Jahrgang 
1911
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Entsprechend einem Wunsche des Herrn Geheimrats Dr. Paulus muss von einer längeren Würdigung sciner hohen Verdienste um unsere Anstalt hier abgesehen werden.

Herr Geheimrat Dr. Paulus hat mit fester Hand unsere Anstalt geleitet, er war ein wohlwollender Berater der Lehrer und ein gerechter väterlicher Freund seinen Schü- lern, deren Bestes er stets im Auge hatte, und deren Liebe ihm in reichem Masse zuteil geworden ist. Ein in sich gefestigter, religiös gesiunter Mann, ein hervorragender Päda- goge, ein treuer Sohn seines Hessenlandes und ein begcisterter Deutscher, so steht er in unseren Herzen eingegraben. Er hat sich nach Marburg, der Perle des Hessenlandes, zurückgezogen, in die alte Musenstadt, in der er vor langen Jahren in froher Jugendzeit sein Burschenband getragen hat. Möge er im Kreise der Seinen seine Gesundheit völlig wieder erlangen und das wohlverdiente otium cum dignitate noch lange geniessen!

Montag, den 10. Oktober, wurden die angemeldeten Schüler geprüft.

Am 11. Oktober führte Herr Provinzial-Schulrat Kanzow den Unterzcichneten in sein neues Amt als Direktor ein und gedachte dabei in warmer, herzlicher Weise des in den Ruhestand getretenen Geh. Regierungsrats Dr. Paulus.

Die Herren Dr. Ahrens und Dr. Steitz wurden am Anfang des Winterbalb- jahres als wissenschaſtliche Hilfslehrer an das hiesige Gymnasium versetzt.

Herr Dr. Sehmidt wurde dem Gymnasium zur Ableistung secines Probejahres überwiesen.

Die Anspracho am Reformationsfest, Montag, den 31. Oktober, hielt Herr Ober- lehrer Lieberknecht.

Sonntag, den 27. November, gingen die evangelischen Lehrer und Schüler gemein- sam zum heiligen Abendmahl.

Freitag, den 27. Januar, beging das Gymnasium mit Kirchgang und Redeakt in der festlich geschmückten Aula den Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers und Königs. Die Festrede hielt Herr Professor Angersbach über Wilhelm von Humboldt.

Die mündliche Reifeprüfung wurde Montag, den 20. März unter der Leitung des Herrn Provinzial-Schulrats Kanzow und Dienstag, den 21. März durch den Direktor abgehalten.

Der Gesundheitszustand der Lehrer und Schüler befriedigte nur im allgemeinen.

Mit dem Schluss des Schuljahres scheidet aus der Mitte des Lebrerkollegiums der älteste Oberlehrer, Herr Professor Gropius aus. Seit dem Jahre 1875 ist er an unserer Anstalt tätig gewesen. Ein begeisteter Anhänger und genauer Kenner des klassischen Altertums, hat er lange Jahre als Altphilologe an dem hiesigen Gymnasium mit Treue und Erfolg gewirkt. Er war ein unbedingt zuverlässiger, treuer Kollege, als Verwalter der Gymnasialbibliothek cin Mann von äusserster Gewissenhaftigkeit und grösstem Zuvor- kommen. Seinen Schülern trat er bei allem Ernst als ein wohlwollender, milder Lehrer entgegen, der an ihrer Entwicklung, auch im späteren Leben, stets regen Anteil genommen hat. Nur ungern sehen wir ihn aus unserer Mitte scheiden. Wir hoffen aber, da er auch weiterhin hier in den Mauern seiner zweiten Heimat weilen wird, ihn noch oft an den Festen des Gymnasiums in unserer Mitte begrüssen zu können. Möge ihm nach den vielen An- strengungen der Feldziüge 1866 und 1870/71 und der nicht weniger aufreibenden Friedens- arbeit noch ein recht langer, behaglicher Lebensabend beschieden sein.

Das pädagogische Seminar wurde im Sommer von 5 Kandidaten besucht. Herr Kandidat Diehl wurde auf Anweisung der Behörde zum Seminar des Wöhler-Realgym-