Jahrgang 
1862
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zogen. Nach Beſchluß des Magiſtrats und mit Genehmigung der Königl. Regierung wurde das Gehalt des bisherigen Subrektorats von dem, wie wir oben erwähnten der Titel Subrektor auf die neu gegründete Literatenſtelle übertragen wurde von 400 Thlr. auf 300 Thlr. vermindert, und daſ⸗ ſelbe ausnahmsweiſe mit einem Illiteraten beſetzt, da man vorzugsweiſe das Augenmerk darauf ge⸗ richtet hatte, einen tüchtigen Muſiklehrer für die Anſtalt zu gewinnen, der ſpäter event. auch das Vor⸗ ſängeramt in der Kirche übernehmen würde. Für dieſe Stelle gewann man eine geeignete Kraft in der Perſon des Herrn Geyger, der am 1. Februar d. J. in das Lehrer⸗Kollegium eintrat.

Georg Julius Hermann Geyger wurde den 21. Mai 1829 zu Friedrichsfelde bei Berlin geboren. Seine Ausbildung als Lehrer erhielt er auf dem Königl. Seminar zu Potsdam in den Jahren 1847 1849. Nach dem Abgange vom Seminar Oſtern 1849 trat er als Eleve in das Königl. Muſik⸗Inſtitut zu Berlin, welches er Oſtern 1850 verließ, um die interimiſtiſche Verwaltung des Kan⸗ toramtes in Zehdenick bis Michaelis deſſelben Jahres zu übernehmen. Darauf wurde er als Lehrer bei der Stadtſchule zu Templin, und nach drei Jahren, als ſolcher in Freienwalde a. O. angeſtellt. Am 4. Februar d. J. hat er ſein Amt an der hieſigen gehobenen Bürgerſchule übernommen, an wel⸗ cher er vorläufig das Ordinariat der 2. Klaſſe der Bürgerſchule verwaltet.

Während der Dauer dieſer Vakanz war auch ſeit Ende November der Hauptlehrer Eigendorf erkrankt, und hat zu unſerem großen Leidweſen ſeine Thätigkeit an der Schule bis jetzt noch nicht wieder aufnehmen können.

Daß unter dieſen Umſtänden die Vertretung und die regelmäßige Beſorgung des Unterrichts mit großen Schwierigkeiten verknüpft war, und nur mit faſt übermäßiger Anſtrengung der Lehrer er⸗ reicht werden konnte, läßt ſich leicht denken, zumal da die an den vier unteren Klaſſen der Bürger⸗ ſchule wirkenden Lehrer wegen der großen Zahl der Lehrſtunden zu einer eigentlichen Vertretung nicht herangezogen werden, ſondern höchſtens durch Kombination bei den Vertretungen mitwirken können. Außerdem verging in den Monaten Februar und März keine Woche, wo nicht außer dem Lehrer Eigen⸗ dorf noch ein oder zwei Lehrer an der Bürgerſchule krank oder wenigſtens zu vertreten geweſen wären; na⸗ mentlich mußten die Lehrer Neumeiſter und Naucke einige Wochen lang ihre Thätigkeit an der Schule einſtellen. Wir freuen uns, alle dieſe Kalamitäten ohne erheblichen Nachtheil für den Stand unſerer Schule glücklich überwunden zu haben, was wohl ſchwerlich ermöglicht worden wäre, wenn nicht die Bür⸗ gerſchule durch die im vorigen Schuljahre erfolgte Erweiterung und angemeſſenere Vertheilung des Lehr⸗ ſtoffes beſſer gerüſtet gegen dergleichen Eventualitäten daſtände. Wir hegen mit Rückſicht auf dieſe Vorgänge im eben beendigten Schuljahre, den Blick auf das kommende gerichtet, zunächſt nur den einen, innigen Wunſch, es möge uns durch die Güte der Vorſehung ein Schuljahr beſchert werden, in welchem alle Lehrer geſund und rüſtig die Arbeit an der Anſtalt ohne Unterbrechung durchfüh⸗ ren können.

Auch der Geſundheitszuſtand der Schüler war namentlich im Sommerſemeſter nicht günſtig, da ſehr viele Kinder an den Maſern krank lagen. Während des Sommerhalbjahres wurden wieder an einzelnen Nachmittagen mit den Schülern der oberen Klaſſen Spaziergänge in die Umgegend von Rathenow gemacht.

Am 18. Oktober vorigen Jahres wurde zur Feier des Krönungstages Sr. Majeſtät des Kö⸗ nigs Wilhelm ein öffentlicher Rede-Aktus gehalten, deſſen Programm folgendes war: 1) Geſang: Dank⸗Motette für Männerchor; Döbbelin: Der 18. October vom Konr. Fiſcher; Pinckert: Feſt⸗ lied von Kellner; Brett: Blücher am Rhein von Kopiſch; Ebendorf: Ein Kunſtſtück von Sturm; Kochendörfer: Die Drohnenſchlacht von Enslin; Harte: Das Buch ohne Buchſtaben von Schmid; Lucke: Die Hausthiere von Becker; Leue: Ich und Du von Pfeilſchmidt; Kroll: Spartaniſche

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