Nachruf.
Als vor Jahresfrist der erste gedruckte Bericht der Anstalt der Oeffentlichkeit übergeben wurde, da konnte niemand ahnen, daß sein Verfasser den zweiten nicht mehr erleben sollte. Rektor Dr. Rausch ist nicht mehr. Ein herbes Geschick hat ihn den Seinen, der Stadt Schotten und der Anstalt entrissen in der Blüte seines Lebens und Wirkens. Am 25. Juli 1911 verschied er an den Folgen der Wunden, die er sich durch edle Mithille beim Löschen eines Brandes zugezogen hatte. In der vornehmen Absicht, seinen Mitmenschen einen Dienst zu erweisen, hat er sein Leben eingesetzt für die Allgemeinheit und sich bei seinen Mitbürgern ein unvergängliches Denkmal geschaffen.
Für die Anstalt ist sein Tod ein unermeßlicher Verlust, denn er war die Seele der Schule, deren erster amtlicher Rektor er war. Ihrer Entwicklung war sein uner— müdliches Wirken gewidmet, sodaß die Schülerzahl sich im Laufe der 13 Jahre seiner Tätigkeit fast verdreifacht hat. Seinen rastlosen Bemühungen ist es zu verdanken, daß die Anstalt sich aus bescheidenen Anfängen zur Realschule entwickelt, und daß sie das freundliche, den neuzeitlichen Verhältnissen entsprechende Heim gefunden hat, das heute eine Zierde der Stadt Schotten ist.
Georg Rausch, geboren am 30. Mai 1875 zu Butzbach, bestand im Februar 1893 die Reifeprüfung am Gymnasium zu Laubach. Im Februar 1897 erwarb er sich an der Landes-Universität zu Gießen die Lehrbefähigungen für Deutsch, Geschichte, Geographie und Latein und zu gleicher Zeit den Doktorgrad.
Nach Ableistung seines Vorbereitungsjahres am alten Gymnasium in Darmstadt wurde er im April 1898 zum Leiter unserer Anstalt ernannt. Von seinen gröfßeren wissenschaftlichen Arbeiten sind besonders zu erwähnen:„Geschichte des deutschen Genetivs“;„Aus den Akten der Stadt Schotten“;„Die deutsche Sprache bei Göthe“, die vom Allgemeinen deutschen Sprachverein mit dem ersten Preis ausgezeichnet wurde, und„Die deutsche Sprache bei Schiller“, die er wenige Tage vor seinem Tode zum Abschluß brachte. Er war ein gründlicher wissenschaftlicher Arbeiter und ein hervor- ragend begabter Lehrer, an dem die Schüler mit seltener Verehrung hingen; seinen Mitarbeitern war er stets ein Vorbild treuester Pflichterfüllung. Der Nächstenliebe opferte er sein edles Leben; seiner Persönlichkeit und seinem Wirken wird stets eine dankbare Erinnerung bewahrt bleiben. Sein Name ist mit der Entwicklung der Anstalt unauslöschlich verbunden.


