III. Jahresbericht.
Das Schuljahr begann am 1. Mai 1905 mit der Aufnahmeprüfung und endet am 7. April 1906. Die Ferien dauerten: Pfingsten vom 10. bis 20. Juni:; im Sommer vom 15. Juli bis 15. August; Michaelis vom 30. September bis 13. Oktober und Weihnachten vom 23. Dezember 1905 bis 9. Januar 1906. Der Nachmittagsunterricht, bezw. die letzten Vormittagsstunden wurden wegen grofser Hitze sechzehnmal ausgesetzt, einigemale fiel der Nachmittagsunterricht zu gunsten des Eis- laufs aus.
In das pädagogische Seminar traten ein die Herren: Dr. Arndt, Dr. Basse, Busch. Dr. Conradi, Dr. Dettmering, Fischer, Kühn, Neumann und vom 1. Dezember 1905 ab Schieck, bis dahin Mitglied des pädagogischen Seminars in Frankfurt a. M. Von ihnen wurden im Laufe des Jahres zu längerer Vertretung erkrankter oder versetzter Lehrer teils am Gymnasium, teils an den übrigen höheren Lehranstalten der Stadt, teils auch auswärts herangezogen: Dr. Arndt, Dr. Conradi, Dr. Dettmering, Fischer, Neumann, Schieck. Zu Lehrern am Seminar wurden berufen die Herren Mosheim, Dr. Schäfer und Schmelz.
Die Revision des Seminars durch den Direktor des Königl. Provinzial-Schulkollegiums, Herrn Oberregierungsrat Dr. Paehler, fand am 8. Februar statt.
Der Gesundheitszustand der Lehrer war nicht ungetrübt. Neben mannigfachen, rascher vor- übergehenden Erkrankungen erlitten einige Lehrer erhebliche gesundheitliche Störungen, die sie zu längerer Unterbrechung ihrer Berufsarbeit zwangen. Die gesundheitlichen Verhältnisse unter den Schülern waren im ganzen befriedigend.
In seiner Zusammensetzung erfuhr das Lehrerkollegium bedeutsame Veränderungen.
Herr Direktor Dr. Fischer sah sich seiner angegriffenen Gesundheit wegen genbtigt, seinen Abschied am 1. Oktober zu nehmen, bei dem ihm S. M. der Kaiser und König durch Verleihung des Titels eines Geheimen Regierungsrates seine Anerkennung für seine treuen und erfolgreichen Dienste ausdrückte. Eine vierzigjährige, reiche und vielseitige Amts- und Berufstätigkeit ist damit, abgeschlossen. Seit dem 1. Oktober 1865 an 8 verschiedenen Anstalten als Oberlehrer, Konrektor, Rektor und Direktor angestellt, wurde Herr Direktor Fischer am 1. April 1891 nach Wiesbaden zur Leitung des Kgl. Realgymnasiums berufen, von wo er am 1. Oktober 1894 als Direktor an das gegenüberliegende Gymnasiuam übersiedelte. So hat er noch 11 Jahre lang, gestützt auf seine groſsen Erfahrungen, die Anstalt mit Kraft und Weisheit geleitet. Neben seiner Wirksamkeit als Lehrer und Beamter hat er stets eine umfassende geistige Tätigkeit gepflegt. Davon zeugt eine lange Reihe wissenschaftlicher Veröffentlichungen, unter denen sein Lebensbild des Dichters Mörike rühmlich bekannt ist. Die Dankbarkeit seiner Schüler, die Hochschätzung und Verehrung des Lehrerkollegiums, dem er vorgestanden hat, und die allseitigen herzlichsten Wünsche für seinen Lebensabend folgen dem geistvollen und charakterfesten Manne und seiner Familie in den Ruhestand. Möge das Band geistiger Zusammengehörigkeit zwischen ihm und der Anstalt nicht zerreiſsen! An seine Stelle wurde zum Leiter der Anstalt Dr. A. Schmidt berufen, der früher als Oberlehrer am Kloster=-Unser Lieben Frauen« in Magdeburg tätig war und seit Mai 1897 als Direktor das Kgl. Gymnasium in Schleusingen geleitet hat. Der Direktor des Kgl. Provinzial-Schulkollegiums in Cassel, Herr Oberregierungsrat Dr. Paehler, führte ihn am 13. Oktober 1905 in sein neues Amt ein.
Einer ehrenvollen Berufung zum schultechnischen Mitarbeiter am Kgl. Provinzial-Schulkollegium in Cassel folgte Herr Oberlehrer Dr. Heil am 1. Dezember 1905. Sein Scheiden bedeutet einen schweren Verlust für die Anstalt, der er seit dem 1. April 1890 als Lehrer, seit dem 1. Juli 1899 zugleich als Direktionsgehülfe mit unermüdlicher Pflichttreue, mit grolsem Geschick und schönem


