ſchaftsſchule, aber auch der landw. Winterſchule, die 45 Jahre mit uns Freud und Leid teilte.
Ich begrüße aber auch ehemalige Lehrer und Angehörige von ihnen. Schüler und Lehrer eine Feſtgemeinſchaft! Iſt das nicht ſeltſam? Sind ſie nicht eigentlich Gegner? Denken Sie ſich in die Schularbeit hinein. Zwei Lager ſtehen ſich gegenüber. Im einen Lager die Lehrer, die ihre Angriffswaffen gegen die Schüler wenden, um in ihnen die böſen Anlagen zu unterdrücken, die guten zu entfalten. Das geht nicht ohne Druck, und das Ergebnis iſt nicht im— mer ſo, wie ſie es gewünſcht haben. Daher oft Mißmut, Klagen. So war es vor Jahrzehnten, Jahrhunderten und wird auch ſo bleiben. Im an⸗ deren Lager die„Maſſe“, die Jugend. Sie wehrt ſich inſtinktiv gegen die Einwirkungen der Lehrer, ſetzt ihnen Widerſtand entgegen. Sie ſieht im Lehrer leicht den Gegner, macht auch ge— nug ihrem Unmut Luft. Das iſt menſchlich begreif⸗ lich. So entſteht im Schulleben nicht ſelten zwi— ſchen beiden Lagern eine Kampfſtimmung. Und nun hinterher der Umſchwung in der Stimmung, wenn Schüler und Lehrer ſich nach der Schulzeit wiederſehen. Der Kampfſtimmung folgt ein froher Optimismus. Wie kommt das? Jeder ernſte Lehrer ſetzt ſich Ziele und ſtrebt nach Idealen. Das muß ſo ſein. Ideale ſind wie eine fata morgana. Je näher man ihnen zu kommen glaubt, um ſo mehr weichen ſie aus. Aber wenn der Lehrer ſpäter ſeine Schüler betrach— tet, dann merkt er, daß doch ein gut Teil der Saat aufgegangen iſt, und dieſe Erkenntnis ſöhnt ihn aus und ſtimmt ihn wieder froh und gibt ihm neue Kraft. Und die Schüler? Sie erkennen hin⸗ terher, daß die oft läſtig empfundene Weiſe der Lehrer nötig war, daß auch ſcheinbar harte und ſtrenge Lehrer ja nur das beſte gewollt haben, daß ſie der Arbeit der Schule, ſo unbequem ſie manchmal war, doch viel verdanken. So tritt zwi⸗ ſchen den beiden Lagern erſt Waffenſtillſtand ein, und je weiter der Abſtand von der Schulzeit wird, umſomehr entwickelt ſich volles Verſtehen und Freundſchaft. Dieſes Band der Freundſchaft hat ſich auch um uns geſchlungen. Der heutige Abend beweiſt das. Möge das enge Verhältnis zwiſchen Schule und ehemaligen Schülern niemals notlei— den. Niemals mögen unſere Schüler daran zwei⸗ feln, daß alle Arbeit der Lehrer ihnen geweiht iſt, und daß die Lehrer an der Entwicklung eines jeden Schülers Anteil nehmen. Den höchſten Lohn für ihre Mühe ſehen ſie darin, daß ihre Schüler ſich zu tüchtigen Mitgliedern der menſchlichen Ge⸗ ſellſchaft entwickeln. Es lebe der Freund⸗ ſchaftsbund zwiſchen Schule und Ehe⸗ maligen! Es iſt uns eine beſondere Freude, heute unter den Ehemaligen Jubilare zu begrüßen, die den erſten Winter vor 50 Jahren mitgemacht
haben. Es ſind von der Landwirtſchafts⸗
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ſchule: Die Herren Georg Haibach, Bo⸗
chum; Auguſt Helbig, Weilburg und Wil—⸗
liam Herz, Weilburg. Von der Winter⸗ ſchule. Die Herren Aug. Lehr, Merenberg,
P. H. Schmidt, Schupbach; Hch. Köhler,
Möttau; Cloos, Wetzlar und C. Bock, Ahau⸗
ſen.
Wir möchten dieſe Jubilare heute äußerlich kenntlich machen, und ich bitte Sie, ein kleines Er— innerungszeichen anlegen zu wollen. Mögen un— ſere Jubilare ſich noch lange beſter Geſundheit er— freuen. Hoch die Ehemaligen!“
Direktor Weil begrüßt mit kernigen Worten beſonders die ehemaligen Winterſchüler, Studien⸗ rat Dr. Heyl die Mitglieder des pädagogiſchen Seminars. Er weiſt darauf hin, daß dieſes das äl— teſte ſeiner Art in Preußen iſt und daß an ihm 340 Lehrer für ihren ſchweren Beruf vorgebildet worden ſind.
Bürgermeiſter Karthaus heißt die Feſtgäſte namens der Stadt willkommen, beſonders den an⸗ weſenden Präſidenten des Reichslandbundes, Herrn Reichstagsabgeordneten Hepp-Seelbach, und ver⸗ ſpricht der Landwirtſchaftsſchule Unterſtützung durch die Stadt.
Studienrat Dr. Ottmann dankt als Vor⸗ ſitzender der Vereinigung ehemaliger Landwirt⸗ ſchaftsſchüler Herrn Studienrat Dr. Helmkampf für ſeine Begrüßungsworte und bringt ein Hoch aus auf die Schule und ihren Leiter.
Reichstagsabgeordneter Hepp ergreift als Vertreter des Reichs-Landbundes das Wort. Er wünſcht, daß die guten Beziehungen zwiſchen den bei— den Schulen und der Bauernſchaft auch in Zukunft beſtehen bleiben. Die Schulen möchten, wie bisher, bemüht ſein, pflichtgetreue Staatsbürger, tüchtige Landwirte und Männer mit Führereigenſchaften heranzubilden. Der Redner endet mit einem Hoch auf die deutſche Landwirtſchaft, in das die Anweſen⸗ den freudig einſtimmen.
Prof. Steffler, an Jahren alt, doch geiſtig jung, beleuchtet in einem launigen Gedicht den Wer⸗ degang und die Tätigkeit der Schule:
Fünfzig Jahre ſind vergangen,
Seit die Schule angefangen.
Fünfzig Jahr! Eine lange Zeit,
Nicht immer frei von Traurigkeit.
Vor allem waren's die 12 letzten,
Die uns am wenigſten ergötzten.
Krieg und Not und der Feinde Hohn,
Verſailles, Ruhrkampf und Inflation
Alles mußten wir mit ertragen,
Da half kein Murren, half kein Klagen.
Doch wir wollen das Pferd nicht beim Schwanze
laufzäumen,
Erſt längſt vergangener Zeiten träumen.
Wir gehen aus von dem Gründungsjahr
Und denken, was Heinrich Matzat uns war.
In praenervöſer Zeit geboren


