Jahrgang 
1898
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3. Übersicht über die während des Schuljahres 1897/98 durchgenommenen Lehrpensa.

Oberprima.

Ordinarien: Cötus A: Professor Dr. Lohr. Cötus B: Professor Fritze.

1. Religionslehre: a) Ewangelische. 2 St. C. A.

u. B: Glaubens- und Sittenlehre im Anschluſs an die Augustana. Römerbrief. Wieder- holungen. C. A: Spiess.

C. B: Hochhuth.

.b) Katholische. 2 St.(zusammen mit I, 2): Übersicht über die Glaubenslehre. Erster Teil der Glaubeuslehre ausfübrlicher, nach Wedewers Grundrifs. Das Wichtigste aus der Sittenlehre. Wiederholungen. Wedewer.

2. Deutsche Sprache: C. A und B je 3 St. C. A:

Litteraturkunde: Goethe und Schiller nebst deren berühmtesten Zeitgenossen, sowie bedeutendere neuere Dichter. Lektüre: Lessings Hambur- gische Dramaturgie mit Auswahl, im Anschluſs daran das Wichtigste aus der Aristotelischen Poetik und aus Freytags Technik des Dramas; die schwereren philosophischen Gedichte Schillers und Goethes, Schillers Don Karlos, Shakespeares Richard III, Goethes Torquato Tasso; Aus meinem Leben und Faust mit Auswahl; Freytags Fabier; Wiederholung der auf Unterprima gelernten Gedichte; neu memoriert wurden einzelne Stellen aus dem Lesestoff; Vorträge über Leben und Werke der Dichter nach eigener Ausarbeitung. Aufsätze; mündliche und schriftliche Dis- positionsübungen. Die Arten der Dichtung.

Themata der Aufsätze:

. Warum macht wahre Bildung bescheiden?

. Das Thörichte des Geizes nach der I. Satire des Horaz.(Klassenaufsatz)..

. Wie beweist Plato in seinem Phädo die Un- sterblichkeit der Scele?

4. Wie bereitet uns Goethes Tasso im ersten

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Akte auf den tragischen Konflikt vor? . a) Wodurch gelangten die Römer zur Welt- herrschaft? b) Woran ging der römische Staat zu Grunde? (Klassenaufsatz).

6. Der Wert der Freundschaft, nachgewiesen an Schillers Lebenslauf..

7. Der Einfluss der Seemacht auf die Geschichte der alten Griechen und Römer.

8. In welcher Beziehung stehen die Kriege von 1864, 1866 und 1870/71 zu der deutschen Einheit?(Prüfungsaufsatz).

Spiess.

C. B: Litteraturkunde: Lebensbilder Goethes

und Schillers und ihrer berühmtesten Zeitgenossen, sovie bedeutenderer neuerer Dichter. Lektüre:

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Lessings Hamburgische Dramaturgie mit Auswahl; im Anschluss daran das Wichtigste aus der Poe- tik des Aristoles; die schwereren philosophischen Gedichte Schillers und Goethes. Gelesen und er- läutert wurden Shakespeares Julius Caesar; Goethes Egmont und Torquato Tasso. Wieder- holung der auf Unterprima gelernten Gedichte; neu memoriert wurden einzelne Stellen aus dem Lesestoff. Vorträge über Leben und Werke deutscher Dichter nach eigener Ausarbeitung. Aufsätze. Mündliche und schriftliche Dis- positionsübungen.

Themata der Aufsätze:

1. Das Dämonische in Goethes Egmont.

2. Nichts ist gross, was nicht wahr ist. ein Grundgedanke Lessings in seiner Kritik der Rodogyne.(Klassenaufsatz).

3. Wer ist in Shakespeares Julius Caesar der Held des Dramas?

4. Was will Lessings Ausspruch sagen:Bohre das Brett, wo es am dünnsten ist?

5. Die Veranlassung und Entwicklung des Wort- streits zwischen Tasso und Antonio.(Klassen- aufsatz).

6. Vom Metaurus nach Aktium, von Fehrbellin nach Sedan, eine historische Parallele im engen Anschluss an Horaz, Od. IV, 4.

7. In wiefern erweist sich Thukydides in der Darstellung der sizilischen Expedition als ein Meister dramatischer Erzählung?

8.Was man ist, das pleibt man andern schuldig. Ist dieser Satz richtig?(Prüfungs- aufsatz). Fritze.

3 Lateinisch: 7 Stunden. Lektüre 5 Stunden:

a) poetische: C. A: Horaz' Oden III und IV. Ausgewählte Satiren und Episteln. Auswendig gelernt wurden: Oden III, 1, 13, 30; IV, 3 und Sinnsprüche. C. B: Horaz' Oden III und IV; Ausgewählte Episteln und Satiren. Mehrere Oden wurden memoriert.

b) prosaische: C. A: Ciceros Philippische Reden(I und VII). Extemporieren aus Livius ed. Weilsenborn Bd. IV. Tacitus' Annalen I und II mit Auswahl.

C. B: Tacitus' Annalen I. Cic. in Verrem II (de praetura Siciliensi); Extemporieren aus Livius B. XXVII und XXVIII.

c) Grammatik: 2 St. Alle 14 Tage eine Arbeit. Mündliche Ubungen und Wiederholungen; alle sechs Wochen eine Ubersetzung aus dem La- teinischen ins Deutsche; in jedem Tertial eine kurze deutsche Ausarbeitung(Vergl. Lehrpläne). Das Notwendigste aus Stilistik und Synonymik.

C. A: Lohr. C. B: Fritze.