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Dr. Thomae in sehr fesselnder Weise über die Ubergabeverhandlungen am 1. u. 2. September 1870. und aulser ciner Reihe von Schülern, die Gedichte vortrugen, erwarb sich der Musikverein durch Vortrag von Orchester- und Solostücken Verdienste um das schöne Gelingen der Feier. Die aus- gefallenen Spaziergänge wurden im Laufe der nächsten Monate meist nachgeholt.
Während der Herbstferien feierte der Gymnasial-Stenographen-Verein sein 20 jähriges Stiftungs- fest(das Nähere s. Abschnitt VII).
Am 14. November führte die Theatertruppe Rouband die beiden Stücke: Le malade imaginaire und Mademoiselle de la Seiglière auf; beide Vorstellungen, ebenso wie der etwas später gehaltene Vortrag des Lektors Louvrier wurden von zahlreichen Schülern besucht. Am 19. November wurde die Hundertjahrfeier der preufsischen Städteordnung durch entsprechende Würdigung des Werkes in den oberen und mittleren Klassen mitbegangen. Die Weihnachtsfeier am Nachmittage des 22. Dezember in der Aula war von Festteilnehmern überfüllt, obwohl wegen Raummangels nur ein Teil der Schüler und ihrer Angehörigen eingeladen werden konnte, und hinterliels wegen ihres reichen auf die Weihnachtszeit bezüglichen künstlerischen Gehaltes, der zu einem guten Teile von dem Musikverein der Schüler geboten wurde, einen erhebenden und stimmungsvollen Eindruck. Die Kaisergeburtstagsfeier zerlegte sich wiederum in 2 Festakte. Iun dem ersten am 26. Januar von den Klassen VI— UIII hielt Herr Dr. Bickel die Ansprache, in dem zweiten am Geburtstage selbst handelte die Festrede des Herrn Oberlehrers Fuchs über das deutsche Volkslied. Dementsprechend führten die folgenden Vorträge der Schüler in Gesang und Deklamation eine Reihe von Volksliedern vor, und wirkungsvoll abgeschlossen wurde die Feier mit der dramatischen Vorführung einiger der Hauptscenen aus der Hermannsschlacht von H. von Kleist durch folgende Schüler: Eitner, Hörle 0O I, Burandt, Korn, Plessner UI, Becker V, Stein VI. Am 10. März 1909 hielt der Schülerturnverein in der Turnhalle an der Platterstralse ein Schauturnen vor zahlreichem Publikum ab und legte dabei in einem mannigfaltigen, gut durchgeführten Programme Zeugnis von seinem erfolgreichen Streben ab. Herzlichen Dank schuldet die Anstalt 2 hiesigen Arzten, die ihr reiches Wissen und Können selbstlos für die Mitlösung der Aufgabe zur Verfügung gestellt haben, die Schüler der oheren Klassen für das Leben zu rüsten mit der Kraft der Selbstbewahrung und der Fähigkeit zur Nächstenhilfe. Herr Dr. Schreher, ein früherer Schüler der Anstalt, führte mit 34 Unterprimanern einen zwölfstündigen Samariterkursus durch, dessen tüchtige Ergebnisse in der am 11. Februar abgehaltenen Schluſsprüfung von den anwesenden Ierren Generaloberarzt Dr. Baehren, Oberstleutnant von Detten und Polizei-Präsident von Schenck warm anerkannt wurden; und Herr Professor Dr. Touton hielt wie im vorigen Jahre vor den Abiturienten einen eindruckstiefen Vortrag über die sexuelle Verantwortlichkeit des Menschen.
Eine stille, aber inhaltsvolle Jubiläumsfeier beging das Lehrerkollegium am Abschluſs des Sommerhalbjahres; denn mit diesem Zeitpunkte waren es 40 Jahre, seitdem Herr Professor Bücheler sein Lehramt angetreten hatte, während bei Herrn Professor Range die gleiche Tatsache schon einige Monate früher eingetreten war, und 30 Jahre, seitdem Herr Professor Bücheler und Herr Professor Dr. Lohr dem hiesigen Kgl. Gymnasium als Oberlehrer angehören, während Herr Prof. Dr. Wedewer zwar erst später definitiv angestellt ist, aber nicht minder lange vollbeschäftigter kathol. Religionslehrer an der Anstalt gewesen ist. Was es heilst, in dem anstrengenden, an äufseren Ehren armen Lehrerberufe solche Jubiläen zu feiern, und was insbesondere die genannten Männer während dieses langen Zeitraumes durch Geisteskraft, pädagogische Tüchtigkeit, Warmherzigkeit und Pflichttreue für die deutsche Jugend und den Kreis ihrer Kollegen bedeutet haben, das gelangte bei dieser Gelegenheit zu warmem Ausdrucke. Zugleich richtete der Berichterstatter innige Abschieds- worte an den einen dieser Jubilare, Herrn Professor Range, der zunächst einen halbjährigen Urlaub antrat, um dann zu Ostern in den Ruhestand überzutreten. Möge der verehrte Mann, stets in enger freundschaftlicher Fühlung mit der Anstalt und seinen bisherigen Kollegen, noch eines langen, rüstigen und schönen Lebensabends sich erfreuen dürfen.*)
*) UÜber seinen Lebenslauf folgende Notizen: Otto Range, geb. den 23. Januar 1844 zu Alterode bei Eschwege, erwarb 1864 am Kgl. Gymnasium in Cassel das Reifezeugnis, bestand 1867 in Marburg die Staats- prüfung, war als Oberlehrer tätig am Kgl. Gymnasium in Cassel, am Kgl. Realgymnasium in Wiesbaden, am Kgl. Gymnasium in Fulda und seit 1897 an der hiesigen Anstalt.


