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Fürſorgetätigkeit verſchiedenſter Art. Wenn ſich auch dieſe Tätigkeit nicht auf der großen weltgeſchichtlichen Bühne abſpielte, ſo fehlte doch tatſächlich ein weſentlicher und ſchöner Zug in der Schilderung der erfreulichen Erſcheinungen, die der Krieg im Leben unſeres Volkes hervorgerufen hat, wollte man dieſer beſcheidenen aber gern geleiſteten Hülfe nicht ein Plätzchen hierbei gönnen. Einmal handelte es ſich doch um tatſächliche Notwendigkeiten, ſo unſcheinbar ſie im einzelnen vielleicht ausſehen mögen, zum anderen ſtellt dieſe Tätigkeit aber einen dauernden und bleibenden Gewinn dar für das deutſche Empfinden und Denken der mitwirkenden Jugend. Im anderen Zuſammenhange ſoll ſpäter genauer hierauf eingegangen werden, wir begnügen uns deshalb hier mit folgenden Feſtſtellungen. In mehreren Klaßfen erwachte ganz von ſelbſt der geſunde Sinn für die Ehre der deutſchen Sprache und belegte den Gebrauch unnötiger Fremdwörter mit Geldſtrafe, ſo konnte man dem Roten Kreuze, der Sammlung für die Oſtpreußen und für unſere Matroſen ſein Scherflein beiſteuern, andere verkauften zu Gunſten des Roten Kreuzes Anſichtspoſtkarten, wieder andere ſammelten für die Hinterbliebenenfürſorge der Kriegervereine Stanniol, Flaſchenkapſeln, Zigarrenabſchnitte uff., ein anderer ſammelte Obſt für das hieſige Rotkreuzlazarett, wieder ein anderer ſammelte Ähren auf dem Felde und gab den Erlös hierfür dem Roten Kreuze. Eine Reihe von Unter⸗Sekundanern, Ober⸗Tertianern und Unter⸗Tertianern ließ ſich als freiwillige Kranken⸗ träger ausbilden, andere ſtellten ſich in den Dienſt der Bahnhofsfürſorge, wieder andere halfen bei der Sammlung während der Reichswollwoche, und mit großem Eifer ward von Schülern in bekannten Familien nach Gold geforſcht, und manches Goldſtück wurde ſo durch ihre Hülfe der Reichsbank zugeführt; eine ſtattliche Zahl von Schülern aller Klaſſen leiſteten Hülfe bei Erntearbeiten und anderen landwirtſchaftlichen Arbeiten, nicht nur zu Hauſe, ſondern auch bei anderen Landwirten, und 23 Schüler beteiligten ſich an der militäriſchen Vorbereitung der Jugend, obwohl ſie das hierfür feſtgeſetzte Alter von 16 Jahren noch nicht erreicht hatten. Dieſe verſchiedenartigen Formen der Hülfstätigkeit, die auf Erntefeldern, Bahnhöfen, in emſigen Sammlungen und allerlei Werken der Barmherzigkeit ſich offenbart, darf nicht der Vergeſſenheit anheimfallen, ſie liefert vielfach zarte und anmutende Farbentöne, die dem gewaltigen Kriegs⸗ gemälde nicht fehlen dürfen, wenn es der Wirklichkeit entſprechen ſoll.
Am 19. Auguſt 1914 wurde unter Vorſitz des Direktors eine Abſchlußprüfung abge⸗ halten, der ſich 5 Unter⸗Sekundaner unterzogen. Die Prüflinge konnten ſämtlich für be⸗ ſtanden erklärt werden(vergl. S. 10). Von ihnen trat einer, Daniel Becker, ſofort beim Juß⸗ Artillerie⸗ Regiment Nr. 18 zu Mainz ein und ſteht jetzt im Felde. Auch die Abſchlußprüfung vom 20. März 1915, zu der die ſchriftlichen Arbeiten am 27. Februar, am 1. und 2. März angefertigt wurden, leitete der Direktor. An ihr nahmen 14 Unter⸗Sekundaner teil, die ſämtlich beſtanden(vergl. S. 10). Den Ehrenpreis Sr. Exz. des Herrn Reichstagsabgeordneten Freiherrn Heyl zu Herrnsheim erhielten in dieſem Jahre die Unter⸗Sekundaner Philipp Belzer aus Gimbsheim und Otto Schnecko aus Oppenheim.
Mittwoch, den 3. März, und Donnerstag, den 4. März, beehrte der Superintendent der Provinz Rheinheſſen, Herr Prälat Euler, unſere Schule mit ſeinem Beſuche und hielt in allen Klaſſen Prüfung in evangeliſcher Religionslehre ab.
An dem wahlfreien Unterrichte in Latein nahmen 39 Schüler teil.
Am 2. Juli wurde ein Tagesausflug gemacht. Die Unter⸗Sekundaner wanderten über die Hallgarter Zange nach Schlangenbad und Eltville, die Ober⸗Tertianer beſuchten Langenſchwalbach und Schlangenbad, die Unter⸗Tertianer die Platte bei Wiesbaden, die Quartaner lenkten ihre Schritte nach dem Auerbacher Schloſſe und beſtiegen auch den Malchen, den höchſten Berg der Bergſtraße, die Quintaner ſuchten Wiesbaden, Schlangenbad und Elt⸗ ville auf, die Sextaner und die Vorſchüler Biebrich und Wiesbaden. Kleinere Spazier⸗ gänge von drei⸗ bis vierſtündiger Dauer in die nähere Umgebung wurden am 21. April, am 27. Juni, am 2. September, am 7. November 1914 und am 13. März 1915 unter⸗ nommen.— Wegen der Hitze ſetzten wir den Unterricht von 11 Uhr ab aus am 1. Juli, 3. Juli, 11. Auguſt, 12. Auguſt, 13. Auguſt und am 31. Auguſt.— Auch in dieſem Jahre wurden für die Klaſſen VI—IIb Mittwochs von 15—6 Uhr Jugendſpiele veranſtaltet. Die Leitung hatte bis zu den Sommerferien Referendar Weiß, ſpäter der Direktor. Die Teilnehmerzahl ſchwankte zwiſchen 14 und 45.— Die Herbſtferien dauerten von Donners⸗ tag, den 15. Oktober bis Mittwoch, den 28. Oktober.


