I. Die Anſtalt.
Da ſeit dem Jahre 1916/17 kein gedruckter Jahresbericht über die Höhere Bürgerſchule zu Vilbel mehr erſchienen iſt, ſei es geſtattet, einiges über die Entwicklung der Anſtalt zur Realſchule dem übrigen Teil des Jahres⸗ berichts vorauszuſchicken. Die Bemühungen, die Schule durch Aufſetzen einer Unter-Sekunda und inneren Ausbau zu einer Anſtalt mit abgeſchloſſener Bildung, zu einer Realſchule, auszubauen, ſetzten ſchon kurz nach dem Kriege ein, trotz einer Schülerzahl von 168 im Jahre 1920, aus der unzweifelhaft das Bedürfnis nach einer Realanſtalt hervorging, nahm das Landesamt für das Bildungsweſen in Darmſtadt für die Abſicht des Kuratoriums einen ablehnenden Standpunkt ein. Erſt am 6. April 1925 genehmigte der heſſiſche Landtag, nachdem der Vorſitzende des Kuratoriums, Herr Bürgermeiſter Rechthien, unermüdlich in der Angelegenheit tätig geweſen war, den Ausbau der Höheren Bürgerſchule Vilbel zu einer Realſchule, unter der Vorausſetzung, daß die Stadt die Mehrkoſten übernehmen würde. Gleichzeitig erhielten die Städte Nidda, Schlitz, Ober-⸗Ingelheim und Rüſſelsheim dieſelbe Befugnis mit ihren Höheren Bürgerſchulen. Schon mehrere Monate vorher hatte die Stadt Vilbel, in Erwartung der Genehmigung des Ausbaus, mit baulichen Veränderungen des Anſtaltsgebäudes begonnen und den Unterzeichneten, der damals noch in Gießen tätig war, als Sachverſtändigen für die zweckmäßigſte Einteilung der Räume zur Begutachtung herangezogen, die Pläne zum Umbau hatten dem damaligen Referenten des Realſchulweſens, Herrn Miniſterialrat Dr. Dorfeld, vorgelegen und deſſen Genehmigung gefunden. Es wurden 2 neue Klaſſenſäle, 1 großer Phyſik⸗ und Chemieſal, 1 großer Sammlungs- und Vorbereitungsraum, 1 Lehrmittelzimmer und ein Direktorzimmer geſchaffen. Außerdem erhielt das Gebäude Zentralheizung. Zu Beginn des Schuljahres 1925 waren die Bauarbeiten vollendet, und es ſetzten die Anſtricharbeiten ſämtlicher Säle und Räume ein. Der Unterzeichnete beſchaffte die Lehrmittel für Phyſik und Chemie, richtete das Lehrmittelzimmer ein(Landkarten, Anſchauungsbilder für Geſchichte und Erdkunde, Mineralienſammlung uſw.) und ſorgte auch ſonſt für zeitgemäße Ausſtattung der Schule. Wenn auch der Unter⸗ richt durch die baulichen Arbeiten geſtört wurde und eine Klaſſe vorübergehend im Bolksſchulgebäude untergebracht werden mußte, ſo waren doch bis Anfang Juli 1925 die Schwierigkeiten überwunden, und als am 15. Juli die Einweihung der neuen Räume und Einrichtungen ſtattfand, konnten Lehrer und Schüler erleichtert aufatmen,— beſaßen ſie doch jetzt ein ſauberes Schulhaus, in dem ſie ſich wohlfühlen konnten. Während des Winters 1925/26 wurde auch noch das Aeußere des Gebäudes neu hergerichtet, ein farbenfroher Terranovaverputz mit reichen Gliederungen ziert ſeitdem das Schulhaus und die ganze Stadt.— Nach Verfügung vom 19. März 1926 zu Nr. L. f. d. B. 7183 erhalten die Abſolventen unſerer Unter⸗Sekunda nach erfolgreichem Beſuch dieſer Klaſſe ohne Prüfung die Oberſekundareife(frühere Einjährigen⸗Berechtigung), genau wie bei den älteren Realſchulen und Oberrealſchulen.
Von Einzelheiten über Einrichtungen der Anſtalt ſei erwähnt: Die Schule beſitzt ſeit 1925 elektriſche Signalanlage, ſeit 1927 Telefonanſchluß(über das Rathaus). Die elektriſche Anlage für Phyſik und Chemie beſteht aus einem rotierenden Umformer(4 PS— Drehſtrommotor mit Schleifringanker, gekoppelt mit Dynamomaſchine) und einer Schalttafel, die alle Arten Strom abzunehmen geſtattet, auch Dreiphaſenſtrom, außerdem ſind Akkumulatoren vorhanden. Der Lichtbilderapparat iſt ein Univerſalapparat der Ica⸗Geſellſchaft Dresden nnd erlaubt Diaprojektion für horizontales und vertikales Licht, Epiprojektion und Mikroprojektion. Die Schule beſitzt Hochantenne und Rund⸗ funkgeräte. Die phyſikaliſche und chemiſche Sammlung enthält ſämtliche für den vorgeſchriebenen Unterricht nötigen Apparate. Die Arbeitstiſche für den Phyſiker und Chemiker ſind ebenſo wie der Experimentiertiſch des Phyſikſaales an Gas, Waſſeerleitung und Elektrizität angeſchloſſen. U. a. m.
I. Die Schüler.
a) Die Anzahl der Schüler in den letzten 10 Jahren(durchſchnittliche Schülerzahl:
1917 76 1922 128 1918 94 1923 157 1919 150 1924 135 1920 168 1925 113
1921 116 1926 101


