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Bei gutem Wetter wurde viel im Freien geturnt, auch wurde für die beiden unteren Turnklassen ein Teil der Turnstunde öfter zu Turnspielen verwendet. Diese letzteren, sowie das Turnen im Freien fanden auf dem genannten, unmittelbar an der Gymnasial- Turnhalle belegenen, freien Platze statt. Leider ist derselbe wegen seiner geringen Breite und ungünstigen Begrenzung zu grösseren Ballspielen nicht geeignet. Auch könnte der Boden für den Betrieb der Frei- und Ordnungsübungen besser geebnet sein. Um diesem der Sonne stark ausgesetzten Übungsplatze für späterhin mehr Schatten zu verschaffen, hat der Direktor eine Reihe früh schattengebender Bäume an der einen Seite desselben anpflanzen lassen. Vom Frühjahr bis zum Spätherbste wurde bei gutem Wetter ausserhalb der Schulturnstunden teils auf dem eben genannten freien Platze, teils auf einem nicht weit von der Stadt belegenen und derselben gehörigen Anger bei freiwilliger Beteiligung und unter selbstgewählten Spielleitern das Turnspiel gepflegt und zwar: von Schülern der Klassen V u. VI(30 Teilnehmer) in wöchentl. durchschn. 2.1 Stunden, „„„„ III2 u. IV(34„ Ae„ 2.1 ½ Stunden, sowie ausserdem noch von dem bei Beginn dieses Sehutzahres 1896/97 ins Leben getretenen, aus 35 Schülern der Klassen Ii bis III1 einschliesslich bestehenden freiwilligen„Verein für deutsche Spiele“ in wöchentlich 2.1 ½ Stunden. Die bevorzugten Spiele waren: bei den Schülern aus Kl. V und VI: Jäger und Hasen, Plumpsack, Drittenabschlagen, Mützenball, Turmball und Schlagball;
bei den Schülern aus Kl. III2 und IV: Drittenabschlagen, Barlauf, Kriegsspiel, Kreisball, Reiterball und Schlagball;
bei den Schülern des Vereins für deutsche Spiele: Barlauf, Drittenabschlagen, Schnitzeljagd, Schleuderball, deutscher Fussball, Gerwerfen, Ringen und Springen.
Neben diesen Turnspielervereinigungen besteht unter der Aufsicht des Direktors und des Turnlehrers Brückel noch ein freiwilliger„Gymnasial-Turnverein“ aus 48 Schülern der Klassen Ii bis III einschliesslich. Derselbe hat auch in diesem Schuljahr ausser den obligatorischen Turnstunden noch wöchentlich zweimal den Leibesübungen mit Fleiss obgelegen.
Die mit dem Turnunterricht in der Anstalt betrauten Lehrer hielten mit den frei- willigen Spielervereinigungen, sowie mit dem freiwilligen Turnverein stets die nötige Fühlung.
Das Königl. Gymnasium besitzt auch eine, unmittelbar bei der Gymnasial-Turnhalle gelegene eigene, grosse Bade- und Schwimm-Anstalt, in welcher der Schuldiener Weinbrenner unter Mitwirkung eines ebenfalls im Schwimmen geübten jungen Mannes den Schwimmunterricht leitet und die Aufsicht führt. Unter den Schülern der Anstalt befinden sich 132 Freischwimmer, darunter sind 21 Schüler, welche im verflossenen Betriebsjahre das Schwimmen erlernt haben= 9,6% der Gesamtzahl der Schüler.
Die Lahn bot in diesem Winter keine Gelegenheit zum Schlittschuhlaufen, wohl aber der Eisspiegel eines zu diesem Zwecke vollständig geebneten, mit Wasser seicht be- deckten Wiesengrundes in der Nähe der Stadt. Derselbe wurde von Schülern aller Klassen in den schulfreien Stunden gern benutzt.
Bemerk.: Seite 16 zu lesen: Die Anstalt besuchten im Sommer 218, im Winter 216 Schüler.
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