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reich erschienenen Publikums das übliche Schülerkonzert abgehalten. Nach demselben fand eine gesellige Zusammenkunft im Saale des„Deutschen Hauses“ statt.
Freitag, den 21. Dezember versammelten sich abends sämtliche Lehrer und christ- lichen Schüler in der von zwei mächtigen Christbäumen festlich erleuchteten Aula zur Weihnachtsfeier. Am folgenden Tage wurde das Quartal mit gemeinsamer Andacht ge- schlossen.
Dienstag, den 8. Januar fing der Unterricht wieder an.
Freitag, den 18. Januar fand zur Erinnerung an das zweihundertjährige Bestehen des Königreichs Preussen eine grössere Feier statt. Nachdem morgens Lehrer und Schüler gemeinsam dem Gottesdienst ihrer Konfession beigewohnt, wurde mittags in der reichge- schmückten Aula ein Festaktus abgehalten, in welchem Oberlehrer Schlitt in längerer, von warmer patriotischer Empfindung getragener Rede über„die Verdienste der preussischen Könige um Preussen und Deutschland“ sprach. Mit Eintritt der Dunkelheit wurden die Gymnasialgebäude illuminiert und am späteren Abend von den Schülern der beiden Primen ein Festball abgehalten, an dem sich neben den Lehrern auch zahlreiche Gäste beteiligten.
Samstag, den 26. Januar wurde in der Aula mit Gebet und Bibellektion des Ge- burtstags Seiner Majestät des Kaisers und Königs gedacht; am folgenden Tage wohnten sämtliche Lehrer und Schüler dem Gottesdienst ihrer Konfession bei.
Vom 2. bis 16. Februar fand die schriftliche Prüfung der diesjährigen Abiturien- ten statt.
Freitag, den 22. Februar hielt Professor Dr. Gundlach in der Aula einen reichen Beifall erntenden Vortrag über„die Verbreitung der Sprachen im heutigen Europa“. Nach demselben vereinigten sich die Lehrer und die Schüler zu einem geselligen Zusammensein im„Deutschen Haus“.
Sonntag, den 8. März führte der Gesangverein„Paulus“ unter der bewährten Lei- tung des Professors Dr. Gundlach und unter Mitwirkung namhaͤfter Solisten in der evangelischen Kirche Reinthalers Oratorium„Jephtha und seine Tochter“ auf. Die Chöre sowohl als die Solopartien ernteten den reichsten Beifall des zahlreich erschienenen Pub- likums.
Dienstag, den 19. März fand unter dem Vorsitz des Direktors die mündliche Reife- prüfung statt. Am 20. März wurden die Abiturienten feierlich aus der Anstalt entlassen.
Die patriotischen Gedenktage wurden auch in diesem Jahre in herkömmlicher Weise gefeiert.
Der Gesundheitszustand der Lehrer und Schüler war im ganzen befriedigend.
Personalnotizen über den neueingetretenen Lehrer.
Wilhelm Vilmar, evvangelischer Konfession, wurde geboren am 18. Oktober 1870 als Sohn des ordentlichen Universitätsprofessors Dr. theol. et phil. Eduard Vilmar und seiner Gattin Emilie, geb. Abée. Von Ostern 1880 bis Ostern 1889 besuchte er das Gymnasium zu Marburg und studierte dann in Marburg und Berlin deutsche Philologie und Geschichte. Juni 1894 promovierte er auf Grund einer Dissertation über:„Dietrich von Pleningen, einen Übersetzer aus dem Heidelberger Humanistenkreis“ und bestand


