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Von dieſen ſind 2 in ein Realgymnaſium, 1 in ein Lehrerſeminar übergetreten. Einer er⸗ lernt die Landwirtſchaft; vier widmen ſich dem Kaufmannsſtand.
Außer den 18 im Laufe des Schuljahres 1884/85 ausgetretenen Schülern und den 7 Abiturienten traten nach Schluß desſelben in den Ferien noch 14, d. h. zuſammen 39 Schüler aus.
Hierunter waren außer den 7 mit dem Berechtigungs⸗Zeugnis Austretenden: 10, die in ein Gymnaſium, 5, die in eine Privatſchule, 4, die wegen Wegzugs der Eltern in eine andere Realſchule, 4, die in die Volksſchule übertraten. Weitere 7 gingen in das bürgerliche Leben über. Einer mußte die Schule krankheitshalber verlaſſen, einer verſtarb.
Dagegen ſind im verfloſſenen Schuljahr 1885/86 nur 9 Schüler abgegangen. Von dieſen ſind 4 ins bürgerliche Leben, 1 in ein Gymnaſium, 3 in die Volksſchule übergetreten. Einen Schüler entriß uns leider auch wieder der Tod: Wilhelm Binzel aus Oppenheim. Derſelbe erkrankte Ende September 1885 in Kaichen, wo er ſich mit ſeinem geliebten Großvater, Herrn Dirlam, zum Beſuch von Verwandten und des Grabes ſeiner vor ihm dahingegangenen Mutter befand, plötzlich am Scharlach, das ihn in wenigen Tagen dahinraffte. Die Schule betrauert in ihm einen liebenswürdigen, braven Schüler. Seine Mitſchüler ließen auf dem Grabe des ſo früh verlorenen lieben Genoſſen einen reichen Perlenkranz niederlegen.
IV. Chronik der Anſtalt.
Am 21. März 1885 wurde nach Beendigung der öffentlichen Prüfungen der Schluß des Schuljahres durch einen feſtlichen Aktus im Schwibingerſchen Saale begangen. Dieſer erhielt durch eine fein gelungene, von Herrn Dr. Löbell ſorgfältigſt einſtudierte Schüleraufführung zuſammenhängender Scenen aus der Sophokleiſchen Antigone(Donnerſche Überſetzung) eine beſondere Weihe. Referent verſuchte in einer längeren Rede die gemeinſamen Beſtrebungen und Pflichten der Schule und des Hauſes zu beleuchten und fördernd und aufklärend in beider⸗ ſeitigem Intereſſe zu wirken. Am Schluſſe derſelben wurden die Abiturienten nach einer An⸗ ſprache von ſeiten des Direktors feierlich entlaſſen.
Auch das verfloſſene Schuljahr brachte uns wieder mannigfach empfindliche Störungen. Im Winter⸗ und Sommerhalbjahr mußte vor allem Herr Reallehrer See, teils infolge eigener Erkrankung, teils wegen Ausbruch bösartigen Scharlachs bei ſeinen Kindern, im ganzen an 49 Schultagen den Unterricht ausſetzen. Die Herren Reallehrer Bremme, Knöpfel und Heil waren durch Krankheit an je 12, 27 und 5 Schultagen an Verſehung ihres Amtes gehindert. Wegen ſchwerer Erkrankung der Frau des Direktors mußte die Schule an 4 Tagen geſchloſſen werden.
Der Geſundheitszuſtand der Schüler war im allgemeinen ein günſtiger trotz des hier ſo ſtark und heftig graſſierenden Scharlachfiebers.
Dank der bereitwilligen und allſeitigen Unterſtützung der Bewohner der Stadt war es ge⸗ lungen, auf unſerem rühmlichſt bekannten Badeplatz,„der Oppenheimer Sandſchwelle“, im fließenden Rhein ein Volksbad zu errichten und zur Beaufſichtigung der badenden und ſchwim⸗ menden Schüler einen Bademeiſter in Dienſt zu nehmen, den die Lehrer abwechſelnd in ſeiner Thätigkeit unterſtützten. Bei der Inangriffnahme und Errichtung unſeres Volksbades hat ſich beſonders Reallehrer See durch ſeine aufopfernde Thätigkeit große Verdienſte erworben.
Mitt Genehmigung hohen Miniſteriums war im Sommerhalbjahr der Geſamtunterricht— freilich mit etwas verkürztem Stundenplan— auf den Vormittag verlegt worden. Für die Ge⸗ ſundheit und geiſtige Friſche der Schüler hat ſich dieſe Einrichtung ſehr förderlich und erſprieß⸗ lich gezeigt. Monatliche Spaziergänge mit den Schülern friſchten auch in längeren Arbeits⸗ perioden die Schaffensluſt und Freudigkeit wieder auf. Von einem größeren Ausflug wie im vorigen Jahre mußte leider der vielfachen Unterrichtsſtörungen halber abgeſehen werden. Dank der hieſigen Turngemeinde, die uns ihre Geräte zum Mitgebrauch überläßt, iſt es möglich ge⸗ worden, mit doppelten Turngeräten(je 2 Pferden, Böcken, Barren und Recken) zu arbeiten.
Für die der Schule von Behörden, Privaten und verſchiedenen Verlagsbuchhandlungen übermachten Geſchenke und Verlagswerke ſagen wir hiermit pflichtſchuldigen und gebührenden Dank.


