Jahrgang 
1878
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11 4J. Chronik.

Im Jahre 1876 richtete die Gemeinde Oppenheim an Gr. Staatsregierung ein Geſuch um Umwandlung ihrerHöheren Bürgerſchule in eine vollberechtigte Realſchule II. Ordnung. Die in Folge deſſen durch Gr. Miniſterium den beiden Ständekammern gemachten Vorlagen wurden gutgeheißen und die nöthigen Mittel bewilligt. Nachdem auch Allerhöchſten Ortes die Genehmigung ertheilt und der Unterzeichnete durch Dekret vom 12. Febr. 1877 mit der Leitung der Anſtalt beauftragt worden war, wurde am 18. April 1877 derſelbe durch Herrn Oberſchulrath Greim den Vertretern der Stadt und der Schule vorgeſtellt und die Ueberführung der Höheren Bürger⸗ ſchule in eine Realſchule II. Ordnung derart bewerkſtelligt, daß aus den Klaſſen der erſteren proviſoriſch die 4 unterſten Klaſſen(VI, V, IV u. III) der Realſchule nebſt einer Vorſchulklaſſe gebildet wurden.

Aus alten Programmen, welche wir nach Uebernahme unſeres Dienſtes in der kleinen Bibliothek der ſeitherigen Höheren Bürgerſchule vorfanden, haben wir hinſichtlich der Entſtehung und Entwicklung der letztgenannten Anſtalt das Folgende erſehen:

Nach dem im April des Jahres 1848 erſchienenen Programme wurde die Höhere Bürger⸗ ſchule während der Amtszeit des Bürgermeiſters Dieterich am 3. Mai 1847 eröffnet. In einerVorbemerkung desſelben Programmes heißt es hinſichtlich des Zweckes der Anſtalt unter Anderem:Schon längſt war in hieſiger Stadt und Umgegend das Bedürfniß einer höheren Volks⸗ oder Bürger⸗Schule gefühlt und ausgeſprochen worden, welche ſowohl als Zpiſchenſtufe zwiſchen der niederen Volsſchule einerſeits und den oberen Klaſſen des Gymnaſiums und der höheren Gewerbſchule andererſeits zum ſpäteren Beſuche der letztgenannten Anſtalten befähigte, als auch denjenigen Schülern, welche unmittelbar in das bürgerliche Leben übergehen, eine ge⸗ eignete vaterländiſche und allgemeine Bildung darböte, und dieſelben nicht nur mit einem weiteren Vorrathe techniſcher, ſprachlicher und geſchichtlicher Kenntniſſe und Intelligenz ausſtatte, ſondern auch ihren Geſichtskreis für höhere und allgemeinere Intereſſen des Lebens erweiterte ꝛc.

Die Schule, beſtehend aus 2 Klaſſen mit je 2 Abtheilungen, umfaßte Schüler von 10 14 Jahren, welche durch 2 Lehrer, die Herren Dr. Noak und J. Heitger, unterrichtet wurden. Nur der Religionsunterricht wurde durch die Ortsgeiſtlichen, reſp. den iſrael. Religionslehrer ertheilt.

Vom 18. Juni 1849 bis 18. Juni 1853 verwaltete Herr Dr. Kniſpel die 1. Lehrerſtelle. Auf ihn folgte am 18. Auguſt 1853 Dr. Buchner, der im folgenden Jahre zu Ende des October ſchon wieder die Anſtalt verließ, nachdem am 31. Juli desſelben Jahres auch J. Heitger aus⸗ getreten war. Letzterer wurde erſetzt am 1. September 1854 durch Dr. Burger, erſterer am 13. November durch Dr. Möller.

Da aus den Jahren 1859 u. 1860 keine Programme vorgefunden worden ſind, ſo können

wir nicht angeben, wann die Herren Dr. Burger und Dr. Möller durch die im Programm von 1861 erwähnten Herren Dr. Willenbücher und Fritzmann erſetzt wurden. Am 1. Jan. 1852 trat Dr. Wittmann für Dr. Willenbücher ein und wohrſchein⸗ lich) bald darauf als 2. Lehrer Anton Krug für Fritzmann. Zu Oſtern 1865 trat an Krugs Stelle Ludwig Bickerle, welcher dieſelbe bis zur Ueberführung der Höh. Bürger⸗ ſchule in eine Realſchule, alſo bis April 1877 bekleidete, und im Auguſt 1865 übernahm für Dr. Wittmann die erſte Lehrerſtelle Herr Dr. K. Oßwald, auf welchen mit Neujahr 1867 Dr. Henning und dann am 31. Auguſt 1868 G. Windhaus folgte.

Bis dahin war in der inneren Einrichtung der Anſtalt nichts geändert worden, auch die Schülerzahl war, wie ſich aus der weiter unten folgenden Zuſammenſtellung ergibt, im Ganzen ziemlich gleich geblieben.

Gleichzeitig mit dem 1. Lehrer und Dirigenten G. Windhaus begann ein dritter Lehrer ſeine Thätigkeit an der Höh. Bürgerſchule, die nun in 3 Klaſſen mit je 2 Abtheilungen eingetheilt werden konnte.(Wie es ſcheint waren ſchon früher jüngere als 10 jährige Schüler aufgenommen worden und ſollte nun die 3. Klaſſe die Schüler im Alter von 8 10 Jahren umfaſſen.) Dieſer 3. Lehrer war der Schulamtsaſpirant Aug. Rücker, dem indeſſen ſchon am 16. Sept. 1869 der Schulamtsaſpirant A. Heiß folgte.

Aus den Jahren 1870 u. 71 ſind keine Programme vorgefunden worden.

*) Iſt im Programm nicht angegeben.