17
nasium zu Frankfurt a. M. versetzt war. Die frei werdende Stelle wurde durch Nach- rücken besetzt, ebenso die folgenden bis auf die letzte, welche der bisherige wissenschaft- liche Hilfslehrer am Königlichen Gymnasium zu Hersfeld Herr Johannes Heidsieck erhielt. Die Entlassung des scheidenden wie die Einführung des neu eintretenden Lehrers fand in Gegenwart sämtlicher Lehrer und Schüler statt. Herr Direktor Bernhardt sprach dabei zunächst in äusserst anerkennenden Worten Herrn Dr. Primer den Dank der Anstalt für seine langjährige hingebende und gesegnete Thätigkeit aus, dann begrüsste er mit herzlichen Worten des Willkommens den Nachfolger unter Hinweis auf seine frühere Zugehörigkeit zur Anstalt während des Schuljahres 1883/84.
Auch im katholischen Religionsunterricht trat zu dieser Zeit ein Lehrerwechsel ein, indem an die Stelle des nach Heddernheim versetzten Herrn Pfarrer Eberz Herr Pfarrer Siegel aus Selters im Unterwesterwaldkreis trat.
Am Samstag den 17. Oktober fand in der letzten Vormittagsstunde zum Andenken an den Geburtstag Kaiser Friedrichs III. eine Gedächtnisfeier statt. Der Verlauf war ein gleicher wie am 15. Juni. Die Gedächtnisrede hielt Herr Gymnasiallehrer Dr. Hey- mach über Friedrich III. als Förderer der Künste und Wissenschaften.
Am Reformationsfest, Sonntag den 1. November, gingen die evangelischen Lehrer und Schüler gemeinsam zum hl. Abendmahl.
Dienstag den 22. Dezember gab das Gymnasium in gewohnter Weise ein Weih- nachts-Konzert.
Vom Mittwoch den 23. Dezember 1891 mittags 12 Uhr bis zum Mittwoch den 6. Januar dauerten die Weihnachtsferien.
Vom 7. bis 9. Januar war Herr Gymnasiallehrer Dr. Weis wegen eines Todes- falls in seiner Familie beurlaubt.
Mittwoch den 27. Januar wurde der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers begangen. Nachdem Lehrer wie Schüler dem Gottesdienste ihrer Konfession beigewohnt, fand in der Aula des Gymnasiums ein Aktus statt. Die Festrede hielt Herr Gymnasial- lehrer Heidsieck; von den Schülern sprachen die Primaner Krämer und Schmitz. Bei dieser Feier vermisste man schmerzlich die Anwesenheit des Direktors Herrn Professor Bernhardt; er war in der Nacht vom 22. zum 23. Januar schwer erkrankt und die Besorgnisse, die sich daran knüpften, waren leider nur allzu begründet. Denn bereits in den Morgenstunden des 6. Februar that der verdienstvolle Mann seinen letzten Atemzug. So erwartete denn die Schüler an diesem Tage anstatt des gewohnten Unterrichts die traurige Kunde von dem flinscheiden ihres Direktors. Nachdem sich Lehrer und Schüler in der Aula versammelt, teilte der älteste Lehrer der Anstalt, Herr Professor Leyen- decker, mit bewegten Worten die erschütternde Thatsache mit und entliess dann die Schüler nach einer kurzen Andacht mit der Ermahnung, das Andenken des Heimgegangenen durch ihre Haltung zu ehren.
Am Montag, den 8. Februar, fand das feierliche Leichenbegängnis statt. Nach 2 Uhr versammelten sich Lehrer wie Schüler zunächst zu einer Gedächtnisfeier in der Aula, bei der als Vertreter des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums Herr Geheimrat Dr. Lahmeyer eine tiefempfundene Ansprache hielt. Dann sang der Gymnasial-Chor vor dem Sterbehause und hierauf bewegte sich der endlose Leichenzug nach dem Kirchhofe. Dort hielt Herr Pfarrer Moser, selbst ein ehemaliger Schüler des Gymnasiums, die Grab-
3


