Jahrgang 
1885
Einzelbild herunterladen

8

Von den im Laufe des Schuljahres ausgetretenen 18 Schülern einer unverhältnismäßig großen Zahl, die nur dadurch ihre Erklärung findet, daß allein 6 Austritte durch Wegzug der Eltern erfolgten ſind je 4 in ein Gymnaſium und eine Realſchule, je 3 in Privatunterricht reſp. eine Privatſchule, einer in die Volksſchule übergetreten. Je einer iſt Krankheitshalber und infolge von Auswanderung ausgetreten. 3 widmen ſich der Landwirtſchaft. Aber auch der Tod hat uns dieſes Jahr wieder einen braven, geliebten Schüler entriſſen. Am 6. Juli ertrank beim Baden im Rhein durch einen unglücklichen Zufall der Sohn unſeres verehrten Kollegen, des Herrn Pfarrer Diehl, der 11jährige Schüler der 6. Klaſſe, Ludwig Diehl von Dienheim. Mit den tiefgebeugten Eltern betrauern wir, daß ein hoffnungsvolles, reichbeanlagtes junges Leben ein ſo frühes, jähes Ende gefunden. Die ganze Schule gab mit vielen Leidtragenden dem jugendlichen Freunde das Trauer⸗Geleite und legte auf ſeinem Grabe die letzten Gaben der Liebe nieder. Möge aus dem Himmel, der nach Chriſti Verheißung den Seligen umfängt, auch den ſchwer gebeugten Eltern reicher Troſt in ihrem herben Kummer entſtrömen.

IV. Chronik der Anſtalt.

Leider erlitt auch in dem verfloſſenen Schuljahre der Unterricht wieder mannigfache empfind⸗ liche Störungen.

Der Großh. Reallehrer Staudingerwur de als Lieutenant der Landwehr vom 3. bis 21. Juni zu militäriſchen Übungen eingezogen; der Großh. Reallehrer Löbell war während 3 Wochen, der Großh. Reallehrer Bremme während 2 Wochen infolge heftiger Fieberanfälle verhindert, ſein Amt zu verſehen. Reallehrer Minnich wurde am Schluſſe des Schuljahres zu einem 4⸗ wöchigen Turnkurſus nach Darmſtadt beordert. Auch war Herr Pfarrer Diehl wieder⸗ holt durch ſeine kirchlichen Amtspflichten und ſeine Arbeiten in der Synode außer ſtande geſetzt, ſeiner Thätigkeit in der Schule nachzukommen.

Der Geſundheitszuſtand unter den Schülern war trotz der hier lange und ſtark graſſierenden Maſern⸗ und Keuchhuſtenepidemie ein durchaus günſtiger.

Dank dem bereitwilligen Entgegenkommen des hieſigen neugegründeten Turnvereins, der uns geſtattet hat, auch ſeine Turngeräte mitzubenutzen und der Fürſorge der ſtädtiſchen Verwal⸗ tung, die uns in die ſeither etwas dunkle Turnhalle zwei weitere Fenſter brechen ließ, hat der Turnunterricht auch im verfloſſenen Jahre ſich weiter entwickelt und vervollkommt zur Freude von Lehrern und Schülern.

Am 27. und 28. Juni unternahmen die fünf oberen Klaſſen unſerer Schule unter Leitung des Referenten und des größten Teils der Kollegen eine zweitägige Turnfahrt in die ſchöne, lieb⸗ liche Bergſtraße. Raſch führte uns am erſten Tage die Eiſenbahn über Worms nach Bensheim, von wo durch das liebliche Schönberger Thal der Aufſtieg auf den Felsberg erfolgte. Frühzeitig kamen wir auf demſelben an und das friſche, freie und fröhliche Treiben, das ſich in dem köſt⸗ lichen Waldesſchatten, auf dem wilden Gewirr der rieſigen Felsmaſſen, über die hinweg der Blick mit Entzücken auf dem köſtlichſten Panorama unſeres an landſchaftlichen Schönheiten ſo reichen Odenwaldes verweilt, nun bald ungerufen und unvermittelt entwickelte, legte von neuem beredtes Zeugnis dafür ab, wie empfänglich und zugänglich auch das Herz der Jugend für die Geheim⸗ niſſe und Schönheiten unſeres deutſchen Waldes iſt. Bei untergehender Sonne erſchallten unter Leitung unſeres Sangmeiſters, des Reallehrers See, mitten auf dem waldumrahmten ſteinernen Meer fröhliche und ernſte Weiſen zum Abſchluß des heiteren Tagewerkes. Freilich gab es für die Schüler während der Nacht nur eine einfache aber warme Streu, die ſelbſt nur durch die ſpar⸗ ſamſte und ſymmetriſchſte Ausnützung des Raumes für alle möglich gemacht wurde. Trotzdem