbjahrs am 14. Oktober gab der Bericht- erstatter unserer innigen Trauer an dem allzufrühen Tode dieses liebenswürdigen, durch und durch gediegenen und hoffnungsvollen Schülers warmen Ausdruck. Möge Gott der Herr die verehrten, so schwer getroffenen Eltern trösten! Ebrenhalber erwähne ich auch noch den Tod des früheren Stadt- rabbiners Herrn Dr. Silberstein am 13. Oktober in dankbarer Erinnerung daran, dals er jahrzentelang den jüdischen Schülern der Anstalt mit treuer und erfolgreicher Hingabe Religionsunterricht erteilt hat, bis ihn im Herbst 1908 sein hohes Alter zwang in den Ruhestand überzugehen. Während des Winters hielt der der Anstalt überwiesene französische Lehramtsassistent Herr Fain aus Paris mit den Schülern der oberen Klassen französische Sprechübungen ab; eine Förderung nach derselben Richtung hin bedeutete der französische Vortrag des Herrn Armand Faure in der Aula unserer Anstalt, ferner die Aufführungen der französischen Theatertruppe Roubaud und der von Herrn Oberlehrer Dr. Hollack ins Leben gerufene Zyklus neusprachlicher Vorträge in der Aula der städtischen Oberrealschule, Veranstaltungen, an denen sich unsere Schüler zahlreich und eifrig beteiligten.
Nicht arm war das Schuljahr an Feiern und an Ausflügen belehrender und naturgenieſsender Art. In erster Hinsicht sind zu erwähnen die am 15. Juli gehaltene Feier des 100. Todestags der Königin Luise, bei der Herr Professor Hochhuth die Festrede hielt und eine Reihe von Schülern (Grünhut UIa, Schaefer UIIb, Herminghaus OIIIa, Jacoby O IIIb, Wittgen U IIIa, Krafft UIIIb, Treibmann VIb, von Kalckreuth VIa) Briefe der Königin und Gedichte über sie vortrug, die Feier des dreifsigjährigen Bestehens des Schülerturnvereins vom 13. bis 15. Oktober, über die Abschnitt VII nähere Mitteilungen bringt, die von Herrn Gesanglehrer Barsch geleitete Weihnachtsfeier, deren Kern diesmal aus einem Festspiel in Liedern und Erzählungen von F. Nagler
bestand,— die gesangliche Solopartie hatte freundlich Frau Direktor Dr. Schmidt, die Aufgabe des Erzählers der Oberprimaner Seibert übernommen; die Chöre wurden von der Klasse VI und V gesungen— schliefslich die Kaisersgeburtstagsfeier, deren Vorbereitung in den Händen von Herrn
Professor Dr. Koch lag. Derselbe hielt auch in der Vorfeier für die unteren Klassen tagszuvor die Ansprache, während die Festrede des Herrn Oberlehrers Dr. Bickel am 27. Januar 1911 das Thema: Entwicklung der deutschen Stadt⸗ behandelte. An die Vorträge einer Reihe von Gedichten geschichtlichen Inhalts, die die Festrede stimmungsvoll ergänzten,(durch die Schüler Hagen Ula, Metten IVb, Wittich VIa, Krafft U IIIb, Mosheim OTa, Jacoby OIII b) schlofs sich noch die dramatisch-deklamatorische Vorführung verschiedener Scenen aus den Quitzows von Wildenbruch an, deren Rollen die Unterprimaner Vietor, Zobel. Faber, Schneider durchführten. Zu den belehrenden Veranstaltungen gehörten der Besuch des hiesigen Kgl. Archivs durch die O Ta, der durch einen interessanten Vortrag und die freundliche Führung des Archivdirektors Herrn Geheimrats Dr. Wagner ganz


