8. Geſchichte der Anſtalt.
Das Schuljahr begann am 29. April 1924. Kuratorium.
Am 28. April verſchied nach kurzem, ſchwerem Leiden auf der Höhe des Lebens der Vorſitzende unſeres Kuratoriums und nächſte Vorgeſetzte des Lehrkörpers, Herr Regierungspräſident Dr. Hae⸗ niſch. Der Direktor übermittelte der Regierung wie der Familie des ſo früh Dahingerafften das Beileid der Schule. Bei der Beiſetzungsfeier wurde die Schule durch Herrn Bürgermeiſter Karthaus vertreten.
An Stelle des aus Geſundheitsrückſichten aus⸗ geſchiedenen Mitgliedes Prof. Dr. Gotthardt wähl⸗ ten die Stadtverordneten den Berufsſchulleiter Knapp⸗Weilburg.
Bei den Reifeprüfungen waren als Vertreter des Kuratoriums die Herren Tenter⸗Kaſſel bezw. Brauereibeſitzer Helbig⸗Weilburg oder Bürgermei⸗ ſter Karthaus⸗Weilburg tätig.
Lehrerkollegium.
Am 24. Mai 1925 verſchied ganz plötzlich und unerwartet infolge eines Hirnſchlages unſer langjähriger Kollege der Oberſchullehrer Karl Petry. Er wurde am 22. Juli 1864 in Ems geboren, wurde von dem Seminar in Dillenburg, wohin er nach Abſolvierung des Realprogymna⸗ ſiums in Ems gekommen war, im Herbſt 1885 entlaſſen, um vom 10. 11. 1885 bis 1. 4. 1886 als Vertreter eines erkrankten Lehrers in Biebrich zu wirken. Schon am 1. Mai 1886 wurde er Lehrer an der Volksſchule in Weilburg, und zwei Jahre ſpäter legte er die zweite Lehrerprüfung ab. Seine ausgeſprochene Vorliebe fürs Turnfach führte ihn im Winter 1890⸗91 an die Turnlehrerbildungs⸗ anſtalt in Berlin, wo er einen zweiten Kurſus be⸗ reits als Hilfslehrer mitmachte. Bis Oktober 1899 blieb er dann Lehrer an der Volksſchule in Weilburg. In demſelben Monat wurde er an die Landwirtſchaftsſchule Weilburg berufen.
Hier waltete er über 25einhalb Jahre treu ſeines Amtes. Die Plötzlichkeit ſeines Todes, auf den niemand vorbereitet geweſen war,
wirkte erſchütternd auf ſeine Kollegen, die Schüler und die weiten Kreiſe der Stadt. Am 27. Mai geleitete ihn die geſamte Schule zur letzten Ruhe⸗ ſtätte. In Vertretung des erkrankten Direktors bot Studienrat Steffler am Grabe die letzten Grüße. Mit Karl Petry verlor die Schule einen amtsfreu⸗ digen tüchtigen Lehrer beſter Art, das Kollegium einen treuen Freund. Sein Andenken bleibt dauernd beſtehen.
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Unſer Turnlehrer Schutzbach erkämpfte ſich am 6. Juli auf dem Gauturnfeſte des Lahn⸗Dill⸗Gaues in Sinn bei Herborn in der Oberſtufe Neunkampf den 3. Rang, ein Zeichen ſeines Könnens.
In der Zeit vom 12. Juni bis 7. Juli nahmen die Studienaſſeſſoren Paul, Dr. Schwing und Michel an einem Lehrgang für Lehrende der deutſchen Einheitskurzſchrift teil, der vom Zentralinſtitut für Erziehung und Unterricht in Weilburg abgehal⸗ ten wurde. Sie erhielten die amtliche Beſcheini⸗ gung, daß ſie mit Erfolg gearbeitet hätten.
Nach den Pfingſtferien wurde Lehrer Karl Singhof aus Weilburg vertretungsweiſe als Hilfs⸗ lehrer eingeſtellt, um den Unterricht des verſtor⸗ benen Oberſchullehrers Petry weiterzuführen.
Pädagogiſches Seminar. Siehe Bericht auf Seite 18.
Schulbetrieb und Schüler.
Mit Beginn des Schuljahres traten 41 Schüler neu ein, davon 26 in V, 2 in IV, 7 in III, 1 in II, 5 in I. Der Schülerbeſtand war 189; er wechſelte im Laufe des Jahres durch Zu⸗ und Abgänge. Gegen Ende verſtärkte ſich die wirt⸗ ſchaftliche Not in einigen Familien, ſodaß an ſich recht taugliche Schüler den Weiterbeſuch der Schule aufgeben mußten. Leider iſt mit ſolchen Notver⸗ hältniſſen auch weiterhin zu rechnen.
Der laufende Unterricht begann am 22. April, morgens 7.20 Uhr, nach einer gemeinſamen Eröff⸗ nungsfeier, in der der Direktor den neu eingetre⸗ tenen Lehrer Schutzbach ſowie 31 Seminarmitglie⸗ der einführte.
Die Arbeit der Schule verlief im abgelaufenen Jahr im großen Ganzen ohne Störung. Die ge⸗ ſundheitliche Entwicklung der Schüler war befrie⸗ digend.
Am 12. Mai fand aus Anlaß der Amtseinfüh⸗ rung des neuen Reichspräſidenten, des Feldmar⸗ ſchalls v. Hindenburg, in der Turnhalle der An⸗ ſtalt eine gemeinſame Schulfeier ſtatt mit nach⸗ ſtehendem Verlauf:
1. Schulorcheſter: Ave Maria. Op. 102 L. Böhner.
2. Gedicht: Held Hindenburg L. Thoma. 3. Chorgeſang: Ein Liedlein vom
Hindenburg G. Winter. 4. Schulorcheſter: Hochzeitsmarſch
aus Sommernachtstraum Mendelsſohn. 5. Gedicht: Gelöbnis M. Rogge.


