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1. Die landwirtſchaftliche Winterſchule
iſt eine auf die Volks⸗ bezw. Fortbildungsſchule weiter bauende Fachſchule, beſtehend aus 2 Winterkurſen. Sie hat die Aufgabe, den Söhnen ſolcher Landwirte, welche auf eine tüchtige Berufsbildung bedacht ſind, die Berechtigung zum einjährig⸗freiwilligen Militärdienſt jedoch nicht erſtreben, Gelegenheit zum Erwerb der Kenntniſſe zu geben, welche zu einem rationellen, den Zeitverhältniſſen entſprechenden Betriebe der Landwirtſchaft erforderlich ſind. Das Schul— geld beträgt halbjährlich 50 Mk. und iſt in zwei Raten von je 25 Mk. anfangs November und Januar an die Stadtkaſſe zu zahlen. Bewerbung um Freiſtellen bezw. Nachlaß von Schulgeld ſind an das Landratsamt in Weilburg zu richten.
Der Unterricht findet täglich von 9—1 und von 2—3 Uhr ſtatt, ſodaß Schülern aus der Umgebung von Weilburg Gelegenheit geboten iſt, täglich heimzukehren. Die in Weil— burg bleibenden Schüler finden bei Familien in der Stadt gute Penſionen.
Der Unterrichtsſtoff iſt auf zwei Winterkurſe verteilt, die je am 3. November beginnen und etwa am 20. März ſchließen. Den Beſuchern der landw. Winterſchule iſt dringend zu raten, beide Kurſe zu beſuchen, da ſie nur dadurch eine gründliche Ausbildung erhalten können.
Der Lehrplan iſt folgender:
Winter 1913 14.
Deutſch: Einrichtung, Leiſtungen und An— forderungen der Gemeinde, des Kreiſes, Be— zirksverbandes, Staates und Reiches mit zu— gehörigen Geſchäftsauſſätzen, 4 St.
Rechnen: Landwirtſchaftliche Berechnungen ¹ 8 6 ſ 91 6„ 1 oro nnnndd a Ellgemeinen und beſonderen Anſchluß an Betriebslehre u. Viehzucht, 4 St.
Chemie der Pflanzennährſtoffe, 5 St. Lhenie der tieriſehen Mbentaiſe 1. Jte
Phyſik: Elektrizität, Wetterkunde, 1 St. nils dit gewühlte bſchnitte aus Mecha⸗
Allgemeiner Ackerhan: Saat, Pflege, Ernte Viehzucht: 1. Geſundheitspflege von Rind und Aufbewahrung, Bodenkunde, Bodenbear⸗ und Schaf. Die wichtigſten Krankheiten und beitung, Düngung, 6 St. ihre Bekämpfung, 2 St.— 2. Haltung und
Beſonderer Pflanzenbau: 1. Obſtbau und An⸗ Zucht von Rind, Schaf und Ziege, 2 St.— bau des Getreides, der Hülſenfrüchte, Knollen⸗ 3. Lehre von der Fütterung der Haustiere,
Winter 1914 15.
Deutſch: Landwirtſchaftliche Geſetzeskunde; Einrichtung der Gerichte; Mittel und Wege für den Landwirt, um zu ſeinem Rechte zu gelangen, mit zugehörigen Geſchäftsaufſätzen, 4 St.
Rechnen: Landwirtſchaftl. Berechnungen im
und Wurzelgewächſe, Oelfrüchte 4 St.— 2. Molkereiweſen, 5 St. Wieſenbau und Feldfutterbau, 2 St. Landw. Betriebslehre: Einrichtung und Füh⸗
Viehzucht: 1. Geſundheitspflege von Pferd rung der landw. Betriebe zur Erzielung nach— und Schwein, die wichtigſten Krankheiten und haltiger hoher Reinerträge, 4 St. ihre Bekämpfung, 2 St.— 2. Haltung und Landw. Buchführung: 2 St. Zucht von Pferd und Schwein, 2 St. Feldmeſſen, Nivellieren u. Planzeichnen: 2 St. Genaueres über Einrichtung und Betrieb der Winterſchule findet ſich im„Bericht der handwirtſchaftlichen Winterſchule Weilburg“. Dieſer Bericht wird neben dem Programm der Landwirtſchaftsſchule herausgegeben und iſt auf Wunſch durch Herrn Prof. Dr. Helmkampf erhältlich. Anmeldungen zur Aufnahme in die landw. Winterſchule ſind vor dem 3. November an Herrn Prof. Dr. Helmkampf zu richten, der auf Wunſch auch nähere Auskunft erteilt.
Ueber den Weilburger Winterſchulverein berichtet Prof. Dr. Helmkampf:
Der am 2. Juli 1899 gegründete Verein zählt ca. 95 Mitglieder; er bezweckt den Zuſammen⸗ hang zwiſchen den ehemaligen Schülern der landw. Winterſchule und der Anſtalt zu erhalten und die fachliche Weiterbildung der Mitglieder zu fördern. Der Eintritt in den Verein iſt auch ſonſtigen Freunden des Vereins und der Winterſchule geſtattet. Die Leitung liegt in den Händen eines Vor⸗ ſtandes, zu dem die Herren Bürgermeiſter Hepp⸗Seelbach(Vorſitzender), Aug. Lehr⸗Merenberg, Gutsbeſitzer A. W. Paul-Selters, Landwirt Hermann Deißmann II1.⸗Löhnberg und Prof. Dr. Helmkampf gehören.


