IV. Zur Geſchichte der Anſtalt.
Das Schuljahr 1913/1914 begann am 31. März 1913; es ſchließt am 4. April 1914.
In freiwilliger Betätigung wirkten an unſerer Schule die Lehramtsaſſeſſoren Neu⸗ kummeter aus Mettenheim und Liſtmann aus Mainz. Mit Wirkung vom 18. Auguſt 1913 wurde Lehramtsaſſeſſor Neukummeter ans Neue Gymnaſium zu Mainz zur Ver⸗ tretung eines erkrankten Oberlehrers verſetzt. Zur Ableiſtung des zweiten Jahres des Vor⸗ bereitungsdienſtes trat Lehramtsreferendar Diemer aus Oppenheim am 8. April bei uns ein, die Referendare Bert aus Kirch⸗Brombach und Diehl aus Mainz am 23. Oktober 1913. Referendar Diemer übernahm am 8. Dezember 1913 die Verwaltung einer Oberlehrerſtelle an der Realſchule zu Nordenham i. Oldenburg. Am Jahrestage der Schlacht bei Leipzig wurde Reallehrer Minnich durch die Rotkreuzmedaille 3. Klaſſe ausgezeichnet und zu Großherzogs Geburtstag Reallehrer Nehrbaß durch das Ritterkreuz 2. Klaſſe des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen. Am 28. Februar 1914 erwarb Referendar Diehl bei der Kaiſer⸗Wilhelms⸗ Univerſität zu Straßburg die Würde eines Dr. phil..
Am 27. September 1913 fand unter dem Vorſitze des Direktors eine außerordentliche Abſchlußprüfung ſtatt, der ſich 4 Schüler der IIb unterzogen. Die Prüflinge konnten für beſtanden erklärt werden. Am 13. Februar 1914 beehrte Herr Geheimer Oberſchulrat Block die Schule mit ſeinem Beſuche und wohnte dem Unterrichte in mehreren Klaſſen bei. Die Abſchlußprüfung vom 2. März 1914 leitete der Direktor. An ihr nahmen 12 Unter⸗Sekundaner teil, von denen 11 beſtanden. Den Ehrenpreis Sr. Exz. des Herrn Reichstagsabgeordnete Freiherrn Heyl zu Herrnsheim erhielt in dieſem Jahre Ludwig Hochſtein aus Guntersblum.
An dem wahlfreien Unterrichte im Latein nahmen 33 Schüler teil, am Kauf⸗ männiſchen Rechnen 8 Unter⸗Sekundaner und am Unterrichte in der Gabelsbergeriſchen Stenographie 19 Ober⸗Tertianer.
Am 31. Mai wurde ein Tagesausflug gemacht. Die Unter⸗Sekundaner wanderten nach dem Feldberge im Taunus, Ober⸗ und Unter⸗Tertia beſuchten die Neunkircher Höhe und Lindenfels im Odenwalde, die Quartaner ſuchten das ſchöne Schlangenbad auf, Quinta und Sexta wanderten zur Schwedenſäule nach Erfelden und zogen von da über die Knoblochsaue wieder zurück; die Vorſchüler vergnügten ſich bei Sang und Spiel in der Nähe unſerer Stadt. Kleinere Spaziergänge von drei⸗ bis vierſtündiger Dauer in die nähere Umgebung wurden am 26. April, am 30. Auguſt und am 2. September unternommen. Zum Genuſſe des Schlittſchuhlaufens wurde der Nachmittag des 19. Januars freigegeben. Wegen der Hitze ſetzten wir den Unterricht von 11 Uhr ab aus am 30. Mai, am 4. Juni, am 19. Juni und am 4. Auguſt. Auch in dieſem Jahre wurden für die Klaſſen VI—IIb Mittwochs von 1½ 5 bis 6 Uhr Jugendſpiele unter Leitung des Profeſſors Spiegel veranſtaltet. Die Teil⸗ nehmerzahl ſchwankte zwiſchen 10 und 37. Die Herbſtferien dauerten vom 9. bis 22. Oktober.
Das Schuljahr war reich an vaterländiſchen Erinnerungstagen und brachte uns vier Schulfeiern. Montag, den 16. Juni, begingen wir feſtlich die Fünfundzwanzigjährung der Thronbeſteigung unſeres Kaiſers. Die Feſtrede hielt Reallehrer Nehrbaß. Da der Erinnerungstag der Leipziger Schlacht in die Herbſtferien fiel, hielten wir am Donnerstage, dem 2. Oktober, eine öffentliche Gedächtnisfeier der Befreiungskriege unſeres Volkes vor hundert Jahren in der feſtlich geſchmückten Halle auf der Landskrone ab. Der große Saal war bis aufs letzte Plätzchen beſetzt. Die Feier verlief ſehr würdig und hinterließ bei allen Teilnehmern tiefen Eindruck. Die Feſtrede hielt Oberlehrer Dr. Keller. Für die Einübung der Klavier⸗ und Geigenvorträge ſind wir Herrn Muſiklehrer Traumüller zu Oppenheim zu Dank verpflichtet. Bei der Feier von Großherzogs Geburtstag ſprach Aſſeſſor Liſt⸗ mann über die Entwickelung Oppenheims von den erſten Anfängen bis zur freien Reichsſtadt. An Kaiſers Geburtstag hielt Oberlehrer Repp die Feſtrede, in der er Bedeutung und Anlage der Bagdader Bahn ſchilderte und ſeine Zuhörer an Hand trefflicher Lichtbilder von Konſtantinopel bis Bagdad reiſen ließ.— Am 6. Mai 1913 hielt Schriftſteller Otto Peters von Worms vor unſeren Schülern einen Vortrag über„Selbſterlebtes aus Nord⸗ und Südamerika“.
Seit Auguſt 1912 beſteht an unſerer Schule eine Unfallverſicherung für Schüler bei der Stettiner Verſicherungs⸗Aktien⸗Geſellſchaft„Germania“. Da viele unſerer Schüler


